Neues Honorartableau der HUK-Coburg

Von: Elmar Fuchs

© Redaktion

Seit einigen Wochen versendet die HU K-Coburg Honorartableaus und teilt Sachverständigen mit, dass sie künftig lediglich auf der Basis dieses Honorartableaus abrechnen wird. Im Vergleich zum bisherigen Honorartableau der HU K-Coburg wurden die Beträge minimal erhöht. Wir haben der HUK-Coburg mitgeteilt, dass die Vorgehensweise für uns völlig indiskutabel ist.

Die HUK-Coburg greift die Nachvollziehbarkeit der BVSK-Honorarbefragung an, obschon diese durch den Bundesgerichtshof bestätigt wurde. Wir nehmen zur Kenntnis, dass die HUK-Coburg offenbar eine Preiserhöhung im Sachverständigenbereich durchaus für sinnvoll erachtet und empfehlen, in Prozessen gegen die HUK-Coburg hierauf ausdrücklich zu verweisen. Wir haben der HUK-Coburg angeboten, erneut in Gespräche einzutreten, die sich sowohl mit der Honorarhöhe im Sachverständigenwesen befassen als auch mit der Qualität, die nach unserer Auffassung naturgemäß Auswirkungen auch auf die Honorarhöhe haben muss. Unter Berücksichtigung qualifizierter Gutachten ist das nun vorgelegte Honorartableau der HUK-Coburg aus unserer Sicht nicht akzeptabel.

Wir möchten daher betonen, dass die HUK-Coburg dieses Honorartableau ohne Abstimmung mit dem BVSK nutzt. Betrachtet man den Aufbau dieses Tableaus, sehen wir zumindest die Gefahr, dass hierdurch der Eindruck erweckt werden soll, als ob es sich um ein mit dem BVSK besprochenes Honorartableau handeln würde. Wir legen Wert auf die Feststellung, dass dies zum derzeitigen Zeitpunkt nicht bejaht werden kann.

Ob und inwieweit die HUK-Coburg bereit ist, in qualifizierte Gespräche einzutreten, vermögen wir derzeit nicht zu beurteilen. Wir werden kurzfristig über den Sachstand berichten. Das neue „SV-Honorartableau“ der HUK-COBURG fügen wir hier zur Kenntnis bei. Auch dieses Honorartableau nebst den Erläuterungen der HUK-COBURG, die wir hier aufgrund offensichtlicher Absurdität nicht beilegen, ist Indiz dafür, dass die Auseinandersetzungen um das Kfz-Sachverständigenhonorar immer absurdere Formen annehmen.

Die Selbstgefälligkeit der HUK-COBURG scheint keine Grenzen zu kennen. Es wird eine Preiserhöhung von 1,6 % über einen Zeitraum von drei Jahren als angemessen erachtet. Man stelle sich vor, mit gleicher Selbstgefälligkeit würden Versicherungsnehmer Prämienberechnungen der HUK-COBURG reduzieren – mit der lapidaren Begründung, dass eine Prämiensteigerung von 1,6 % mehr als genug sei.

Natürlich ist der Streit um das Sachverständigenhonorar auch ein Beispiel für den Kostendruck, in dem sich die gesamte deutsche Versicherungswirtschaft befindet. Zum wiederholten Male allerdings unterliegt man dem Irrtum, dass mit der Kürzung einzelner Schadenspositionen die Schadensaufwendungen insgesamt reduziert werden könnten.

Natürlich ist es möglich, bei entsprechendem Einsatz die Sachverständigenaufwendungen in den Bilanzen der Versicherer zu reduzieren. Der Aufwand, der allerdings auf Versichererseite betrieben wird, um dieses Ziel zu erreichen, ist erheblich und wird im Übrigen in aller Regel bilanztechnisch nicht berücksichtigt. Es kann also durchaus sein, dass die Einsparung von Sachverständigenkosten nur durch Aufwendungen, die am Ende höher liegen als der eingesparte Betrag erreicht wird.

Auch nachhaltig ist eine derartige Politik nicht, da ein ganz entscheidender Faktor des Sachverständigenwesens außer Ansatz gelassen wird: Man kann sicher die Auffassung vertreten, dass viele Schadensgutachten qualitativ nicht den Ansprüchen genügen, die an ein qualifiziertes Produkt zu stellen sind. Auch diese Gutachten werden allerdings durch den Versicherer i.d.R. anstandslos bezahlt – insbesondere dann, wenn die ausgewiesene Schadenssumme nicht höher als der Schadensdurchschnitt liegt. Bewegt sich jedoch das Honorar für dieses qualitativ mangelhafte Gutachten unterhalb der Prüfkriterien der Versicherungswirtschaft, kommt es erst gar nicht zu einer Honorarkürzung. Das Sachverständigenbüro allerdings, das in Ausbildung, Ausstattung und die laufende Überprüfung der Qualität investiert, berechnet oft höhere Honorare, die allerdings auch infolge des Qualitätsniveaus, das geliefert wird, begründbar sind. Genau diese Büros bestraft nun der Versicherer mit der Kürzung der Honorare. Zugleich ist dieses Vorgehen kein Statement mehr im Hinblick auf eine eigentlich wünschenswerte Qualität im Sachverständigenbereich. Statt die Angebote des Berufsverbandes BVSK oder auch des IfS anzunehmen, sich bei der Diskussion um das Sachverständigenhonorar auch um Qualitätsfragen zu kümmern, wird lieber pauschal gekürzt – in der Hoffnung, dass das eine oder andere Gericht mit juristisch zumeist nicht haltbaren Argumenten den Segen gibt.

Die Zukunft wird Versicherer und auch Sachverständige mit ganz anderen Themen konfrontieren: Gutachten werden aufwändiger und es besteht kein Zweifel, dass ein Schadensgutachten auch kostenintensiver werden wird. Es mag zwar sein, dass in einigen Fällen ein Gutachten völlig entbehrlich sein wird, aber aufgrund der komplexen Fahrzeugtechnik, neuer Karosseriewerkstoffe und insbesondere aufgrund der Fahrzeugelektronik werden die Gutachten in Zukunft deutlich mehr Zeit in der Erstellung in Anspruch nehmen. Es liegt eben auch im Interesse des Versicherers, Wert darauf zu legen, dass die Gutachten bei diesen hochkomplexen Fahrzeugen qualitativ diesen Fahrzeugen und der Technik dieser Fahrzeuge entsprechen. Ein gerade hier qualifiziertes Gutachten kostet zwar auf den ersten Blick Geld, aber es kann bei zweiter Betrachtung für den Versicherer die kostengünstigste Alternative sein. Es bleibt zu hoffen, dass auch diese Diskussion in den nächsten Monaten wieder möglich sein wird.



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