Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte

Von: Sabine Unterderweide, Fotografenmeisterin, Ettlingen

© Sabine Unterderweide,
Unterschiedliche Belichtung eines PKW. (Foto: Sabine Unterderweide)

© Sabine Unterderweide,

© Sabine Unterderweide,

Wie aussagekräftige Beweisfotos entstehen - Teil 1: Belichtung

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Wenn nicht, kann das z.B. bei Schadensgutachten mit Rückfragen, zusätzlicher Arbeit und womöglich mehr als 1.000 Worten verbunden sein. Wie macht man also aussagekräftige Fotos, die mehr als 1.000 Worte sagen? In diesem Artikel möchte ich verschiedene Faktoren ansprechen, die die Qualität und damit die Aussagekraft von Fotos beeinflussen. Es soll jedoch keine wissenschaftliche Facharbeit werden, sondern eine Sammlung von praktischen Informationen, Tipps und Hinweisen, ergänzt durch entsprechende Bildbeispiele.

Beginnen möchte ich mit der Belichtung. Darauf aufbauend folgen weitere Artikel mit Themen wie Brennweiten von Objektiven und deren Auswirkungen, Fotografieren mit Blitz und Einsatz von Hilfsmitteln.

Helligkeit

Fällt zu viel Licht auf den Kamerasensor, wird das Foto zu hell (Foto 3). Und bei zu wenig Licht, wird das Foto zu dunkel (Foto 1). Die notwendige Lichtmenge (Foto 2) für das gewählte Motiv zeigt der Belichtungsmesser an (Fotos 4, 5, 6). Im Sucher, auf dem Display und/ oder im Live-View wird eine Skala und/ oder Zahlen angezeigt (Fotos 7, 8, 9).

Ist die Skala im Minus-Bereich, wird das Foto zu dunkel, im Plus-Bereich zu hell, bei 0 ist das Foto richtig belichtet. Bitte beachten Sie, dass die Belichtung des Fotos unabhängig von der Helligkeit des Live-View-Kameradisplays ist (Fotos 10, 11, 12). Die Helligkeit des Displays passt sich i.d.R. automatisch dem Umgebungslicht an.

Die notwendige Lichtmenge kann durch drei Faktoren beeinflusst werden:

1. durch die Blende im Objektiv

2. durch die Zeit, wie lange der Verschluss in der Kamera geöffnet ist

3. durch die ISO, die Empfindlichkeit.

ISO

Die ISO kennt man aus der analogen Fotografie (Foto 13). Standard waren Filme mit ISO 100 oder auch ISO 200. Filme mit ISO 400 wurden eher für besondere Anlässe gekauft. Es gab Filme bis ISO 6.400. Digitale Kameras gehen mittlerweile bis ISO 3.280.000.

Was für analoge Filme galt, gilt auch für die digitalen Kameras. Je höher die ISO, umso schlechter die Qualität des Fotos. Beim analogen Film spricht man von körnigen Fotos. Schärfe, Kontrast und Detailwiedergabe sind umso schlechter, je höher der ISO-Wert ist. Bei digitalen Kameras spricht man von Rauschen. Im Foto sieht man deutlich rote, blaue, weiße oder schwarze Pixel, die dort farblich nicht hinpassen. Je höher der eingestellte ISO-Wert, umso mehr rauscht das Foto. Schärfe, Kontrast und Detailwiedergabe nehmen ab (Fotos 14, 15, 16, 17).

Vergleicht man ein Foto von einer Kamera mit max. ISO 3.200 bei ISO 3.200 und ein Foto von einer Kamera mit max. ISO 3.280.000 bei ISO 3.280.000, so unterscheiden sie sich in der Qualität kaum. Die extrem hohen ISO-Werte werden u.a. durch große Sensoren (Vollformat) und verbesserte Prozessoren erreicht.

Rauschen bedeutet einen Qualitätsverlust für Ihre Fotos. Deshalb empfehle ich, die ISO-Automatik abzuschalten und ISO 200 einzustellen.

Zeit

Die Belichtungszeit beeinflusst, wie lange der Verschluss in der Kamera geöffnet ist (Foto 18). Dabei geht es i.d.R. um den Bruchteil einer Sekunde, z.B. 1/250 Sek. Bei manchen Kameras wird die Belichtungszeit als Bruch angegeben, z.B. 1/250, und manche Kameras zeigen nur 250 an, meinen aber eben den Bruchteil einer Sekunde (Fotos 19, 20). Damit man beim Auswählen der Belichtungszeit genau erkennt, wann die Kamera eine Sek. oder länger belichtet, werden die Sekunden mit “ ergänzt, also z.B. 4“ für vier Sek. (Foto 21).

Durch eine kurze Belichtungszeit kann ein bewegtes Motiv „eingefroren“ oder bei langer Belichtungszeit mit Bewegungsunschärfe fotografiert werden. Da sich Fahrzeuge während der Begutachtung i.d.R. nicht bewegen, kann man beliebig lange belichten. Einzige Voraussetzung: Die Kamera darf insbesondere bei längeren Belichtungszeiten nicht wackeln. Das lässt sich z.B. durch ein Stativ vermeiden. Verwacklungsgefahr besteht ab etwa 1/60 Sek. oder länger!

Blende

Durch die Blende wird die Größe der Öffnung im Objektiv beeinflusst (Fotos 22, 23). Eine kleine Blendenzahl (z.B. 2,8) bedeutet eine große Öffnung und eine große Blendenzahl (z.B. 22) eine kleine Öffnung. Das erscheint etwas unlogisch. Die Blendenzahl beschreibt nicht die Größe der Öffnung, sondern die Größe der Fläche, die im Objektiv verschlossen wird. Bei Blende 2,8 wird eine kleine Fläche verschlossen und bei Blende 22 eine große Fläche.

Durch die Blende beeinflusst man nicht nur die Lichtmenge, sondern auch die Schärfentiefe (Fotos 24, 25). Wird das Bild scharf gestellt, liegt die Schärfe auf einer zweidimensionalen Ebene. Ob und wie sich die Schärfe von dieser Ebene aus nach vorne und hinten ausbreitet, ist u.a. von der Blende abhängig. Bei einer großen Blendenzahl ist die Schärfentiefe groß und bei einer kleinen Blendenzahl gering. Deshalb empfehle ich beim Fotografieren von Fahrzeugen über Eck mindestens Blende 8, bei Detailaufnahmen Blende 16 oder 22 (Fotos 26, 27).

Blende, Zeit und ISO sind die drei Faktoren, mit denen man die Lichtmenge „dosiert“. Manche Objektive haben einen Blendenring (Foto 28), mit dem die Blende in 1/2-Schritten eingestellt werden kann. Stellt man Blende, Zeit und ISO über die Einstellräder der Kamera (Foto 29) ein, sind es i.d.R. 1/3-Schritte. Dabei bedeutet ein ganzer Blendenoder Zeit- oder ISO-Schritt immer eine Verdopplung oder Halbierung der Lichtmenge (siehe Tabelle). Ein Beispiel zur Verdeutlichung:

Blende 11, 1/250 Sek und ISO 200 Ändert man die Einstellung auf Blende 8, würde die doppelte Lichtmenge auf den Sensor fallen. Ändert man gleichzeitig die Zeit auf 1/500 Sek, wäre der Verschluss nur halb so lange geöffnet und damit ist das Foto mit Blende 8 bei 1/500 Sek. und ISO 200 genauso hell wie das Beispiel mit Blende 11 bei 1/250 Sek. und ISO 200.

Die einstellbaren Blendenwerte sind vom Objektiv abhängig. Die kleinste Blendenzahl beschreibt die Lichtstärke eines Objektivs und muss auf dem Objektiv angegeben werden (Foto 30).

Die Einstellmöglichkeiten für die Belichtungszeit sind von der Kamera abhängig. Die kürzestmögliche Belichtungszeit ist 1/8.000 Sek. (Foto 31). Lange Belichtungszeiten gehen bis zu 30 Sek. (Foto 32). Manche Kameras haben noch die Funktion Bulb für „beliebig“ (Foto 33). Dann kann der Auslöser beliebig lange gedrückt werden, also ein Foto beliebig lang belichtet werden. Um Verwacklungen zu vermeiden, verwendet man dabei Stativ und Fernauslöser.

Empfehlung

Blende, Zeit und ISO beeinflussen die Helligkeit im Foto und haben dabei „Nebenwirkungen“. Um Rauschen und damit Schärfe-, Detailund Kontrastverlust zu vermeiden, empfehle ich ISO 200. Ausreichend Schärfentiefe erhalten Sie bei Übersichtsaufnahmen mit Blende 8 und bei Detailaufnahmen mit Blende 22. Daraus ergeben sich bei Sonne draußen kurze Belichtungszeiten und in einer dunklen Werkstatt lange Belichtungszeiten, ggf. mehrere Sekunden. Bei Belichtungszeiten von 1/60 Sek. und länger, sollte die Kamera abgestellt werden. Das kann ein Stativ, ein Koffer, ein Regal oder auch ein Reifenstapel sein.

Um die Belichtung beeinflussen zu können, muss die Automatik ausgeschaltet werden (Foto 34). Wählen Sie die Halbautomatik A bzw. Av, um Blende und ISO einzustellen. Die Kamera stellt die Zeit automatisch ein. Oder wählen Sie M (Manuell), um Blende, Zeit und ISO einzustellen. Bei dieser Funktion wird Ihnen die Skala zum Einstellen der richtigen Belichtung angezeigt. Ist ein Foto zu dunkel, öffnen Sie die Blende (weniger Schärfentiefe!) oder verlängern die Belichtungszeit (Verwacklungsgefahr beachten!). Bei zu hellen Fotos schließen Sie die Blende oder verkürzen die Belichtungszeit.



Ein-/Ausblenden

Interesse an einem Abonnement?

Hier finden Sie alle Informationen zu

  • einem Jahres-abonnement mit Prämie

  • einem Kennenlern-Abonnement

    sowie

  • der Zusendung eines kostenlosen Probeheftes

Ihr Ansprechpartner

Ein-/Ausblenden

Waldemar Buczek

Tel.: (0221) 97668-333
Fax: (0221) 97668-344