Rekonstruktion eines Unfallgeschehens

Von: Dipl.-Ing. (FH) Franz Plöchinger, Tiefenbach

Dipl.-Ing. (FH) Franz Plöchinger

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft P., übermittelt am 22.22.22 durch die Polizeieinsatzzentrale, soll anlässlich des Verkehrsunfalls am 22.22.22 in B eine technische Unfallaufnahme und anschließende Rekonstruktion des Unfallgeschehens durchgeführt werden. Insbesondere soll der Unfallablauf rekonstruiert und zur Geschwindigkeit des Unfallfahrzeugs sowie zur Vermeidbarkeit des Unfallgeschehens für den Fahrzeuglenker Stellung genommen werden. Das beteiligte Fahrzeug soll auf
technische Mängel untersucht werden.

Zu diesem Zweck wurde am gleichen Tag unverzüglich eine Untersuchung der Unfallörtlichkeit und des Unfallfahrzeugs durchgeführt. Die vorhandenen Unfallspuren wurden dokumentiert. Die Unfallstelle sowie der Verlauf der davorliegenden Kurve wurden mithilfe einer Leica-Laser-Totalstation vom Typ TPS 1200 digital vermessen.

Die technische Untersuchung des beteiligten Fahrzeugs erfolgte am 22.22.22 bei der Firma A. in W. Fahrversuche zur Ermittlung von Reifenhaftung und Kurvengrenzgeschwindigkeit wurden mit einem Fahrzeug gleichen Typs am 22.22.22 durchgeführt. Hierzu wurde die Fahrbahn der Kreisstraße im Bereich der Unfallörtlichkeit temporär durch die Polizeiinspektion P. gesperrt. Die Messdaten wurden digital aufgezeichnet und auf Video dokumentiert.

Mithilfe der digitalen Vermessungsdaten wurde eine Unfallgrafik erstellt, die Grundlage der Rekonstruktion und Analyse des Unfallgeschehens sowie der rechnerischen Simulation des Unfallablaufs mithilfe der Simulationssoftware „PC-Crash“ war.

Dieses Gutachten umfasst 16 Seiten sowie eine Fotoanlage mit 55 Lichtbildern. Außerdem wurden als Anlagen zwei Unfallgrafiken sowie eine Video-CD und zwei Ausdrucke zu den Fahrversuchen beigefügt.

Zugrunde liegender Vorgang

Am yy.yy.yy gegen 20:15 Uhr fuhr Herr X mit dem PKW Audi A4, amtliches Kennzeichen XX-XX 000, auf der Kreisstraße PA 2 von A in Richtung B. Kurz vor dem Ortsanfang von B kam der PKW nach rechts von der Fahrbahn ab, schleuderte anschließend wieder zurück über die Fahrbahn nach links und überschlug sich in der angrenzenden Wiese. Anschließend stieß der PKW mit großer Wucht gegen einen dortigen Baum und kam darunter auf dem Dach zu liegen (Bild 1–5).

Der im PKW mitgefahrene Z wurde bei dem Unfall aus dem Fahrzeug geschleudert und erlitt tödliche Verletzungen. Herr X wurde schwer verletzt. Am PKW entstand Totalschaden.

Grundlagen der Begutachtung

Die Rekonstruktion und Analyse des Unfallgeschehens erfolgte unter Einbeziehung aller an der Unfallstelle vorgefundenen Spuren, der Endlage des PKW und des herausgeschleuderten Beifahrers sowie der Ergebnisse der technischen Untersuchung des Unfallfahrzeugs.

Zur Begutachtung standen folgende Grundlagen zur Verfügung:

• Ergebnisse der Unfallstellenvermessung
• Ergebnisse der durchgeführten Fahrversuche mit elektronischer Daten- und Videoaufzeichnung
• Zulassungsbescheinigung des Fahrzeugs (Teil I)
• Vorläufige Verkehrsunfallanzeige der Polizeiinspektion P. vom 33.33.33 in Faxkopie
• Protokolle der Zeugenvernehmungen XXX und YYY in Faxkopie.

Rekonstruktion des Unfallablaufs

Unfallaufnahme, Unfallörtlichkeit

Der gegenständliche Verkehrsunfall ereignete sich auf der Kreisstraße am Ortsanfang von B aus Fahrtrichtung A. Endlage und Aufprallstelle am Baum lagen bereits innerhalb des Ortsbereichs von BBB. Der zum Unfallvorgang führende Schleudervorgang begann noch außerorts.

Die Kreisstraße verläuft im Bereich der letzten Rechtskurve vor dem Ortsanfang weitgehend eben, der Fahrbahnverlauf ist übersichtlich (s. Bild 26). Die Kreisstraße weist in diesem Bereich einen griffigen Asphaltbelag auf und ist auf einer Breite von ca. 6 m asphaltiert. In Fahrbahnmitte ist ein unterbrochener Mittelstreifen markiert. Der grasbewachsene Bereich neben der Fahrbahn ist ebenfalls weitgehend eben und liegt überwiegend geringfügig unterhalb des Fahrbahnniveaus.

Zur Unfallzeit war die Fahrbahn trocken. Witterungsbedingte Sichtbehinderungen lagen nicht vor. Am Unfalltag war es 20:15 Uhr noch hell.

Der unfallbeteiligte PKW lag zum Zeitpunkt der Untersuchung der Unfallörtlichkeit auf dem Dach etwa 3 m neben der Fahrbahn unter dem dortigen Apfelbaum. Der PKW zeigte schwere Beschädigungen durch einen Überschlag sowie einen massiven Anstoß gegen den Baum im Bereich der Fahrerseite. Der aus dem Fahrzeug herausgeschleuderte Beifahrer lag auf der anderen Seite des Baums.

Die Aufprallspuren am Baum mit örtlicher, vollständiger Entrindung lagen in einer Höhe von ca. 2 bis 2,5 m (Bild 6).

Die gesicherten Unfallspuren wurden fotografisch dokumentiert und im Rahmen einer zweiten  Besichtigung der Unfallörtlichkeit am nächsten Tag digital vermessen.

Im Rahmen dieser zweiten Untersuchung der Unfallörtlichkeit wurden außerdem Driftspuren am Ende der Rechtskurve vor der Unfallörtlichkeit festgestellt, die eindeutig dem Unfallfahrzeug zugeordnet werden konnten (Bild 14–16). Diese Driftspuren wurden im Bereich von zwei Mittelstreifen abgezeichnet und führen zu der Stelle hin, an der das Fahrzeug zunächst nach rechts von der Fahrbahn abgekommen war. Die Zuordnung zum Unfallfahrzeug konnte eindeutig aufgrund der abgezeichneten Profilstruktur erfolgen, die exakt dem entsprechenden Profilbild an der Reifenschulter der am Unfallfahrzeug montierten Bereifung entsprach.

Technische Untersuchung
Der Unfall-PKW wird in der vorgelegten Zulassungsbescheinigung wie folgt beschrieben:
Hersteller: Audi
Typ: B5
Verkaufsbezeichnung: A4 1,8 T
Fahrzeugart/Aufbau: PKW Limousine
amtl. Kennzeichen: XX-XX 000
Fahrzeug-Ident.-Nummer: WXXXXXXXX
HSN/TSN: 0588 / 593
Motorart: Otto/G-Kat
Leistung: 110 kW
Hubraum: 1781 cm³
Erstzulassung: XX.XX.1995
Farbe/Lackierung: mingblau, Perleffekt
Zul. Gesamtmasse: 1.775 kg
km-Stand abgelesen: 213.157 km
Reifengröße: 225/40 R 18 92W
Reifenmarke: Goodyear
Profiltiefe: vorne: 5 mm
hinten: 6/7 mm
Luftdruck der Bereifung: vorne ca. 2,5 bar - hinten ca. 2,4 bar
Sonderausstattung (ab Werk): Klimaautomatik, Sportlederlenkrad, Sportfahrwerk, Sportsitze

Das komplette Gutachten finden Sie in der Ausgabe 2/2016.



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