Der Sachverständige im Spannungsfeld der Interessenlagen

Von: Christian Hoffmann, Kfz-Sachverständiger, Bad Salzuflen

Fotos: Dr. Andreas Ottofülling

Fortsetzung des Beitrags aus Heft 3/2019

Wenn nur in irgendeiner Weise das Telefon gestört ist, löst das bei den meisten Menschen Nervosität oder Verärgerung aus. Es gehört schließlich zu den natürlichen menschlichen Bedürfnissen, dass sie mit ihren Mitmenschen kommunizieren können. Es ist schlimm, wenn man seine Freunde oder sonstige liebgewonnene Menschen nicht erreichen kann. Wir brauchen die positive Kommunikation, sie wirkt sich regelmäßig stabilisierend aus.

In einer spannungsgeladenen Situation kann man aber ganz allgemein sagen, dass die Freundlichkeit eines Gegenübers nichts mit persönlich positiver Zuwendung (= echter Verbindlichkeit) zu tun hat. Selbst die Freundlichkeit des Sachverständigen zum Kunden muss primär geschäftlicher Natur sein, sonst wäre seine Neutralität infrage gestellt. Die geschäftliche Freundlichkeit ist also nur eine eingeschränkte Verbindlichkeit,
die sachliche Distanz muss stets gewahrt bleiben.

Insbesondere beim Einsatz im Gerichtsprozess hat die gefühlsmäßig unterliegende Partei keinen natürlichen Grund zur Freundlichkeit. Im normalen zwischenmenschlichen Wechselspiel signalisiert die Freundlichkeit schließlich ein Wohlwollen. Sie begünstigt den Aufbau eines Vertrauensverhältnisses, welches auch im Verhältnis eines Unternehmers zum Kunden zum Tragen kommt. Zum Beispiel werden die üblichen Bewegungen beim Grüßen einer anderen Person intuitiv als „Nichtangriffssignal“ verstanden.

Die professionellen Angreifer nutzen diese intuitive Interpretation, indem sie versuchen, mit gut gespielter Freundlichkeit und harmlosem Auftreten ihr Gegenüber einzulullen. Dabei soll die kritische Aufmerksamkeit reduziert werden und „Schutzmauern“ sollen abgebaut werden. Es ist die Methode „wie ein Wolf im Schafspelz“. Freundlichkeit, welche nicht der tatsächlichen Spannungslage entspricht, sollte also immer als Warnsignal verstanden werden; in spannungsgeladenen Situationen ist sie typisch für die Vorbereitung eines Angriffs.

Es geht dabei regelmäßig um den Versuch einer Überrumpelung. Diese findet nicht nur bei Polizeieinsätzen statt, sie gehört auch immer wieder zu den Taktiken, bei denen einem Sachverständigen unüberlegte bzw. sachlich nicht fundierte Aussagen herausgelockt werden sollen. Gerade weil man auf manche Umgangsformen oder auch auf Frechheiten im Alltag nicht eingestellt ist, steht man dann in der Gefahr, dass man überrumpelt wird.

Diese Methode funktioniert aber nur da, wo man mit einem solchen Angriff nicht rechnet oder die Angriffsmethode nicht erkennt. Sie funktioniert auch nur dann, wenn man sich über die fachlichen Zusammenhänge und seine rechtlichen Pflichten nicht ausreichend im Klaren ist. Sofern unerwartete, sachlich wichtige Argumente vorgetragen werden, sollte man sich jedenfalls immer die Zeit nehmen, die Argumente gründlich zu prüfen. Meistens ist es angebracht, eine veränderte Ausgangsposition gründlich zu hinterfragen und, wenn möglich, nur in der Schriftform weiter zu bearbeiten. Eine schnelle Antwort könnte allzu leicht danebengehen.

Gerade im Rahmen von Gerichtsverfahren versuchen die Beteiligten gerne, den Sachverständigen vorab ans Telefon zu bekommen, um ihm „etwas zu erklären“. Hier muss man ohne Ausnahme sofort die Grenzen setzen, auch wenn der Anrufer meint, er hätte nur vorab eine technische Frage und man solle sich doch hier nicht anstellen. Würde sich der Sachverständige in solchen Fällen auf inhaltliche Aussagen einlassen, hätte er damit auch gleich ganz formal seinen unabhängigen Status verspielt. Das könnte sogar den Verlust seiner Vergütung nach sich ziehen.

Bei den Zivilprozessen werden den Sachverständigen regelmäßig die wichtigsten Fragen der Beteiligten bereits vor dem Verhandlungstermin schriftlich zugestellt. Es hat sich bewährt, wenn man sich zur Vorbereitung eines Verhandlungstermins die Akte dann noch einmal zur Einsicht kommen lässt. Durch die Akteneinsicht kann man meistens vorab erkennen, mit welcher Strategie die Beteiligten ihre Fragen stellen werden und welche noch nicht vorgebrachten Fragen kommen könnten. Mit einer guten Vorbereitung wird man bei der Verhandlung dann kaum zu überrumpeln sein.

Aber auch bei außergerichtlichen Arbeiten sollte man sich immer im Klaren darüber sein, dass alle sonstigen Anfragen zu einem Gutachten nur beantwortet werden dürfen, wenn es mit dem Datenschutz vereinbar ist. Wenn es gelegentlich auch anders einfacher aussehen könnte, eine Anfrage einer Versicherung darf nur mit Zustimmung des Auftraggebers beantwortet werden.

- Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Ausgabe 04/2019 -



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