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Marlène Dorbach im Doppelmasterstudium – die Architekturstudentin baut ihre interkulturellen Stärken aus (Kopie 1)

Synergien schaffen – das liegt der Architekturstudentin Marlène Dorbach besonders am Herzen. Sie studiert im Doppelmaster Architektur in Deutschland und Frankreich und sie wirkt an dem Forschungsprojekt „Stuttgarter Schulen“ des Instituts für Tragkonstruktion am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit. Dort befasst sie sich mit der Tragfähigkeit von Schulgebäuden in Stuttgart.

Intensiv engagiert sie sich ehrenamtlich für den Verein Engineers Without Borders in Indien. Was sie an ihrer Rolle als Vermittlerin zwischen Kulturen und Disziplinen fasziniert, verrät sie im Interview.

Redaktion Bautechnik: Sie machen einen Doppelmaster in Architektur am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und an der Ecole Nationale Supérieure de l'Architecture de Strasbourg (ENSAS). Welche Motivation treibt Sie dazu an?

Marlène Dorbach: Dieser zweisprachige Studiengang stellt die Korrespondenz zwischen Deutschland und Frankreich her. Durch meine doppelte Staatsbürgerschaft und die Tatsache, dass ich in Frankreich aufgewachsen sowie in Deutschland zur Schule gegangen bin, war mein Leben schon immer international geprägt. Dieser Doppelmaster gibt mir die Gelegenheit, das Potential meiner Zweisprachigkeit zu vertiefen und später im Beruf anzuwenden.

Redaktion Bautechnik: Wie gestaltet sich das Studium an den beiden Hochschulen? Wie ist es organisiert und sehen Sie bestimmte Schwerpunkte in Karlsruhe und in Straßburg?

Marlène Dorbach: Der Doppelmaster ist in vier Semester gegliedert. Zu Beginn sind die Masterstudenten an der ENSAS in Straßburg und im zweiten Semester am KIT in Karlsruhe. Das dritte Semester ist so aufgeteilt, dass das Hauptfach an der Partneruniversität und die Nebenfächer an der eigenen Hochschule besucht werden.So werden die unterschiedlichen Schwerpunkte der Hochschule miteinander verknüpft. Die ENSAS legt den Fokus auf den internationalen Städtebau und die grenzüberschreitende Architektur. Am KIT ist der technische Bereich, wie Bauphysik und Tragwerksplanung, stärker ausgeprägt. Meine Masterarbeit werde ich in diesem Sommer an meiner Alma Mater in Karlsruhe absolvieren.

Redaktion Bautechnik: Sie haben sich in Ihrem Studium auf Tragwerksplanung spezialisiert. Welchen Mehrwert sehen Sie in der interdisziplinären Lehre? Was können Sie als angehende Architekten von den Bauingenieuren lernen?

Marlène Dorbach: Seit dem dritten Semester meines Grundstudiums arbeite ich im Bereich der Tragwerksplanung. Zum einen war ich Tutorin für Statik am Institut für Bautechnologie und wirke zum anderen an einem Forschungsprojekt des Instituts für Tragkonstruktion mit. Im Berufsalltag ist die Synergie beider Disziplinen grundlegend, um die Kommunikation, die Planung und die Umsetzung zu gewährleisten.Als Architekt ist es wichtig, ein Feingefühl für die Tragfähigkeit der Bausubstanz zu entwickeln, welches durch die Zusammenarbeit mit Bauingenieuren geschult werden kann.

Redaktion Bautechnik: Worin liegt denn Ihre persönliche Herausforderung im Beruf der Architektin?

Marlène Dorbach: Ein Architekt nimmt die unterschiedlichsten Rollen ein: Er ist der Künstler mit einem Gespür für Gestaltung und Atmosphäre. Er ist der Planer für nachhaltiges Bauen und konstruktive Bautechnik. Dabei dürfen Ästhetik und Funktion nicht im Widerspruch zueinander stehen. Und er ist der Koordinator und Vermittler zwischen dem Bauherren, dem Ingenieur und den Handwerkern. Die erfolgreiche Realisierung und Planung eines Projekts birgt Herausforderungen, denen man sich mit diesen teils widersprüchlichen Rollen stellen muss, indem man die Potentiale aller Akteure erkennt und sie an der richtigen Stelle einzusetzen vermag. 

Redaktion Bautechnik: Neben Ihrem Studium arbeiten Sie ehrenamtlich für den Karlsruher Verein Engineers Without Borders (EWB) und sind gerade aus Indien zurückgekehrt, wo sie für den Verein tätig waren. Was genau haben Sie dort gemacht?

Marlène Dorbach: Zusammen mit dem EWB bearbeiten wir das Projekt Gramodaya in einem der ärmsten Bundesstaaten Indiens, Odisha. Geplant wird ein nachhaltiges Konzept eines Gemeindehauses mit Solaranlagen zur Stromerzeugung. Im Mai waren wir gemeinsam vor Ort, um erste Schritte in die Wege zu leiten: Wir haben nicht nur lokale Baustoffe untersucht, sondern auch Informationen für die Baulogistik gesammelt sowie auf dem Bauplatz Bodenuntersuchungen durchgeführt.Während des anschließenden Besuchs in Bangladesch haben wir ein Projekt aus Lehm und Bambus begutachtet, um mit den gewonnenen Erfahrungen unsere Planung zu optimieren.

Redaktion Bautechnik: Was gefällt Ihnen an dem EWB und an Ihrer Arbeit im Verein besonders?

Marlène Dorbach: Die Arbeit in dem Verein bietet uns eine Tiefe der interdisziplinären Zusammenarbeit, verbunden mit realem Zeit- und Projektmanagement, die wir an der Hochschule so nur aus der Theorie kennengelernt haben. Diese Verbindung von Theorie und Praxis ist für das Berufsleben besonders wichtig. Mich persönlich reizen die Kooperation mit anderen Studiengängen und der interkulturelle Austausch mit dem jeweiligen Projektpartner im Ausland. Durch den interkulturellen Austausch eröffnet man sich zudem neue Horizonte und bringt zugleich ein gutes Projekt auf den Weg, das die Menschen vor Ort unterstützt.

Redaktion Bautechnik: In Indien haben Sie neben dem Projekt zur Dorfentwicklung gleichzeitig für Ihre Masterarbeit geforscht. Welches Projekt haben Sie sich dafür vorgenommen?

Marlène Dorbach: Parallel zu dem Auftrag von EWB, habe ich für meine Masterarbeit recherchiert. Ursprünglich hat unsere EWB-Projektgruppe drei Orte besichtigt. Zur Umsetzung der Idee kam es allerdings nur in einem Dorf. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, die anderen Orte zu besuchen und mich in meiner Arbeit einem weiterem Dorf und der Umsetzung eines nachhaltigen Konzepts zu widmen. Da die Bewohner zurzeit zu einem zwei Kilometer entfernten Tiefbrunnen laufen müssen, befasst sich meine Arbeit mit der Wasseraufbereitung von Oberflächengewässern. In Kombination mit Solarenergie zur autarken Stromgewinnung, sanitären Anlagen und einem Gemeindeplatz mit passenden Räumlichkeiten, soll der Versuch unternommen werden, die drängenden Probleme anzugehen. Anhand meiner Recherchen zur traditionellen Bauweise und den lokalen Materialien habe ich ein Konzept entwickelt, das einfaches Bauen mit einem spannenden, architektonisch wertvollen Raumgefüge verbindet. Ziel ist es, eine Modularität auszuformulieren, damit das Konzept auf ähnliche Bauprojekte übertragen werden kann. Zu meinen Ausführungen gehört auch ein Bauhandbuch, in dem ich im Detail erläutere wie die Bauweise meines Projektes aufgebaut ist.

Redaktion Bautechnik: Werden Sie Ihr Projekt in Indien später umsetzen?Was haben Sie nach Ihrer Masterarbeit im Oktober vor? 

Marlène Dorbach: Das Projekt meiner Masterarbeit ist als eventuelles Folgeprojekt von Gramodaya denkbar. Doch zunächst werde ich nach meiner Masterarbeit im November nach Indien zurückkehren, um gemeinsam mit dem EWB das Gemeindehaus fertigzustellen, was mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. Im Anschluss werde ich in Karlsruhe meine zwei Jahre AIP (ArchitektInnen im Praktikum) in einem Architekturbüro absolvieren und parallel die Arbeit mit dem EWB weiterführen. In diesem Rahmen möchte ich auch mein Projekt vorstellen und eventuell weiter vorantreiben. 

Vielen Dank für das Interview!

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