VDA-Positionen zur Mobilität von Morgen: Erlebnis geht vor Besitz

Bernhard Mattes. (Foto: Ford)

Die deutschen Hersteller haben 2017 einen Rekordwert bei der Produktion erreicht. Weltweit liefen 16,5 Mio. Pkw mit deutschem Markenzeichen von den Bändern, meldet Auto-Medienportal.Net. „Dieser internationale Erfolg ist das Fundament für die heimische Wertschöpfung, „sagte Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf dem Future Mobility Summit, der am 9. und 10. April 2018 vom „Tagesspiegel“ in Berlin veranstaltet wurde. Mehr als drei Viertel der in Deutschland gefertigten Pkw gehen in den Export. Der aktuelle Höchststand von über 825.000 Stammbeschäftigten bei Herstellern und Zulieferern zeige die hervorragende strategische Ausrichtung unserer inländischen Betriebe, sagte Mattes.

„Doch der Erfolg von heute ist kein Garant für morgen“, so Mattes. „Die Automobilindustrie erlebt und gestaltet eine rasante Transformation. Die Weltbevölkerung wächst bis zum Jahr 2050 von heute sieben Mrd. auf zehn Mrd. Menschen. Die Zahl der Megacities nimmt drastisch zu, die kaufkraftstarke Mittelschicht wächst. Das Bedürfnis nach individueller Mobilität bleibt, aber es verändert sich: Erlebnis geht vor Besitz. All diese Megatrends erfordern, die Mobilität der Zukunft neu zu denken. Das tun wir. Unsere Lösungen liegen in emissionsarmen Antrieben, in der Vernetzung, in der Digitalisierung und im autonomen Fahren. Ob Carsharing oder Ridesharing – gefragt sind effiziente, kundengerechte Mobilitätsangebote und die Vernetzung der Verkehrsträger.“

Ziel der deutschen Hersteller und Zulieferer sei es – so Mattes –, den Straßenverkehr künftig noch sicherer, effizienter und komfortabler zu machen. „Stufenweise wollen wir den Fahrer immer mehr unterstützen und damit Unfälle vermeiden. Dazu entwickeln wir automatisierte Fahrfunktionen, die auf bestehenden Fahrerassistenzsystemen aufbauen.“ Fast jedes zweite weltweite Patent beim vernetzten und automatisierten Fahren kommt von der deutschen Automobilindustrie. Mattes: „Deutschland ist in diesem Bereich Patentweltmeister. In den nächsten drei bis vier Jahren investieren deutsche Hersteller und Zulieferer bis zu 18 Mrd. Euro in dieses Zukunftsfeld.“

Die Konnektivität sei ein enormer Effizienzhebel, so Mattes. Moderne Vernetzungs-Technologien könnten zum Beispiel die Parkplatzsuche optimieren und damit Zeit und Emissionen einsparen. In deutschen Städten könnten so bis zu 50 Tonnen Feinstaub und bis zu 1000 Tonnen Stickoxid vermieden werden. „Um die digitalen Potenziale auf der Straße nutzen zu können, ist eine flächendeckende und dynamische Mobilfunknetzabdeckung entlang aller Verkehrswege nötig. Zudem ist ein kluger politischer Rahmen erforderlich, der Rechtssicherheit gewährleistet“, sagte der VDA-Präsident.

Die deutsche Automobilindustrie verfolgt laut Mattes „eine breit angelegte Dekarbonisierungs-Strategie“. Sie reiche von weiteren Verbesserungen beim Verbrennungsmotor über alternative Antriebe und Kraftstoffe wie Wasserstoff, Erdgas und E-Fuels bis hin zum reinen E-Fahrzeug. Dazu Mattes: „Allein in die Weiterentwicklung der Elektromobilität investieren unsere Unternehmen bis zum Jahr 2020 insgesamt 40 Mrd. Euro. Bis dahin wird sich ihr Angebot an E-Autos auf rund 100 Modelle mehr als verdreifachen. Bei alternativen Antriebspatenten sind die deutschen Hersteller und Zulieferer international an der Spitze. Nach einer Studie des ifo-Instituts stammt weltweit jedes dritte Patent zur Elektromobilität und zum Hybridantrieb aus Deutschland.“