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Neuer DICO-Standard Geschäftspartner-Compliance

Neuer DICO-Standard Geschäftspartner-Compliance

Im Gespräch mit Frau Sarah Arnold und Herrn Dr. Rainer Markfort, Leiter des Arbeitskreises „Geschäftspartner-Compliance“ beim Deutschen Institut für Compliance e.V. (DICO) über den neuen DICO-Standard Geschäftspartner-Compliance, der erste in einer Reihe von DICO-Standards, die in den kommenden Monaten erarbeitet werden.

comply: Liebe Frau Arnold, lieber  Herr Dr. Markfort, der Arbeitskreis „Geschäfts- partner-Compliance“ ist eines der ersten Arbeitsgremien von DICO und hat als erster Arbeitskreis eine fachliche Leitlinie veröffent- licht. Diese wurde kürzlich überarbeitet. Wir freuen uns auf ein gemeinsames Gespräch mit Ihnen!
Lassen Sie uns allgemein anfangen: DICO verfügt über Arbeitskreise, die seit kurzem in Themen, Elemente und Foren strukturiert sind. Wie erklärt sich diese Struktur?

Dr. Rainer Markfort: Die Arbeitskreise sind das Herz von DICO. Hier erfolgen der Austausch und die inhaltliche Arbeit. Wichtig ist uns dabei, dass diese Arbeit gut koordiniert wird und in die Gesamtstrategie passt. Jede dieser drei Säulen hat eine direkte Anbindung an den Vorstand. Unter „Themen“ sind die eher rechtlich-regulatorisch orientierten Arbeitskreise zusammengefasst, wie beispielsweise Strafrecht, Kartellrecht oder Exportkontrolle. Dagegen finden sich unter „Elemente“ diejenigen Arbeitskreise wieder, die sich mit Aspekten eines CMS befassen, nämlich Risikoanalyse, interne  Untersuchungen und auch Geschäftspartner-Compliance. Schließlich gibt es noch Arbeitskreise, die sich mit übergeordneten Themen befassen, etwa Mittelstand, Digitalisierung und bestimmte Branchen.

comply: Ihr Arbeitskreis hat als erster eine Leitlinie veröffentlicht. Was steckt generell hinter der Idee, dass DICO Leitlinien erarbeitet?

Sarah Arnold: Die Leitlinien des DICO entstehen aus den Arbeitskreisen heraus – von erfahrenen Praktikern für Praktiker. Inhaltlich bieten sie einen guten Überblick über einzelne Schwerpunktthemen rund um das Thema Compliance und sind daher als grundlegende Hilfestel- lung bestens geeignet. Langfristig sollen sie aber nicht nur „best practices“ vermitteln, sondern den Benchmark setzen und sich dadurch als Standard etablieren. Das wird sich nun auch in der Umbenennung von Leitlinien in DICO-Standards widerspiegeln.

comply: Wie sind die DICO-Leitlinien bisher in der Wirtschaft angekommen?

Sarah Arnold: Uns erreicht immer wieder sehr positives Feedback zu den Arbeitsergebnissen  der   DICO-Arbeitskreise. Nicht nur die DICO-Mitglieder nutzen die Leitlinien. Zunehmend erwerben auch Nicht-Mitglieder die Publikationen des DICO: Zur Selbstkontrolle oder zur Weiterentwicklung der einzelnen Elemente eines Compliance Management Systems.

comply: Nun werden die Leitlinien im Rahmen eines mit dem Viadrina Compliance Center geführten Projekts überarbeitet. Bestand dafür ein akuter Bedarf? Was bezweckt die Überarbeitung generell?

Dr. Rainer Markfort: Die Leitlinien fassen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung den jeweils aktuellen Stand der Diskussion unter den Mitgliedern zusammen. Damit geben die Leitlinien vor allem praktische Hinweise und Empfehlungen zur Umsetzung von Compliance im Unternehmen. Zugleich sind sie Anstoß zur Diskussion in der Community. Nun entwickelt sich die Compliance-Praxis weiter  und es gibt Anregungen zur Verbesserung und Ergänzung, die wir gerne aufnehmen. Die Leitlinie 01 zur Geschäftspartner-Compliance wurde bereits 2014 veröffentlicht, es war also an der  Zeit für eine kritische Durchsicht. Die Zusammenarbeit mit der Viadrina ermöglicht uns aber darüber hinaus, bei der Überarbeitung auch ein wissenschaftliches Fundament einzuziehen. Eine solchermaßen „gereifte“ und nun  wissenschaftlich untermauerte Handreichung hat alle Merkmale eines Standards. Und das ist es, was wir uns schon bei der Gründung von DICO ins Aufgabenheft geschrieben hatten: Compliance-Standards zu setzen, an denen sich Unternehmen aber auch Justiz und Verwaltung orientieren können.

comply: Besteht nicht die Gefahr, dass sich die Standards durch die wissenschaftliche Überarbeitung von der Praxis zu sehr entfernen?

Sarah Arnold: Diese Gefahr besteht unseres Erachtens nicht, da stets erfahrene Compliance-Spezialisten aus Wirtschaft und Beratung einen wesentlichen Anteil an der Ausgestaltung der Arbeitsergebnisse haben werden. Im Gegenteil ergänzt sich die Zusammenarbeit sehr gut, da durch die intensive wissenschaftliche Recherche kombiniert mit der praxistauglichen Aufbereitung unsere Leser einen enormen Informationsgewinn erzielen können ohne sich durch abstrakte Ausführungen   kämpfen zu müssen. Fachkollegen und Entscheider können sich dank der anschaulichen Aufbereitung der Themen sehr schnell über die wesentlichen Inhalte informieren und gut zurechtfinden.

comply: Sie haben zuvor erwähnt, dass aus den ausgewählten Leitlinien Standards gemacht werden sollen. Wodurch unter- scheiden sich Standards und Leitlinien voneinander?

Dr. Rainer Markfort: Einfach gesagt: Eine Leitlinie ist der erste Aufschlag, nach intensiver Vorarbeit und Diskussion, der Standard ist dann das gereifte Produkt mit wissenschaftlicher Grundlage.

comply: Widmen wir uns nun dem Standard an sich: An welchen Stellen gab es die wesentlichen Änderungen?

Sarah Arnold: Die Inhalte der zuvor existierenden Leitlinie wurden weitestgehend übernommen, aktualisiert und um Quellenangaben ergänzt. Die größte Veränderung ergab sich aus der neuen Struktur, die sich an den PDCA-Zyklus anlehnt. Der Demingkreis mit den vier Phasen Plan, Do, Check und Act nach Walter Andrew Shewart hat seine Ursprünge in der Qualitätssicherung und hat sich in unterschiedlichen Disziplinen bewährt. Damit wird der neue Standard auch mit bereits veröffentlichten ISO-Normen kompatibel.

comply: Abgesehen von den zuvor genannten Änderungen – hat sich in den letzten fünf Jahren, in denen die Leitlinie nicht überarbeitet wurde, die Sichtweise auf das Thema und die Methodik der Geschäftspartner-Prüfung geändert?

Dr. Rainer Markfort: In den vergangenen Jahren hat Geschäftspartner-Compliance zunehmend an Bedeutung gewonnen. Aufgrund von Fehlverhalten wurden mehr und mehr auch Geschäftspartner – wie Auftraggeber oder Joint-Venture-Partner – zur Verantwortung gezogen, die keine ausreichenden Präventionsmaßnahmen wie Geschäftspartner-Prüfungen oder vertragliche Auflagen vorweisen konnten.

Sarah Arnold: Bezüglich der Methodik zeichnet sich immer deutlicher der Trend zu einem risikobasierten Ansatz ab. Das heißt, dass nicht nur bestimmte Kategorien von Geschäftspartnern anhand von Compliance-Kriterien geprüft werden, sondern vielerlei Risiko-Indikatoren in die Betrachtung miteinfließen. Dadurch lässt sich die konkrete Situation, wie riskant eine Vertragsbeziehung mit einem Geschäftspartner tatsächlich ist, viel besser abbilden und der Prozess wird effizienter. IT-Tools und die Digitalisierung von Daten können hierbei eine wertvolle Unterstützung sein.

comply: Wenn ein Unternehmen den künftigen DICO-Standard „Geschäftspartner-Compliance" implementiert hat, kann dies von einem Wirtschaftsprüfer geprüft und zertifiziert werden?

Dr. Rainer Markfort: Ein DICO-Standard kann derzeit nicht als solcher zertifiziert werden. Aber er wird im Rahmen eines  Testats  nach IDW PS 980 oder einer Zertifizierung nach ISO-Standards berücksichtigt werden, denn im DICO-Standard ist in ganz praktischer Weise ausgeführt, was in den Prüfungsstandards nur abstrakt formuliert werden kann.

comply: Ist beabsichtigt, die neuen Standards künftig regelmäßig zu aktualisieren?

Dr. Rainer Markfort: Kein Standard ist für die Ewigkeit,  aber wir gehen davon aus, dass ein solcher Standard einen gewissen Bestand haben wird. Natürlich macht es Sinn ihn von Zeit zu Zeit kritisch durchzusehen und ggf. zu ergänzen.

comply: Ab wann und in welcher Form wird der neue Standard verfügbar sein?

Sarah Arnold
: Der Standard wurde beim DICO-Forum 2019 veröffentlicht und kann in elektronischer Form oder als Print-Version über DICO bezogen werden.

comply: Liebe Frau Arnold, lieber Herr Markfort, herzlichen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch!

Zuerst erschienen in: comply. Sonderausgabe 2019, Seite 18.
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