21.07.2019

Reform der Hebammenausbildung

Die Bundesregierung und die sie tragenden Fraktionen haben den Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Hebammenausbildung und zur Änderung des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (Hebammenreformgesetz – HebRefG) vorgelegt.

Hintergrund
Aufgrund der Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 7. September 2005 über die Anerkennung von Berufsqualifikationen ist das Gesetz über den Beruf der Hebamme und des Entbindungspflegers bis zum 18. Januar 2020 zu novellieren. Hierbei ist insbesondere die Zugangsvoraussetzung zur Hebammenausbildung von einer zehnjährigen auf eine zwölfjährige allgemeine Schulausbildung anzuheben. Darüber hinaus gibt die Richtlinie 2005/36/EG unter anderem vor, dass eine Hebamme genaue Kenntnisse der Wissenschaften, auf denen die Tätigkeiten der Hebamme beruhen, besitzen muss.
Auch darüber hinaus besteht Reformbedarf des Gesetzes über den Beruf der Hebamme und des Entbindungspflegers, so die Gesetzesbegründung. Das Gesetz stamme aus den 1980er Jahren und entspreche nicht mehr den Anforderungen an eine zeitgemäße Hebammenausbildung. Die Gesundheitsversorgung sei in den letzten Jahrzehnten insgesamt, aber auch spezifisch für die Hebammen, anspruchsvoller und komplexer geworden. Evidenzbasierte Konzepte seien für die hebammengeleitete Geburtshilfe dringend erforderlich. Hebammen müssten zudem in der Lage sein, ihr eigenes Handeln kritisch zu hinterfragen und zu reflektieren. Der medizinische Fortschritt eröffne neue Möglichkeiten in der Diagnostik, Therapie, Prävention, Rehabilitation und Pflege. Auch die Digitalisierung verändere die Gesundheitsversorgung. Darüber hinaus werde bezüglich der Hebammenversorgung immer wieder von Versorgungsengpässen sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich berichtet. Eine qualitativ hochwertige, modern ausgestaltete Hebammenausbildung soll entscheidend zur Attraktivität des Hebammenberufs beitragen. Mit dem Gesetzentwurf soll der Hebammenberuf zukunftsgerecht weiterentwickelt, attraktiver ausgestaltet und die Qualität der Ausbildung verbessert sowie die Richtlinie 2005/36/EG umgesetzt werden. Hebammen sollen den Anforderungen des komplexer werdenden Gesundheitssystems durch eine anspruchsvolle, stärker wissenschaftlich ausgerichtete und gleichzeitig berufsnahe Ausbildung begegnen können und so der herausragenden Verantwortung, die der Hebammenberuf mit sich bringt, gerecht werden.
Wesentlicher Inhalt
Die Hebammenausbildung soll vollständig akademisiert werden. Zukünftig sollen alle Hebammen akademisch im Rahmen von Regelstudiengängen ausgebildet werden. Das Studium soll als duales Studium ausgestaltet werden und weiterhin einen hohen Praxisanteil aufweisen. Die Akademisierung soll die Hebammen zudem in der interprofessionellen Zusammenarbeit stärken.
Weiterführende Hinweise:
BT-Drs. 19/10612
BR-Drs. 229/19