Bilanz aktuell  Bilanz aktuell – Zeitschrift  2016  BILANZ aktuell 12/2016 

Zeitschrift:
BILANZ aktuell - Zeitschrift für Steuerberater, Buchhalter und Bilanzbuchhalter sowie alle bilanzierenden Unternehmen
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Beitrag
Ausgabe:
12/2016 Seite: 20

Praxisfall

Erträge aufgrund von Währungsschwankungen

Frage: Wie sind Erträge, die allein aufgrund von Währungsschwankungen entstehen, steuerlich zu beurteilen?

Antwort: Es ist danach zu unterscheiden, ob es sich bei den Kursschwankungen um ein betriebliches oder privates Konto handelt. Ein Konto kann also als Devisenkonto eines privaten Anlegers und auch als Geschäftskonto in Fremdwährung geführt werden. Bei Geschäftskonten wirken sich Kursveränderungen in dem Zeitpunkt aus, in dem die Umrechnung in Euro oder eine andere Währung erfolgt.

Bei Privatkunden ist Folgendes zu beachten:

Nach Ablauf der Spekulationsfrist von einem Jahr sind erzielte und realisierte Kursgewinne aus Fremdwährungskonten (z.B. aus Dollarkonten) steuerfrei, wenn zwischenzeitlich keine Zinszahlung erfolgt ist.

Da ein Fremdwährungsguthaben als selbständiges Wirtschaftsgut beurteilt wird, ist der Umtausch von Euro in eine Fremdwährung als Anschaffung und der Rücktausch als Veräußerung anzusehen, sodass ein steuerpflichtiger, privater Veräußerungsgewinn oder -verlust entsteht. Damit gehören Anlagen auf Fremdwährungskonten zu den wenigen Kapitalanlagen, bei denen Kursgewinne steuerfrei vereinnahmt werden können.

Steuerneutrale Kontobewegungen sowie Kursveränderungen bei Devisen in Wertpapieren stellen während der Haltedauer kein Veräußerungsgeschäft dar. Der Tausch von Währung gegen Währung und der Tausch von Devisen gegen Wertpapiere können allerdings zu einem Veräußerungsgeschäft führen.

Bei der Besteuerung von Zinsen und Kursgewinnen können Anleger mit einem Fremdwährungskonto sowohl Zinserträge als auch Gewinne (Verluste) durch Kursschwankungen erzielen. Die Zinserträge sind als Kapitaleinkünfte zu erfassen.

Ein Konto kann als Devisenkonto eines privaten Anlegers und auch als Geschäftskonto in Fremdwährung geführt werden. Private Anleger führen ihr Devisenkonto in der Regel entweder als Tagesgeldkonto oder als Festgeldkonto. Je nach Anbieter werden die Guthaben auf dem Tagesgeldkonto verzinst oder auch nicht. Geldanlagen auf einem Dollar Währungskonto als Festgeld erzielen in der Regel einen Zinsertrag. Der Zinssatz wird zu Beginn der Geldanlage festgelegt und ändert sich während der Laufzeit des Festgeldes nicht.

Bei den Zinsen, die durch eine Geldanlage auf einem Fremdwährung-Festgeldkonto erzielt werden, handelt es sich nicht um ein Valuta-Spekulationsgeschäft (BFH-Urteil vom 2.5.2000, IX R 73/98). Der Sparer muss seine Zinsen seit dem 1.1.2009 vielmehr mit dem gültigen sogenannten Abgeltungssteuersatz versteuern. Die Quellensteuer ist von den Banken direkt an das Finanzamt abzuführen. Die Einbehaltung der Kapitalertragssteuer auf Erträge aus Kapitalvermögen gilt auch für Zinszahlungen z.B. auf einem Dollar Fremdwährungskonto.

Die Abgeltungssteuer beträgt 25 % der Zinserträge zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag. Für Mitglieder anerkannter Religionsgemeinschaften wird die auf die Zinserträge zu entrichtende Kirchensteuer ebenfalls automatisch durch das Kreditinstitut eingezogen und abgeführt.

Zur Berechnung der Abgeltungssteuer werden die Zinserträge auf dem Fremdwährungskonto in Euro umgerechnet. Die Geldinstitute stellen für die Anleger Steuerbescheinigungen ggf. auch Jahressteuerbescheinigungen aus, die als Nachweis gegenüber dem Finanzamt verwendet werden können (§ 45a Abs. 2 bis 4 EStG).

Die Zinserträge von natürlichen Personen müssen auch dann versteuert werden, wenn die Zinsen innerhalb der EU grenzüberschreitend vereinnahmt werden. Das bedeutet für deutsche Anleger, dass sie auch die Zinsen auf einem Fremdwährungskonto, z.B. einem Dollar-Konto, versteuern müssen, auch wenn das Konto bei einem Kreditinstitut im europäischen Ausland unterhalten wird.

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