Editorial

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Liebe Leserin, lieber Leser,

im Rückblick auf das Jahr 2017 ist man geneigt, die Frage zu stellen, was sich im Schadensjahr 2017 alles ereignet hat. Der Rückblick fällt durchwachsen aus, was das zu Ende gegangene Jahr allerdings nicht von den früheren Jahresrückblicken unterscheidet.

Zweifelsfrei überschattet wurde das Jahr 2017 durch die sogenannte Abgasthematik, die in Deutschland zu mindestens 10.000 Klagen gegen VWBetriebe und den Hersteller geführt hat. Die Gerichte werden sich sicher noch weit über 2020 hinaus mit diesen Fragen zu befassen haben. Die Auswirkungen führen zweifelsfrei zu einer erheblichen Beschleunigung der seit Jahren erkennbaren Veränderungsprozesse in Automobilhandel und -handwerk und damit verbunden natürlich auch im Kfz- Sachverständigenwesen und in der verkehrsrechtlich tätigen Anwaltschaft.

Neue Antriebskonzepte in Verbindung mit neuen Mobilitätskonzepten wären in der jetzt festzustellenden Dynamik ohne Dieselaffäre nicht eingetreten.

Die Kündigung der Händlerverträge bei VW wird zu einer Verringerung der selbstständigen Handelsbetriebe führen und damit im Ergebnis auch zu einer Verringerung der Mandatsvermittler für Anwälte und der Auftragsvermittler für Kfz-Sachverständige.

Neue Anbieter, wie Sixt-Leasing, werden zu Handelspartnern, und Automobilhersteller befassen sich mit neuen Full-Service- Leasingkonzepten.

Bei diesen Entwicklungen gerät das klassische und seit vielen Jahren bekannte Schadensmanagement diverser Versicherer in den Hintergrund – aber dies völlig zu Unrecht!

Unter Außerachtlassung sogar eines Rests von Anstand propagiert die HUKCOBURG die Analogie der Mietwagenrechtsprechung auf die Sachverständigenbeauftragung. Die HUK-COBURG schlägt in ihren Pilotregionen Saar und Bayern von ihr selbst ausgewählte Sachverständigenbüros vor, die angeblich jeden Schaden für 280,00 € brutto begutachten.Beauftragt nun der Geschädigte einen Sachverständigen seines Vertrauens, reguliert die HUK-COBURG auf der Basis der von ihr vorgeschlagenen 280,00 €.

Traurig, dass Qualität mit Füßen getreten wird und das Ziel der Einsparung von Sachverständigenkosten offenbar jedes Mittel erlauben soll.

Eine namhafte Überwachungsorganisation plant den Einsatz von Videokameras, mit denen Prüfingenieure quasi nebenbei Schäden aufnehmen sollen. Die höchstpersönliche Gutachtenerstellung als Grundpfeiler korrekter Sachverständigentätigkeit bleibt so auf der Strecke.

Zum Ende des Jahres überraschten bestimmte Kreise die Sachverständigenwelt mit der Idee, einen Ingenieurverein mit der Erarbeitung einer VDI-Richtlinie für das Berufsbild des Sachverständigen zu betrauen – nicht erkennend, dass damit die Schwierigkeiten im Sachverständigenwesen nicht etwa gelöst, sondern verstärkt werden. Wer am Ende des Jahres nicht weihnachtlich dachte, muss zu dem Ergebnis kommen, dass genau diese Zielsetzung am Ende sogar beabsichtigt ist.

2017 hat auch eine Strategie der Versicherer erkennen lassen, durch Kürzungen in nahezu allen Bereichen den Bearbeitungsaufwand in der Schadensbearbeitung aus Sicht des Anwalts dramatisch zu erhöhen. Die Strategie scheint klar zu sein. Da sich die Anwaltsgebühren nicht verändern, wird die Unfallschadensabwicklung aus Sicht des Verkehrsrechtsanwalts zunehmend wirtschaftlich unattraktiv und zugleich wird ein Keil zwischen Autohäuser und Anwaltschaft getrieben. Hiergegen wird sich auch 2018 mit aller Schärfe zur Wehr zu setzen sein.

Am Ende bleibt 2017 auch deshalb interessant, weil die Zahl der Verkehrsunfälle – trotz oder möglicherweise sogar wegen der Fahrzeugelektronik – angestiegen ist. Zudem rächt sich zunehmend der Druck, den interessierte Kreise auf die Reparaturkosten ausüben. Wer als Vertrauensbetrieb die Stunde für 50 % seines normalen Stundenverrechnungssatzes anbietet, wird mit Sicherheit 2018 seine „normalen“ Stundenverrechnungssätze weiter erhöhen müssen, um zu überleben.

Interessant scheint aber auch zu sein, dass selbst eine HUK-COBURG trotz oder vielleicht auch wegen des brutalen Drucks, den sie im Preisbereich ausübt, ihre Erfolgsmeldungen relativiert hat.

2017 bleibt also ein durchaus denkwürdiges Jahr, das uns irgendwann einmal wieder einfallen wird, wenn wir an die Zeiten zurückdenken, in denen sich die automobile Welt spürbar und nachhaltig verändert hat.

Ihr

Elmar Fuchs

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in Ausgabe 1 / 2018 auf Seite: 1
Elmar Fuchs

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