Editorial

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Liebe Leserin, lieber Leser,

der Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen e.V. – BVSK – blickte anlässlich des traditionellen Kfz-Sachverständigentages in Potsdam auf die Gründung des Verbandes vor 60 Jahren zurück.

„BVSK 6.0“ war der doppeldeutige Titel des Sachverständigentages, der einerseits zum Ausdruck brachte, dass sich die gesamte Unfallschadensbranche in einem Umbruchprozess befindet, der aber andererseits auch auf 60 Jahre erfolgreiche Verbandsgeschichte zurückblicken lässt.

Der BVSK ist wirtschaftlich erfolgreich aufgestellt, die Zahl der Mitglieder wächst, die Kontakte zu Kfz-Betrieben, Anwälten, Organisationen und Versicherungen sind vielfältig. Vorstand und Geschäftsführung harmonieren, scheinbar kann man also gelassen in die nächsten Jahrzehnte schauen.

Tatsächlich aber bedrohen nicht nur die Digitalisierungsprozesse das klassische Berufsbild, sondern vor allen Dingen sind es die sich rapide verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Wenn selbst der Vorstand eines großen deutschen Versicherers anlässlich des Sachverständigentages darauf hinweist, dass die Möglichkeiten eines großen Versicherers im Wettbewerb mit den Marktführern begrenzt sind und die große Sorge besteht, dass Automobilhersteller und Flottenbetreiber das Versicherungsgeschäft beherrschen könnten, ist diese Aussage auch für freiberufliche Kfz-Sachverständige oder die verkehrsrechtlich tätigen Rechtsanwälte besorgniserregend.

Der Technikchef des ZDK (Dr. Neofitos Arathmymos) machte sehr überzeugend deutlich, dass auch die Ansprache der Kunden, die die Dienstleistung „Gutachten“ und „Schadensregulierung“ beauftragen, teilweise noch im vorherigen Jahrhundert hängen geblieben ist. Es fehlt nach wie vor eine überzeugende Anwalts-App und genauso fehlt die Unfall-App, die den Weg zum Sachverständigen verkürzt.

Zu sehr ist man offensichtlich zufrieden mit dem in der Vergangenheit Erreichten, zu wenig unternimmt man mit der heute zweifelsfrei noch vorhandenen Wirtschaftskraft, Investitionen zu tätigen, die zukunftsfähig machen.

Auch wenn die Zahl der Unfallschäden, die über einen Anwalt abgewickelt werden, sicherlich deutlich gestiegen ist, ist immer noch in den meisten Anwaltskanzleien das Verkehrsrecht ein Fachgebiet, das zwar bedient wird, das aber nicht professionell gepflegt wird.

Netzwerke zwischen Anwälten, Fuhrparkbetreibern, Autohausketten und flexibel agierenden freiberuflichen Sachverständigen gibt es zu wenige. Damit werden Lücken geschaffen für die großen Sachverständigenorganisationen oder für Anwaltsfabriken, die zumindest im IT-Bereich so aufgestellt sind, dass sie potenzielle Auftraggeber beeindrucken können.

Auch wenn der 34. Kfz-Sachverständigentag im 60. Jahr des Bestehens des BVSK erfolgreich absolviert wurde, kann dies keine Veranlassung sein, sich zurückzulehnen, sondern muss eher als Appell wahrgenommen werden, ganz schnell ganz viel zu verändern.

Ihr Elmar Fuchs

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 4 / 2019 auf Seite: 1
Elmar Fuchs

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