Der Kfz-Sachverständige

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Die aktuelle Ausgabe "Der Kfz-Sachverständige" - Heft 5/2019

Inhalt 

Verursachte Schäden am Fahrzeug durch eine Feuerwerksbatterie

Der digitalisierte Unfallschaden – Renditeende bei K&L?

Schon 6.000 Vollgutachten von der GTÜ

Aus dem Editorial:

Elmar Fuchs

Liebe Leserin, lieber Leser, 

das Thema Lack beschäftigt Juristen, Versicherungen und Lackierbetriebe bereits seit vielen Jahren. Nicht zu erwarten ist, dass die Thematik des Lackierens und der damit verbundenen Kosten bereits erschöpfend beantwortet ist.

Das Allianz Zentrum für Technik (AZT), welches für das grundsätzlich praxisgerechte Lackiersystem AZT/Schwacke verantwortlich ist, überprüft in einer groß angelegten Untersuchung, ob die ermittelten Werte noch zeitgerecht sind.

Mitnichten bedeutet diese Tatsache, dass davon auszugehen ist, dass die Werte sich erhöhen werden, sondern man muss durchaus davon ausgehen, dass auch beabsichtigt ist, entweder zu belegen, dass die Werte den Arbeitsumfang korrekt erfassen oder sogar eine Korrektur zu geringeren Werten erforderlich ist.

Ohnehin ist man erstaunt, wie ideenreich teilweise versucht wird, den tat- sächlichen Reparaturaufwand zu kaschieren. So ist zumindest der juristischen Fachöffentlichkeit kaum bekannt, dass in der Unfallschadensinstandsetzung bei Bestellung von Neuteilen diese Neuteile sehr häufig mit erheblichem Aufwand bearbeitet werden müssen, um sie für die Instandsetzung nutzen zu können.

Erst als der ZKF – motiviert von den Mitgliedsbetrieben – die Frage der Berücksichtigung dieses Zeitaufwandes in der Kalkulation stellte, bemühte sich das AZT darauf hinzuweisen, dass die Thematik natürlich bekannt sei und dass ein Zeitanteil, der sich auf die Bearbeitung des Teiles bezieht, bereits berücksichtig ist.

Abgesehen davon, dass man auch die Frage stellen kann, welche Qualität ein Neuteil hat, das erst bearbeitet werden muss, um für den Einbau geeignet zu sein, bleibt die Frage, warum erst jetzt nach der Möglichkeit gefragt wird, diesen Arbeitsaufwand abzurechnen. Der Grund liegt möglicherweise darin, dass man bemüht ist, in der Regulierungspraxis an jeder Stellschraube Reparaturkosten einzusparen.

Die Folge ist nicht etwa, dass aus Sicht der Versicherer die Reparaturkosten insgesamt rückläufig sind. Selbst wenn man eine bestimmte Schadensposition erfolgreich beschnitten hat, entwickeln sich neue Schadenspositionen, die auch deshalb in die Diskussion geraten, weil man sich gegen die permanenten Kürzungen zu Wehr setzen muss.

Betrachtet man allerdings die Schadensquote eines Versicherers – also vereinfacht gesagt die Differenz zwischen Prämieneinnahmen und Schadensausgaben – , stellt man bspw. bei der HUKCOBURG fest, dass selbst die scheinbar so erfolgreiche HUK-COBURG nur mit einer ihrer Unternehmungen eine Schadenquote unter 100 erreicht.

Nun wird man bei der HUK-COBURG nicht vermuten können, dass sie besonders großzügig reguliert. Dies kann aber dann nur bedeuten, dass die innerbetrieblichen Aufwendungen einer HUK-COBURG im Wesentlichen verantwortlich dafür sind, dass die magische Quote 100 nicht erreicht wird.

Dies wäre ein klares Indiz dafür, dass bei Personal-, Vertriebs- und Baukosten sowie bei der Organisation von Prozessabläufen ein nicht unerhebliches Einsparpotenzial liegt und möglicherweise höher zu bewerten ist als das Einsparpotenzial bei jeder einzelnen Schadensposition.

Vernunft scheint jedoch eine Tugend zu sein, die zumindest in der Unfallschadensabwicklung nicht mehr vorhanden ist. Und weil das so ist, soll uns auch vor der Zukunft des Berufs des Anwaltes oder des Sachverständigen nicht bange sein.

Ihr Elmar Fuchs

Der KFZ-SV Ausgabe 5 / 2019

Editorial

Editorial
....Seite 1 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

das Thema Lack beschäftigt Juristen, Versicherungen und Lackierbetriebe bereits seit vielen Jahren. Nicht zu erwarten ist, dass die Thematik des Lackierens und der damit verbundenen Kosten bereits erschöpfend beantwortet ist.

Das Allianz Zentrum für Technik (AZT),...

 
mehr... Elmar Fuchs

Meldungen

Michelin fordert: Auch gefahrene Reifen testen
....Seite 3 

Meistens kommt die Aufforderung zum Reifenwechsel deutlich vor dem tatsächlichen Ende der Haftkraft des Reifens. „Die Verbraucher können gar nicht wissen, wie sicher die Reifen sind, wenn sich das Profil deutlich reduziert hat und wechseln ihre Reifen deshalb zu früh“, erklärt Pierre Robert,...

 
mehr... Red.
Bundesregierung beschließt weitere steuerliche Förderung der Elektromobilität
....Seite 3 

Das Bundeskabinett hat am 31. Juli 2019 den Gesetzentwurf zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität auf den Weg gebracht und dazu verschiedenen steuerliche Maßnahmen für Elektroautos verabschiedet.

Schwerpunkt des vom Kabinett beschlossenen Gesetzentwurfes für das Jahressteuergesetz...

 
mehr... Red.
Dienstwagenbesteuerung – Verlängerung der Sonderregelung für Elektrofahrzeuge
....Seite 3 

Wird ein Dienstwagen auch privat genutzt, wird dieser Vorteil grundsätzlich mit 1 % des inländischen Listenpreises versteuert (sog. Listenpreismethode). Im letzten Jahr wurde für Elektro- und extern aufladbare Hybridfahrzeuge diese Versteuerung halbiert (auf 1,0 % des halben Listenpreises/Monat)....

 
mehr... Red.
Sonderabschreibungen für Elektrolieferfahrzeuge
....Seite 4 

Für die Anschaffung neuer, rein elektrisch betriebener Lieferfahrzeuge wird eine Sonderabschreibung eingeführt (2020 bis Ende 2030). Damit können Unternehmen bereits im Jahr der Anschaffung eines solchen Fahrzeugs zusätzlich zu den regulären Abschreibungsmöglichkeiten die Hälfte der...

 
mehr... Red.
Steuerbefreiung für Ladestrom und Pauschalbesteuerung für Ladevorrichtung
....Seite 4 

Das kostenfreie Aufladen des Elektro- oder Hybridelektrofahrzeugs im Betrieb des Arbeitgebers ist steuerfrei. Ebenso können betriebliche Ladevorrichtungen an Beschäftigte überlassen werden, ohne dass dieser Vorteil versteuert werden muss. Übereignet der Arbeitgeber Ladevorrichtungen für die Nutzung...

 
mehr... Red.
Gewerbesteuerliche Erleichterungen bei Miete und Leasing von Elektrofahrzeugen
....Seite 4 

Unternehmen, die umweltfreundliche Fahrzeuge mieten oder leasen, sollen künftig steuerlich besser gestellt werden. Für Elektrofahrzeuge und extern aufladbare Hybridelektrofahrzeuge (die bestimmte Schadstoffausstoß- oder Reichweitenkriterien erfüllen) sowie für angemietete Fahrräder, die keine...

 
mehr... Red.
Bosch und Daimler erhalten Zulassung für fahrerloses Parken
....Seite 4 

Bosch und Daimler haben für das automatisierte Parksystem im Parkhaus des Mercedes-Benz Museums in Stuttgart die Freigabe der zuständigen Behörden in Baden-Württemberg erhalten. Der automatisierte Vorfahr- und Einparkservice wird per Smartphone-App abgerufen und kommt ohne Sicherheitsfahrer aus. Er...

 
mehr... Red.
Pkw-Weltmarkt rückläufig
....Seite 4 

Die Bilanz der ersten Jahreshälfte fällt auf den internationalen Automobilmärkten überwiegend negativ aus. In den großen Absatzregionen China, USA und Europa (EU28 & EFTA) wurden jeweils weniger Fahrzeuge abgesetzt als im ersten Halbjahr 2018. Russland und Indien verzeichneten ebenfalls Rückgänge,...

 
mehr... Red.
Jeder dritte Autofahrer „vergißt“ Schulterblick
....Seite 5 

Über ein Drittel der Auto- und Radfahrer missachtet regelmäßig Verkehrsregeln. Laut einer Studie des Autoclub Europa (ACE) sind rund 40 % der Auto- und knapp 36 % der Radfahrer Verkehrsregeln häufig egal. Sie setzen sich regelmäßig über die einschlägigen Vorschriften hinweg, missachten sie aus...

 
mehr... Red.
Neue Masche: Klau ein Auto, steck ein zweites in Brand
....Seite 5 

Polizei und Staatsanwaltschaften warnen vor einer neuen Masche beim Autoklau, berichtet „Auto Bild“ in seiner aktuellen Ausgabe. Hier der Trick: Zunächst stehlen Diebesbanden ein hochpreisiges Luxusauto. Anschließend suchen sie ein baugleiches Modell, um es in Brand zu setzen. Nach einiger Zeit...

 
mehr... Red.
Onlineportal hilft bei psychischen Belastungen durch Verkehrsunfälle
....Seite 5 

Die Bundesanstalt für Straßenwesen hat ein neues Portal zu psychischen Unfallfolgen online gestellt. Verkehrsunfallopfer, Angehörige, Zeugen und Helfer finden auf www.hilfefinder. de Informationen und Kontaktdaten zum Thema. Das Angebot wurde in Zusammenarbeit mit dem Deutschen...

 
mehr... Red.

Gutachten

Verursachte Schäden am Fahrzeug durch eine Feuerwerksbatterie
....Seite 8 

Laut Auftrag des AG W. wurde der Unterzeichner beauftragt, ein technisches Gutachten zum Beweisthema zu erstellen. Für die Beantwortung der Beweisfragen war es unumgänglich, einen praktischen Versuch für die Rekonstruktion von Verursachung von Schäden an einem Fahrzeug durch eine Feuerwerksbatterie...

 
mehr... Kfz-Meister Peter Millies, Solingen

Technik

Audi Q8 50 TDI quattro tiptronic (210 kW) / Fiat 500/Fiat 500C 1.2 8V (51 kW)
....Seite 6 

 

 
Red.

Sachverständigenwesen

Der Sachverständige im Spannungsfeld der Interessenlagen
....Seite 15 

„Der Ton macht die Musik“ heißt es immer wieder, wenn etwas gesagt worden ist, was der betroffenen Person zuwider ist. Das kann natürlich auch auf eine schriftliche Formulierung zutreffen. Dann wird gerne über den Tonfall oder über die Wortwahl gemeckert, um eine Aussage und damit zugleich den...

 
mehr... Christian Hoffmann, Kfz-Sachverständiger, Bad Salzuflen
Der digitalisierte Unfallschaden – Renditeende bei K&L?
....Seite 18 

Der klassische Karosseriefach- und Lackierbetrieb weiß am ehesten, dass und wie im K&L-Bereich Erträge zu erwirtschaften sind, aber insbesondere die großen fabrikatsgebundenen Autohäuser vernachlässigen häufig die Optimierung des K&L-Geschäfts.

Dies wird nachvollziehbar, betrachtet man nur die...

 
mehr... Elmar Fuchs, Rechtsanwalt, Potsdam
Schon 6.000 Vollgutachten von der GTÜ
....Seite 21 

Am 22.3.2019 ist der Markt für Vollgutachten geöffnet worden. Bis dahin durften nur TÜV und DEKRA solche Abnahmen durchführen. Dabei hatte der TÜV in den alten und die DEKRA in den neuen Bundesländern eine Monopolstellung. Mit der Liberalisierung haben Kunden jetzt zusätzliche Wahlmöglichkeiten und...

 
mehr... Frank Reichert
Wir versprechen alles und halten…
....Seite 22 

Es werden immer wieder Kfz-Betriebe und Kfz-Sachverständige durch unterschiedliche Unternehmen (z.B. www. Gutachterradar.de, Schadencare, crashback24, www.crashapp.de etc.) angesprochen, die allesamt versprechen, dass insbesondere Gutachtenaufträge und Reparaturaufträge vermittelt werden können.

...

 
mehr... Elmar Fuchs, Rechtsanwalt, Potsdam
Abtretung im Kaskoschaden
....Seite 23 

Bislang geht man davon aus, dass die Abtretung vertraglicher Ansprüche aus einem Kaskovertrag nur möglich ist, wenn der Versicherer ausdrücklich zustimmt. Dies ergibt sich zuerst einmal aus dem Wortlaut der entsprechenden Vertragsbedingungen AKB:

„A.4.6.3 Ihren Anspruch auf Leistung können Sie vor...

 
mehr... Elmar Fuchs, Rechtsanwalt, Potsdam
Vision und Wirklichkeit
....Seite 23 

„Unsere Vision ist es, dass zum Zeitpunkt des Unfalls der vorhergesagte Regulierungsbetrag direkt auf dem Fahrzeugdisplay erscheint.“

Nicolas Witte, Geschäftsführer von Control€xpert (Kfz-Schadenmanager Ausgabe 3/2019)

Eines kann man der nächsten Generation der Familie Witte nicht absprechen....

 
mehr... Elmar Fuchs, Rechtsanwalt, Potsdam
Steuern sparen durch die Wahl der richtigen Abschreibungsmethode im Jahr 2019
....Seite 24 

Mobile Wirtschaftsgüter nutzen sich ab und verlieren dabei an Wert. Im Steuerrecht wird dieser laufende Wertverlust durch „Absetzung für Abnutzung“ (AfA) berücksichtigt. Die Abschreibungen auf das Praxisvermögen des Kfz-Sachverständigen zählen zu den Praxisausgaben. Mit der Wahl der richtigen...

 
mehr... Dipl.-Vw. Dr. Hans-Ludwig Dornbusch, St. Augustin
35. Kfz-Sachverständigentag des BVSK 2020
....Seite 26 

Nach zwei Jahrzehnten erfolgreicher Sachverständigentage in Potsdam wird immer häufiger der Wunsch geäußert, den traditionellen Sachverständigentag – möglicherweise auch im Wechsel mit Potsdam – gelegentlich auch an anderen Standorten auszurichten.

Wir haben uns daher entschlossen, den...

 
mehr... Red.

Rechtsprechung

Rechtsprechungsreport
....Seite 27 

Richterliche Aufklärungspflicht bei widersprüchlichen Äußerungen verschiedener Sachverständiger BGH, Urteil vom 14.5.2019 – VI ZR 393/18

Keine Befangenheit des Gerichtssachverständigen wegen vorheriger Tätigkeit für Gerichte und Staatsanwaltschaften OLG Hamm, Beschluss vom 29.5.2019 – 1 W 1/19

...

 
mehr... Ausgewählt von Dr. Felix Lehmann, Vorsitzender Richter am LG Kiel

Fachliteratur

Buchtipps
....Seite 35 

Merker, Günter, Teichmann, Rüdiger (Hrsg.) grundlagen Verbrennungsmotor: Funktionsweise und alternative antriebssysteme Verbrennung, Messtechnik und Simulation Springer Vieweg, Wiesbaden, 9. Auflage 2019; 1481 S.; Hardcover; ISBN 978-3-658-23556-7; 119,99 € (eBook 89,99 €)

Fachkunde...

 
mehr... Red.

Veranstaltungen

Veranstaltungen
....Seite 36 


 
Red.

Der digitalisierte Unfallschaden – Renditeende bei K&L?

Der klassische Karosseriefach- und Lackierbetrieb weiß am ehesten, dass und wie im K&L-Bereich Erträge zu erwirtschaften sind, aber insbesondere die großen fabrikatsgebundenen Autohäuser vernachlässigen häufig die Optimierung des K&L-Geschäfts.

Dies wird nachvollziehbar, betrachtet man nur die reinen Umsatzzahlen in einem fabrikatsgebundenen Autohaus. Aber spätestens, wenn man versteht, dass Umsatz allein nicht satt macht, müsste man eigentlich auch zu der Erkenntnis kommen, Fehler im Service- Geschäft wirksam zu bekämpfen.

Es gibt ältere Berechnungen, wonach der Service nur 25 % des Umsatzes eines fabrikatsgebundenen Betriebes ausmacht – aber 80 % des Gewinnes.

Keine Frage, dass die Vorzeichen – jedenfalls im Neuwagen- und Gebrauchtwagenbereich – nicht besser geworden sind. Die Dieselthematik drückt auf das Preisniveau – insbesondere der Euro-5- Fahrzeuge. Im Neuwagengeschäft werden seit Jahren die Fahrzeuge nur noch durch hohe Nachlässe in den Markt gedrückt, was wiederum im Ergebnis auch Auswirkungen auf das Gebrauchtwagenpreisniveau hat.

Gerade in den letzten Jahren ist es also nicht gelungen, das umsatzstarke Handelsgeschäft „Gebrauchtfahrzeuge und Neufahrzeuge“ zu stabilisieren.

Zu oft steht im Übrigen der Händler im direkten Wettbewerb zu einer Niederlassung. Eigentlich kann man aus Sicht eines Käufers nur dazu raten, das günstigste Angebot eines Händlers einzuholen und anschließend zu einer Niederlassung zu gehen, um ein noch günstigeres Angebot zu erhalten.

Gespaltene Stundenverrechnungssätze

Als Folge der nicht befriedigenden Ertragssituation im neuen Gebrauchtfahrzeugmarkt werden – quasi automatisiert – regelmäßig die Verrechnungssätze im Karosserie- und Lackbereich angehoben – mit dem Ergebnis, dass wir heute in bestimmten Ballungsgebieten Netto- Karosseriesätze von über 200,00 € ausweisen.

Diese Verrechnungssätze fallen schon deshalb ins Auge, weil man gleichzeitig immer wieder mit dem durchschnittlichen Verrechnungssatz DEKRA konfrontiert wird und eben auch weiß, dass im Rahmen der Vertragspartnerschaften mit Versicherern oder Schadensteuerern Verrechnungssätze vereinbart werden, die bei einem Drittel der vorgenannten Preise liegen.

Je größer der Anteil der gesteuerten Schäden zu nicht auskömmlichen Verrechnungssätzen ist, umso höher ist der Verrechnungssatz der immer kleiner werdenden Gruppe von nicht gesteuerten Schäden.

Man könnte genauso feststellen, dass der Kampf der Versicherer für immer günstigere Verrechnungssätze letztlich ein Null-Summen-Spiel ist, da, bezogen auf alle Unfallschäden, der Verrechnungssatz eben nicht sinkt, da jeder versucht, die nicht auskömmlichen Verrechnungssätze im versicherungsgestaltenden Geschäft durch höhere Verrechnungssätze im ungesteuerten Bereich zu ersetzen.

Wie wirtschaftlich sind unauskömmliche Partnerverträge?

Wenn man aber nun Partner der Allianz, der HUK-COBURG, der VHV, der Gothaer, der DEVK und der Württembergischen Versicherung ist, zusätzlich noch Verträge abschließt mit der LVM, Provinzial und der AXA, dann bleiben ja nur noch 20 % ungesteuerter Schäden – mit der Folge, dass der Verrechnungssatz dann irgendwann auch bei 250,00 € und mehr liegen müsste.

Um die Unsinnigkeit eines derartigen Vorgehens zu erkennen, bedarf es nicht allzu viel Verstand, oder anders ausgedrückt – selbst der Jurist erkennt, dass diese Gleichung auf Dauer nicht aufgehen kann.

Warum werden so viele Verträge mit Versicherern und Schadensteuerern abgeschlossen? Warum benötigt man einen Verband der Partnerwerkstätten in Deutschland?

Glaubt man ernsthaft, dass ein Verband der Partnerwerkstätten in der Lage wäre, bessere Konditionen zu erzielen?

Die klassische Antwort lautet:

Man schließt den Vertrag ab, weil ansonsten die Gefahr besteht, dass ein anderer diesen Vertrag abschließt. Man könnte es sich einfach machen und darauf hinweisen, dass es immer sinnvoller ist, wenn der andere ertrinkt, als dass man selbst das rettende Ufer nicht mehr erreicht.

Aber so einfach ist die Situation eben auch nicht. Eine HUK-COBURG hat einem Marktanteil von ca. 22 % und wahrscheinlich werden über 60 % der neu abgeschlossenen Kaskoverträge mit Werkstattbindung abgeschlossen.

Allein die HUK-COBURG hat also eine durchaus respektable Marktmacht, die ergänzt wird durch eine Innovation- Group, durch die Schadensteuerer der Allianz-Gruppe, oder durch eine Vielzahl kleinerer Schadensteuerungsunternehmen.

Hinzu kommt die Marktmacht der Fuhrparkbetreiber der Leasinggesellschaften. Nimmt man alle, die kraft vertraglicher Regelung den Kunden in eine bestimmte Werkstatt, oder in ein bestimmtes Werkstattnetz ziehen können, würden in Deutschland etwa 30 % aller Schäden theoretisch steuerungsfähige Schäden sein.

Zwar werden natürlich längst nicht alle Schäden, die steuerbar wären, tatsächlich gesteuert – aber auf der anderen Seite gibt es auch viele Haftpflichtschäden, in denen eben der regulierungspflichtige Versicherer unmittelbar Kontakt mit dem Geschädigten aufnimmt und eine bestimmte Werkstatt zu bestimmten Konditionen anbietet.

Warum lässt man sich insbesondere als Karosserie- und Lackierfachbetrieb auf derartige Konditionen ein?

Auch hier ist die Antwort verhältnismäßig einfach: Jeder Betrieb benötigt eine bestimmte Auslastung, um Personal und Ausstattung zahlen zu können. Diese Grundauslastung glaubt man mit derartigen Verträgen sicherzustellen und dann mit den verbleibenden Kleinaufträgen noch in die Gewinnzone kommen zu können.

Der zweite Grund ist die fehlende Alternative bzw. die möglicherweise noch schlechtere Alternative. Die Tätigkeit als Subunternehmer eines fabrikatsgebundenen Betriebes führt eben nicht zu günstigeren Konditionen, sondern die Konditionen hier sind unter Umständen noch schlechter bei gleichfalls extrem hoher Abhängigkeit.

Die Tatsache also, dass freie Karosseriefach- und Lackierbetriebe durchaus ernsthaft in Erwägung ziehen und dies auch in der Realität umsetzen, Partnerverträge mit Versicherungen abzuschließen, ist nachvollziehbar, zumal es eben – gerade für die freien Betriebe – extrem schwierig ist, mit überschaubarem Werbeaufwand eine ausreichende Zahl von Direktkunden zu erreichen.

Dies ist auch deshalb so schwierig, weil die Direktkunden im Bereich der neueren Fahrzeuge häufig Wartungsverträge bzw. Leasing- oder Finanzierungsverträge abgeschlossen haben und schon deshalb die Ansprache durch den Betrieb selbst schwierig ist.

Vorteil eigenen Schadensmanagements im Autohaus

Noch unverständlicher ist es, dass zunehmend auch fabrikatsgebundene Betriebe Verträge mit Partnerwerkstätten abschließen. Letztlich ist dies ein klares Indiz dafür, dass man als eigenständiger Schadensteuerer kapituliert. Denn was wäre nahe liegender, als bei dem Verkauf von Fahrzeugen Sorge dafür zu tragen, dass jedenfalls kein Versicherungsvertrag mit Werkstattbindung abgeschlossen wird?

Es gibt durchaus Autohäuser, die konsequent überprüfen, warum der Kunde keinen Vertrag ohne Werkstattbindung abgeschlossen hat. Es gibt Betriebe, die sicherstellen, dass nahezu 100 % der Versicherungsverträge ohne Werkstattbindung abgeschlossen werden.

Solange es allerdings zugelassen wird, dass Verkäufer nur Autos verkaufen statt Mobilität, solange zugelassen wird, dass Verkäufer keinen wirtschaftlichen Vorteil dadurch haben, dass sie verhindern, dass ein Käufer einen Vertrag mit Werkstattbindung abschließt, solange wird das grundsätzliche Problem nicht gelöst.

Viele Argumente sind denkbar, um einen günstigen Verrechnungssatz mit Partnerversicherungen zu begründen. Nimmt jedoch die Reparaturqualität ab, scheidet als Begründung der zu günstige Verrechnungssatz definitiv aus. Der Schaden, der hier langfristig droht, ist erheblich. Qualität ist gleichbedeutend mit Erhalt der Verkehrssicherheit und die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge unserer Kunden steht nicht zur Disposition.

All dies ändert nichts daran, dass ein möglichst großer Prozentsatz „eigener“ Kunden die beste Rückversicherung gegen Abhängigkeiten in der Schadensmanagementdiskussion ist.

Der nicht gesteuerte Direktkunde ist nicht immer der bequemste Kunde. Aber viele Privatkunden stehen für eine Risikominimierung und selbst wenn ein Privatkunde einmal unzufrieden war, kann dies keine Katastrophe auslösen, wie beispielsweise bei Kündigung eines Großkundenvertrages.

Ansprache des Direktkunden

Wie erreicht man aber den Endkunden in einem Karosserie- und Lackierfachbetrieb?

Die Frage muss jedoch umgekehrt lauten: Was erwartet ein Kunde?

Viele Kunden erwarten nach einem Unfallschaden eine umfassende, rechtliche und tatsächliche Beratung. Sie wollen sich eben nicht um Details der Unfallschadensabwicklung kümmern, sie wollen noch nicht einmal eine Entscheidung treffen bezüglich der Einschaltung eines Rechtsanwaltes.

Der Reparaturbetrieb muss eben nicht nur technisch qualifiziert zur Seite stehen, sondern auch die Logistik des Unfallschadens übernehmen. Dies ist letztlich nichts anderes als modernes Schadensmanagement. Der Reparaturbetrieb muss die Kommunikation digitalisieren, nicht nur, weil heute alle digitalisieren, sondern weil damit Transparenz geschaffen wird und effiziente Kontrolle möglich ist. Zugleich wird hierdurch dokumentiert, professionell zu arbeiten.

Die Abrechnung muss für den Kunden transparent sein und ihm muss verdeutlicht werden, dass eine qualifizierte Reparaturleistung dem Werterhalt des Fahrzeuges, dem Garantieerhalt und vor allen Dingen der Sicherheit dient.

Darüber hinaus wird es natürlich bei Aufträgen bleiben, die als Subunternehmer für fabrikatsgebundene Betriebe erbracht werden. Das Vertragsverlustpotenzial ist schon deshalb groß, da in aller Regel die Kalkulation durch einen Sachverständigen des Hauptbetriebes erstellt wird und der ausführende Subunternehmer überhaupt keine Möglichkeiten hat, seinen tatsächlichen Aufwand in Rechnung zu stellen und das Gutachten nicht korrigiert wird.

100 % Gutachten hilft allen

Hier muss man dem Hauptbetrieb klar machen, dass der Hauptbetrieb selbst davon profitiert, wenn ein Schaden auch zu 100 % erfasst wird. In diesen Fällen erhalten dann im Ergebnis nicht nur der Auftraggeber, sondern eben auch der Subunternehmer deutlich höhere Erträge. An dieser Stelle muss ein Gespräch zwischen beiden stattfinden – einhergehend mit einer Analyse der bislang erstellten Gutachten und einer Alternativkalkulation bei Berücksichtigung aller Schadenspositionen.

An dieser Stelle darf man selbstredend nicht vergessen, dass die Zahl der Verkehrsunfälle in den letzten Jahren auch in absoluten Zahlen gestiegen ist. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand: Stichwort „digitale Demenz“, Stichwort „Verkehrsinfrastruktur“, Stichwort „Ausbau der Fahrradwege“.

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Ausgabe 05/2019.

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Termin:  18.10.19 8:30 bis 16:30
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Termin:  18.10.19 8:30 bis 16:30
Veranstaltungsort:  Kottenheim
Veranstalter:  AWG mbH
17.09.2019

35. Kfz-Sachverständigentag des BVSK 2020

Nach zwei Jahrzehnten erfolgreicher Sachverständigentage in Potsdam wird immer häufiger der Wunsch geäußert, den traditionellen Sachverständigentag – möglicherweise auch im Wechsel mit Potsdam – gelegentlich auch an anderen...

Von: Red.
16.07.2019

Der Sachverständige im Spannungsfeld der Interessenlagen

Fortsetzung des Beitrags aus Heft 3/2019

Von: Christian Hoffmann, Kfz-Sachverständiger, Bad Salzuflen
17.09.2019

Verursachte Schäden am Fahrzeug durch eine Feuerwerksbatterie

Laut Auftrag des AG W. wurde der Unterzeichner beauftragt, ein technisches Gutachten zum Beweisthema zu erstellen. Für die Beantwortung der Beweisfragen war es unumgänglich, einen praktischen Versuch für die Rekonstruktion von...

Von: Kfz-Meister Peter Millies, Solingen
15.03.2019

War ein gebrochener Motorhalter die Unfallursache?

Ein Sachverständigengutachten sollte diese Frage klären

Von: Dipl.-Ing. Jens Hoppe, Sachverständigenbüro für Fahrzeugtechnik und Fahrzeugverkehr Hoppe & Metke, Kiel

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