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Die interkulturelle Öffnung muss weiter betrieben werden!

–Interview mit dem Betreuungsverein Migranten in Aktion (MiA) –

2007 wurde in Hamburg der Betreuungsverein Migranten in Aktion (MiA) gegründet. Er konzentriert sich in seiner Arbeit auf die rechtliche Betreuung von Migrantinnen und Migranten. Als anerkannter Betreuungsverein gewinnt und begleitet er aber auch ehrenamtlich tätige Betreuerinnen und Betreuer, berät und unterstützt sie und klärt über Vorsorgemöglichkeiten auf. Im vergangenen Jahr erhielt MiA den Förderpreis des Betreuungsgerichtstages für das Projekt zur „Verbesserung der sozialen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im System der rechtlichen Betreuung.“

Im Interview berichten die Macher von MiA von den Besonderheiten ihrer Arbeit, von den teils schwierigen Rahmenbedingungen und aus den Anfängen des Vereins, in denen eine Büste von Kemal Atatürk auch schon mal unter dem Tisch verschwinden musste.


Das Thema Migration spielt in der Betreuungslandschaft keine große Rolle. Eigentlich verwunderlich, wenn man sich die Fakten vor Augen führt. Das Statistische Bundesamt zählte im Zensus 2011 knapp 15,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Fast jeder fünfte Einwohner der Bundesrepublik Deutschland hat also seine Wurzeln im Ausland. Spezielle Angebote gibt es hingegen kaum.
Dabei stellt die rechtliche Betreuung von Menschen mit Migrationshintergrund Betreuerinnen und Betreuer in vielen Fällen vor zusätzliche Aufgaben. Aufenthaltsrechtliche Fragen sind zu klären, sprachliche Barrieren zu nehmen, kulturelle Besonderheiten verlangen nach Berücksichtigung oder der Kontakt mit ausländischen Einrichtungen und Behörden ist zu meistern.


Bt-Portal: Ihr Verein nennt sich Migranten in Aktion, kurz MiA – was verbirgt sich dahinter?

MiA: Die Initiatoren von MiA sind selbst Migranten und können auf eine langjährige berufliche Erfahrung in der rechtlichen Betreuung zurückschauen. Es ist für uns deutlich erkennbar gewesen, dass im deutschen Betreuungswesen Migranten stark unterrepräsentiert sind – sei es als professioneller Akteur oder als Betroffener.

Am 4.12.2007 ist MiA e.V. im Vereinsregister Hamburg eingetragen worden. Zudem haben wir zeitnah ein nachhaltiges und belastbares Konzept für eine auf Migranten fokussierte Betreuungsarbeit eingereicht. Die rechtliche Anerkennung als Zielgruppenverein für die Hansestadt Hamburg haben wir im März 2009 gemäß § 1908f BGB i.V.m. § 1 HmbAGBtG erhalten. Es sei hervorzuheben, dass der damalige Leiter der Betreuungsbehörden uns stark unterstützt hat. In seiner behördlichen Stellungnahme für den Fördermittelantrag von MiA beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat er unser Konzept als sehr erfolgversprechend bewertet.

Wir wollten etwas bewegen, wir wollten Menschen mit Migrationshintergrund erreichen und wir wollten ein Zeichen setzen. Daher haben wir den Betreuungsverein „Migranten in Aktion“ – kurz MiA – genannt. Ein schöner, mitunter auch schwieriger, hürdenreicher Weg ist rückblickend die Etablierung des Vereins in Hamburg gewesen. In der Aufbauphase haben wir uns ein kleines Büro mit 20m² beim Türkischen Elternverein geteilt. Wir sind Gäste gewesen und mussten zu jedem Einsatz in Hamburg, unser Büro auf- und abbauen. Akten im Schrank verschließen. Laptops hin- und hertragen. Zum Faxen einen halben Kilometer gehen und vieles mehr. Kultursensibel und handfest waren wir immer. Für ein Treffen mit einem armenischen Klienten haben wir die Statue von Atatürk unter dem Tisch verstauen müssen. Improvisation ist in der Anfangsphase gefragt gewesen.

Dank der Investitionsförderung der damals zuständigen Behörde (BSG) konnte MiA erfreulicherweise zum 1. Juni 2010 geeignete Büroräume in der Adenauerallee 8 in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs beziehen. Zentral und leicht erreichbar. Mit separaten Besprechungsräumen und regelmäßigen Sprechzeiten. Aufgrund des hohen Bedarfs an kultursensibler Betreuung in Hamburg ist die Mitarbeiterzahl von MiA seitdem kontinuierlich gewachsen. Aktuell sind zwölf hauptamtliche Mitarbeiter in der Vereinsbetreuung tätig. Zusätzlich hat MiA 53 echte ehrenamtliche Betreuer für ein Engagement gewinnen können.

Bt-Portal: Wie kam es zu der Idee, den Verein ins Leben zu rufen?

MiA: Unsere Tätigkeit im Betreuungswesen hat uns täglich gezeigt, dass deutschlandweit zu wenig Menschen mit Migrationshintergrund durch vorhandene Angebote erreicht werden. Ein spezielles Angebot für Migranten ist für uns unbedingt erforderlich gewesen und sollte auch zukünftig noch engagiert ausgebaut werden. Allein die Zahlen zeigen klar das Defizit auf. In Deutschland gibt es insgesamt 830 Betreuungsvereine und lediglich zwei Betreuungsvereine, die zielgruppenorientiert arbeiten.

Mit der Beschäftigung als Migrant im Betreuungswesen haben wir schnell erkennen können, dass eine interkulturelle Öffnung wenig sichtbar scheint und demzufolge erhebliche Versorgungsdefizite in der rechtlichen Betreuung bei Migranten bestehen.

Einen Betreuungsverein mit Fokus auf Menschen mit Migrationshintergrund in den Hamburger Regeldienst zu implementieren –  das war unser Weg. Der Hamburger Weg.

Bt-Portal: MiA ist ein Zielgruppenverein. Passt das angesichts der Diskussion um Inklusion noch in die Zeit?

MiA: Der Begriff „Inklusion“ wurde 2008 von der UN Behindertenrechtskonvention zum Menschenrecht für Menschen mit Behinderung erklärt. Im Kontext von Migranten sprechen wir lieber von einer sozialen Inklusion, die nicht nur Menschen mit Behinderung, sondern auch Migranten mit einbezieht.
Ferner bleibt unser vorrangiges Ziel, in Hamburg lebende Menschen mit Migrationshintergrund zu erreichen, welche zuvor vom bestehenden System nicht erreicht bzw. nicht bedarfsgerecht bedient werden konnten. Bei den assistenzbedürftigen Menschen wird das jeweilige Umfeld immer mit einbezogen, damit sie in ihren Rechten und Chancen für ein selbstbestimmtes Leben gestärkt werden. Wir versuchen dadurch, die Umwelt weitmöglich an die jeweiligen Voraussetzungen der Menschen anzupassen.

Gerade die bedarfsgerechte und kultursensible Führung von Betreuungen bei Menschen mit Migrationshintergrund hat eine wesentliche Schlüsselfunktion, da versierte Betreuer neben dem individuellen und sozialen, gerade den kulturellen und religiösen Hintergrund der Menschen verstehen und respektieren. Kultursensibel bedeutet für MiA den Menschen dort abzuholen, wo er sich befindet. Berücksichtigt werden müssen Sprache, Religion und die soziokulturellen Unterschiede. Dem Betroffenen soll ermöglicht werden, sich in die bestehenden Hilfesysteme zu integrieren. Ideal wäre, den Betroffenen die Hilfeleistung so darlegen zu können, dass langfristig die Betreuung nicht mehr benötigt wird und eine Rehabilitation – wie sie im Gesetz steht – erfolgt.

Die Kenntnis und Ansprache in der jeweiligen Muttersprache schafft zusätzlich Nähe und erleichtert den Zugang zu dem betreffenden Personenkreis.

In einem Gespräch in der Vergangenheit hat eine Mitarbeiterin von MiA e.V. gesagt, dass wir ganzheitlich betreuen. Groß geschrieben wird hier keine explizite Trennung nach Aufgabenkreisen. Wichtig für uns ist: Welchen Bedarf hat der Betreute und kann ich als Betreuer im Rahmen meiner Tätigkeit mit Rücksicht auf Sprache, Herkunft und Sozialisation helfen? Für eine ganzheitliche Betreuung ist zudem wichtig, dass die familiären Verhältnisse berücksichtigt werden. In vielen Fällen empfiehlt es sich, bestehende und durchaus „funktionierende“ soziale oder familiäre Strukturen nicht unreflektiert zu verändern. Verfügt eine Familie beispielsweise über ein gemeinsames Konto und ein Familienmitglied hat einen Betreuer, so muss in diesen Fällen nicht zwangsläufig das Konto getrennt werden, sofern das betreute Familienmitglied durch die Familie gut versorgt wird. Selbstverständlich erleichtert die Kontentrennung dem Betreuer mit Vermögenssorge die Arbeit, aber für die Familie ist dieser Eingriff eine wirkliche Vertrauensfrage. Schnell können die Betroffenen den Eindruck gewinnen, dass der Betreuer der familiären Versorgung des Familienmitglieds nicht vertraut. Hier ist ein sensibles Vorgehen durchaus angebracht und der Betreuung in hohem Maße förderlich.

Im Betreuungswesen muss für die Zielgruppe von Menschen mit Migrationshintergrund die soziale Inklusion erreicht werden. Leider kann dies nicht ohne professionelle Unterstützung erfolgen. Perspektivisch müssen wir noch in 2015 einen zweiten, zentralen Standort beziehen, da sich der Bedarf an kultursensibler Vereinsbetreuung in Muttersprache auch in den letzten Jahren weiter zusehends erhöht hat.

Und um noch auf ihre Frage zurückzukommen, möchten wir über eine Anekdote bei der Förderpreisverleihung des Betreuungsgerichtstages in Erkner berichten: Margot von Renesse hat während der Verleihung mit Freude und Stolz gesagt, dass ihr Enkelkind auch über einen Migrationshintergrund verfüge. Wenn wir uns vorstellen, dass jeder von uns einen nahen Angehörigen mit Migrationshintergrund hat, dann wäre die Diskussion um Inklusion, Integration etc. in der derzeitigen Form nicht mehr notwendig. An dieser Stelle herzlichen Dank an Margot von Renesse für ihre sehr bewegenden Worte.

Auch wenn das Zahlenmaterial eher dürftig ist, deutet einiges darauf hin, dass Betroffene mit Migrationshintergrund unterrepräsentiert sind im Betreuungswesen. Haben Sie eine Erklärung hierfür?
MiA: Unterrepräsentiert sind leider nicht nur Betroffene, sondern auch muttersprachliche Akteure unabhängig, ob als ehrenamtlicher Betreuer, Vereins- oder Berufsbetreuer. Auch bei den Behörden – vorrangig bei den Betreuungsbehörden – muss die interkulturelle Öffnung weiter betrieben werden. Ein Beispiel ist der Betreuungsgerichtstag in Erkner gewesen, wo unter den 400 Gästen eine geringe Anzahl von Migranten gewesen ist.

„Wir müssen immerfort Deiche des Mutes bauen gegen die Flut der Furcht.“ Gern würden wir dieses Zitat von Martin Luther King aufgreifen. Es geht uns allerdings nicht primär um die Furcht oder Angst, sondern vor allem um die Sorgen der Menschen. Sie sind oftmals auf muttersprachliche Betreuer angewiesen. Menschen mit Migrationshintergrund benötigen häufig einen sprachlich-kulturell versierten Vermittler, gerade wenn die Familie kein Deutsch spricht oder nach traditionellen Wertvorstellungen lebt. Bei den Betroffenen sind diverse strukturelle Probleme zu beobachten: einerseits geringe oder fehlende Kenntnisse der deutschen Gesetzgebung, andererseits erhebliche Sprachbarrieren im Zusammenhang mit der Sozialisation (Kultur/Religion etc.).

Oftmals werden Menschen mit Migrationshintergrund erst in Krisensituationen – dann häufig zu spät – von der rechtlichen Betreuung erreicht. Selbstverständlich ist hierbei die fehlende Kenntnis ein wesentlicher Aspekt, aber auch bestehende Berührungsängste mit dem Instrument der rechtlichen Betreuung spielen sicher eine Rolle. Ein weiterer Faktor ist, dass ein Betreuer durch ein Gericht bestellt wird. Bei vielen Menschen mit Migrationshintergrund haben Gerichte mit aufenthalts- und strafrechtlichen Angelegenheiten eine negative Konnotation. Ein Richter, der nach Hause kommt und helfen will, ist diesen Menschen oft schlichtweg nicht bekannt.

Bt-Portal: Auf der anderen Seite sieht es kaum anders aus. Betreuungsvereine mit migrationsspezifischen Konzepten kann man an einer Hand abzählen. Wäre die diesbezügliche Stärkung der Anbieterseite, etwa über spezielle Förderungen, geeignet, Betroffene besser anzusprechen?

MiA: Betreuungsvereine von Migranten für Migranten im deutschen Betreuungswesen sind sehr hilfreich. Wir sehen in unserem Arbeitsalltag, wie intensiv unser gesamtes Angebot angenommen wird. Sinnvoll sind muttersprachliche und kulturspezifische Angebote, und zwar gerade in der Betreuung. Wir sprechen von bedarfsgerechter Betreuung bzw. Beratung bei Migranten und meinen, dass die Betroffenen selbst entscheiden sollten, ob ein Muttersprachler hinzugezogen wird. Natürlich muss nicht immer ein Migrant einen Migranten als Betreuer haben. Aber wir können die Menschen zumindest fragen und gegebenenfalls ihre Wünsche berücksichtigen.

Bei den Betreuungen von MiA e.V. sind ca. 40% als laufende Betreuung übernommen worden. Die hohe Anzahl an laufenden Betreuungen, die von uns übernommen werden, verdeutlicht die spezifische Kompetenz von MiA e.V. im Bereich der kultursensiblen Betreuung. Häufig übernehmen die Mitarbeiter von MiA schwierige, komplexe Betreuungsfälle, die ein hohes Maß an Engagement, Sensibilität und Zeit erfordern. Gründe für einen Betreuerwechsel sind oftmals sprachliche und kulturelle Barrieren, die zuvor zu erheblichen Problemen in der Betreuung geführt haben. Häufig sind das Menschen mit negativen Migrationserfahrungen.

Schön wäre es, wenn dezidierte Konzepte für Menschen mit Migrationshintergrund das Betreuungswesen aktiv bereichern würden.

Wir denken, dass in jedem Bundesland mindestens ein Betreuungsverein für Menschen mit Migrationshintergrund existieren sollte. Und dies wäre erst ein Anfang! Insbesondere sind Politik, Behörden und Justiz gefragt. Nur durch Förderung und Interesse an einem solchem Verein können diese Pläne realisiert werden. Interessant wäre in diesem Zusammenhang zu wissen, wieso Politik, Justiz und die zuständigen Behörden nicht reagieren. Sinnvoll und wünschenswert ist dies speziell dort, wo es aufgrund eines Mangels an geeigneten, kultursensiblen Betreuern regelmäßig zu Problemen in der rechtlichen Betreuung von Menschen mit Migrationshintergrund kommt.

Bt-Portal: Im vergangenen Jahr wurde MiA der Förderpreis des Betreuungsgerichtstages verliehen. Ausgezeichnet wurde das Projekt „Verbesserung der sozialen Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im System der rechtlichen Betreuung“. Was kann man sich unter dem Titel vorstellen?

MiA: Mit diesem Projekt sollte Hamburg die Möglichkeit gegeben werden, die Betreuungslandschaft und Leuchtturmfunktion der Hansestadt weiter auszubauen. Bereits zu diesem Zeitpunkt ist von Seiten der zuständigen Behörden erkannt worden, dass der Bedarf an zielgruppenorientierter Arbeit im Betreuungswesen rapide ansteigt und konzeptionelle Lösungsansätze erarbeitet werden müssen.

Schon 2006 haben sich die Verantwortlichen der Hamburger Betreuungsbehörden und weitere Akteure bei einem Fachtag zusammengefunden und Lücken im Bezug auf das Betreuungswesen von Menschen mit Migrationshintergrund aufgezeigt. Neben den erwähnten Defiziten lag der Schwerpunkt während der Projektzeit auf der Gewinnung und Akquirierung von ehrenamtlichen Betreuern mit Migrationshintergrund und der fortlaufenden Präventionsoffensive im Bereich der Vorsorgemöglichkeiten.

MiA hat es sich nicht einfach gemacht. Zwingend notwendig ist eine aufsuchende Beratung in den Communities, die in der Regel viel Engagement und Zeit in Anspruch nimmt. Personen, die über eine vertrauensbildende Schlüsselfunktion verfügen, müssen vorrangig erreicht werden, um überhaupt einen Kontakt und Dialog aufbauen zu können.

Zur Verdeutlichung vielleicht ein kleines Bespiel: Wir sind regelmäßig in einem Seniorentreff im Stadtteil Billstedt – sozialer Brennpunkt in Hamburg – gewesen. Der Leiter des Seniorenzentrums hat uns mehrfach erklärt, dass für ihn und seine Besucher, die hauptsächlich türkischstämmige Migranten sind, eine Betreuung nicht in Frage käme. Ehepartner und Kinder würden sich schon um Ihre Angelegenheiten kümmern. Insgesamt waren vier Besuche notwendig, um behutsam eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aufzubauen und auch dieser Klientel das Rechtsinstrument der Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung näher zu bringen. Der Leiter des Seniorenzentrums hat als anerkannte Autorität in diesem Kontext eine wesentliche Rolle gespielt.

Doch unsere Arbeit trägt auch erste Früchte. Die Behörde in Hamburg hat eine Weiterfinanzierung von MiA e.V. im Rahmen der Regelversorgung befürwortet. Auch perspektivisch sind wir als Zielgruppenverein mit unserer Arbeit nicht mehr aus der Betreuungslandschaft in Hamburg wegzudenken.

Bt-Portal: In den letzten Jahren werden immer öfter Stimmen laut, die eine unzureichende Vergütung der Betreuertätigkeit bemängeln und auf eine verbindliche öffentliche Förderung der Betreuungsvereine drängen, damit diese die Querschnittsaufgaben wahrnehmen können, ohne hierdurch in finanziell bedenklich Situationen zu geraten. Wie stellt sich die Situation für sie dar?

MiA: Diese Frage müssen wir in zwei Teilen beantworten. Hinsichtlich der Pauschalierung muss darauf hingewiesen werden, dass diese seit der Einführung 2005 nicht weiter angepasst worden ist. Nicht einmal ein Inflationsausgleich ist in diesem Kontext berücksichtigt worden. Dieser Mangel an dynamischer Anpassung ist finanziell sicher unbefriedigend für Vereinsbetreuer, Berufsbetreuer und auch für MiA.

Es muss aber klar und deutlich hervorgehoben werden, dass in Hamburg derzeit bei der Querschnittsförderung Kürzungen vorgenommen werden. Erst im Lauf der Zeit wird sich herausstellen, was dies konkret für Hamburg, seine Bürger und seine Betreuungsvereine bedeutet. In der Vergangenheit hatte Hamburg hinsichtlich des Betreuungsrechts eine Leuchtturmfunktion. Ob diese weiterhin so besteht, bleibt indes abzuwarten.

MiA e.V. hat erst im März 2009 in Hamburg mit der Arbeit begonnen. Zunächst gab es „nur“ eine Projektförderung. Ungeachtet des großen Erfolgs des Projekts ist uns mitgeteilt worden, dass ein Betreuungsverein für Migranten nicht notwendig sei. Ursprünglich – so die Aussage der Politik – sollte die Betreuung für Menschen mit Migrationshintergrund in die Regelversorgung integriert werden. MiA versucht, seinen Fokus auf eine kultursensible Betreuung von Migranten unter diesen schwierigen Rahmenbedingungen aufrechtzuerhalten. Wir kämpfen seit Gründung des Vereins um eine ausreichende Förderung unserer Querschnittstätigkeiten und werden dies auch in der Zukunft nicht aufgeben. Wir können alle Beteiligten nur dazu aufrufen, weiter an einem ausgewogenen, zukunftsfähigen Finanzierungsmodell für die Querschnittstätigkeit auch von fokussiert arbeitenden Betreuungsvereinen zu arbeiten.

Ungeachtet der schwierigen Situation möchte MiA e.V. alle interessierten Menschen aufrufen, sich zu engagieren und in den anderen Bundesländern Betreuungsvereine für Menschen mit Migrationshintergrund zu etablieren.

Bt-Portal: Vielen Dank für das Interview!

Markus Koppen

Das Interview mit MiA führte Markus Koppen, freier Online-Redakteur des Bundesanzeiger Verlags, im Mai 2015.

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