ThemenübersichtMenü
Familie Betreuung Soziales

Formulierung und Zuordnung der Aufgabenkreise

Bestimmung des Aufgabenkreises

Der Betreuer soll nur mit Aufgaben betraut werden, die der betroffene Mensch nicht selbst erledigen kann. Aus der Praxis ist bekannt, dass es nicht so einfach ist wie die Formulierung vermuten lässt. Eine differenzierte Beschreibung des Aufgabenkreises setzt eine genaue Kenntnis der persönlichen Verhältnisse des betroffenen Menschen voraus. Zu glauben, dass diese Kenntnis im Rahmen eines medizinischen Gutachtens, eines Sozialberichtes der Betreuungsbehörde und von ein oder zwei persönlichen Gesprächen mit dem betroffenen Menschen erlangt werden kann, ist ein Trugschluss. Es gibt es Situationen, wo der Gutachter, die Behörde und das Gericht auf genaue Informationen von dem betroffenen Menschen oder aus seinem Umfeld zurückgreifen kann. In der Mehrzahl der Betreuungsverfahren dürfte dies nicht der Fall sein. Die Sachverhaltsaufklärung ergibt nur ein unklares Bild. Zur Bewältigung dieser Schwierigkeit gehen die Gerichte unterschiedliche Wege.

  • Einige Gerichte folgen konsequent den Bestimmungen des Gesetzes und bestimmen den Aufgabenkreis detailliert anhand des aktuell erkennbaren Handlungsbedarfs.
  • Im Wissen der Unzulänglichkeit der möglichen Sachverhaltsaufklärung gehen einige Gerichte den Weg der einstweiligen Anordnung. Die Aufgabenkreise beziehen dabei auch die mutmaßliche Erforderlichkeit rechtlicher Vertretung mit ein. Im anschließenden regulären Verfahren kann das Gericht auf die detaillierten Kenntnisse des Betreuers zurückgreifen und den Aufgabenkreis genauer bestimmen.
  • Wieder andere Gerichte beschließen direkt einen umfassenden Aufgabenkreis. Sie gehen davon aus, dass der Betreuer nur in erforderlichem Maß tätig wird.

Zwischen diesen Vorgehensweisen gibt es eine Vielzahl weiterer Differenzierungen. Allen gemeinsam ist der Versuch, sowohl die Realitäten des gerichtlichen Verfahrens als auch die Interessen des betroffenen Menschen in Übereinstimmung zu bringen. Dabei ist die Dauer des regulären Verfahrens (häufig mehr als drei Monate), die eingeschränkte Möglichkeit der Sachverhaltsaufklärung, das Interesse des betreuten Menschen nach einem möglichst geringen Eingriff in die persönliche Freiheit, aber auch ein überschaubares und wenig belastendes Verfahren zu berücksichtigen.
Die Legitimation für die Tätigkeit des Betreuers ergibt sich aus dem Aufgabenkreis. Eine eindeutige und allgemein verbindliche Formulierung wäre erforderlich. Es fehlt an einer Norm für den Wortlaut. Dies führt z.B. dazu, dass die Vorstellung von dem, was ein Betreuer mit z.B. dem Aufgabenkreis „Vermögenssorge“ zu erledigen hat, von Gericht zu Gericht unterschiedlich sein kann. Nicht nur innerhalb der Gerichte und bei den Betreuern, sondern auch im allgemeinen Geschäftsleben herrscht entsprechende Verwirrung. Der folgende Vorschlag für die Formulierung und Zuordnung der Aufgabenkreise ist das Resultat der andauernden Diskussion, welche in breiter Fachöffentlichkeit geführt wird. Die vom Gesetzgeber geforderte Individualität in der Beschreibung der Aufgabenkreise widersetzt sich einer abschließenden Standardisierung.

Vorschlag für die Formulierung und Zuordnung der Aufgabenkreise

Zum Dokument (PDF)

Zum Dokument (word)

HINWEIS

Ein-/Ausblenden

Dieses Dokument wurde entnommen aus: 

Raack/Thar

Leitfaden Betreuungsrecht

für Betreuer, Angehörige, Betroffene, Ätrzte und Pflegekräfte, 5. Auflage  mehr