Editorial

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Liebe Leserin, lieber Leser,

o tempora, o mores!

Kein Tag, an dem nicht das hohe Lied der Digitalisierung, der Elektronik, der E-Mobilität oder das Zeitalter des autonomen Fahrens in Verbindung mit modernsten Fahrerassistenzsystemen beschrieben wird.

Die Zahl der Verkehrstoten geht seit Jahren zurück, nicht etwa, weil besser gefahren wird, sondern weil modernste Technik und sicherere Fahrzeuge gewaltige Fortschritte ermöglicht haben. Eine Folge dieser Entwicklung ist beispielsweise, dass der Schaden an einem Fahrzeug nicht mehr ohne Weiteres festgestellt werden kann. Eine weitere Folge ist tatsächlich eine Explosion der Ersatzteilpreise, wenn man beispielsweise an die Entwicklung der Scheinwerfertechnik denkt.

Wir alle freuen uns, dass die Zahl der Verkehrstoten dramatisch rückläufig ist und natürlich genießen wir Komfort und Sicherheitsextras in unseren Fahrzeugen. Die Bereitschaft allerdings, die Kosten dieser Entwicklung zu tragen, hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Natürlich ist es bedauerlich, dass heute die Leasingrate für ein Fahrzeug gelegentlich geringer ist als die Versicherungsprämie, aber auch das ist letztlich eine Folge des technischen Fortschritts.

Es ist Indiz für die Verlogenheit in Teilen der Branche, wenn suggeriert wird, dass die Kostenentwicklung gebremst werden kann. Die Erstellung eines Schadensgutachtens wird zunehmend geprägt von der Notwendigkeit, die Fahrzeugelektronik auszulesen. Und auch aus anwaltlicher Sicht zeigt sich immer mehr, dass die Schadensregulierung aus tatsächlichen und rechtlichen Gründen immer aufwendiger wird. Es stimmt, dass Verrechnungssätze steigen, aber sie steigen auch deshalb, weil die technische Ausstattung und die Kosten für Fort- und Weiterbildung steigen.

Viele Fakten werden in weiten Teilen der Branche nicht zur Kenntnis genommen:

So bietet der TÜV Nord ein angeblich innovatives System an, mit einer Videokamera Schäden durch Prüfingenieure oder möglicherweise durch Mitarbeiter der Werkstatt aufzunehmen, die dann an anderer Stelle kalkuliert werden. Ein Verein, der wie der TÜV seit über 100 Jahren für Sicherheit steht, verabschiedet sich von der höchstpersönlichen Inaugenscheinnahme des streitgegenständlichen Objektes durch das angeblich so innovative System.

Die HUK-COBURG spricht davon, Sachverständigenkosten und Anwaltskosten nicht anders zu behandeln als alle übrigen Schadenspositionen und scheut sich nicht, mit einem Sachverständigennetzwerk zusammenzuarbeiten, das verspricht, alle Schäden für 280 € brutto zu bearbeiten. Der Geschädigte, der nun einen anderen qualifizierten Sachverständigen beauftragt, sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, er habe gegen seine Schadensminderungspflicht verstoßen, weil er den Billig-Sachverständigen nicht beauftragt habe.

Es wird nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die HUK-COBURG sogar den Anwalt empfiehlt, der die Ansprüche des Geschädigten gegen die HUK-COBURG durchsetzt – am Ende zu den Konditionen der HUK-COBURG. Derselbe Versicherer baut nun ein Netzwerk von Servicebetrieben und Kfz-Verkaufsstellen auf, als wolle er beweisen, dass trotz des Hightech-Zeitalters Kosten reduzierbar sind. Tatsächlich verändern sich die Kosten insgesamt nicht und der Betrieb, der für die HUK-COBURG für kleines Geld arbeitet, versucht nun nach Kräften, sich das Geld an anderer Stelle zu holen. Auch dies ist ein Weg, der dauerhaft keinen Erfolg haben kann.

Es fehlt die Moral und es fehlen ernsthafte Überlegungen, der Kostenexplosion entgegenzuwirken. Jeder spart zulasten des anderen – dies ist mit Sicherheit kein Erfolgsmodell. Die ersten Monate des Jahres 2018 lassen nichts Gutes erwarten. Vielleicht führt der Frühling zu konstruktiven Veränderungen – in diesem Sinne sind wir zum Frühlingsbeginn zuversichtlich.

Ihr Elmar Fuchs

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 3 / 2018 auf Seite: 1
Elmar Fuchs

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