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Betrifft-Unternehmen
05.10.2018

Steuertipp: Übernachtungskosten bei Begleitung durch Familienangehörige

Von: Dipl.-Finanzwirt Wilhelm Krudewig

Werbungskosten sind Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung der Einnahmen. Hierzu zählen auch Aufwendungen für Übernachtungen anlässlich einer Auswärtstätigkeit. Wird der Arbeitnehmer bei seiner Auswärtstätigkeit von Familienangehörigen begleitet, sind Aufwendungen für Übernachtungen nur anteilig als Werbungskosten nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG zu berücksichtigen (BFH-Beschluss vom 3.7.2018, VI R 55/16). Die geltend gemachten Übernachtungskosten sind deshalb sachgerecht aufzuteilen.
 
Praxis-Beispiel:

Ein Arbeitnehmer wurde vorübergehend an eine weit entfernte Betriebsstätte seines Arbeitgebers entsandt. Die Ehefrau und die gemeinsame sechsjährige Tochter begleiteten ihn. Am Beschäftigungsort begründete der Arbeitnehmer einen Zweitwohnsitz. Er schloss einen Mietvertrag über ein Haus zu einer monatlichen Miete von 2.400 € ab. Während der Entsendung Der Arbeitnehmer behielt seinen Wohnsitz am bisherigen Beschäftigungsort beibehalten. Die Mietkosten wurden ihm in vollem Umfang von der Firma erstattet.
 
Das Finanzgericht ermittelte den beruflich veranlassten Anteil der Unterkunftskosten mithilfe einer modifizierten Aufteilung nach Köpfen. Zunächst verteilte es den Gesamtaufwand nach Köpfen. Dieser Betrag ist allerdings um den Sockelbetrag für einen Einpersonenhaushalt, der mit 20 % des Gesamtaufwands angesetzt werden kann, zugunsten des Erwerbsaufwands zu korrigieren. Die Berechnung sieht dann wie folgt aus:

28.800 € : 3 Personen                                           9.600 €
28.800 € x 20% =                                                  5.760 €
beruflich bedingter Aufwand                                15.360 €
Gesamtaufwand                                                  28.800 €
Arbeitslohn bzw. nicht anziehbarer Aufwand      13.440 €

Eine Auswärtstätigkeit liegt vor, wenn der Arbeitnehmer vorübergehend außerhalb seiner Wohnung und seiner regelmäßigen Arbeitsstätte beruflich tätig wird. Dies ist z.B. der Fall, wenn ein Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber für drei Jahre befristet oder wiederholt im Wege der "Kettenabordnung" an einem anderen Betriebsteil des Arbeitgebers als seinem bisherigen Tätigkeitsort eingesetzt wird. Eine regelmäßige Arbeitsstätte begründet er dort dann nicht. Der Bezug einer Unterkunft am Ort der Auswärtstätigkeit begründet außerdem keine doppelte Haushaltsführung, wenn die Entsendung von vornherein zeitlich begrenzt ist.

Die Kosten für die Unterkunft sind deshalb als Übernachtungskosten in tatsächlicher Höhe abzugsfähig, wenn sie beruflich veranlasst sind. Bei einer privaten Mitveranlassung sind die Kosten (ggf. durch Schätzung) aufzuteilen, sodass die Kosten nicht als Werbungskosten zu beurteilen sind, die Mitnahme der Familie entfallen. Die Schätzung muss schlüssig, wirtschaftlich möglich, vernünftig und plausibel sein, was der BFH bei der Berechnung im o.a. Beispiel bestätigt hat.

Praxis-Tipp

Wer den beruflichen Teil der Unterkunftskosten entsprechend der Berechnung im Beispiel ermittelt, kann sich auch den Beschluss des BFH berufen und befindet sich damit gegenüber dem Finanzamt auf der sicheren Seite.

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