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Interview mit Prof. Dr.-Ing. Nabil A. Fouad – Experte für Bauphysik und Bauwerkssanierung

Nabil A. Fouad ist Experte für die Themen Feuchteschutz, Lärmschutz, Schallschutz und Brandschutz. Er lehrt und forscht am Institut für Bauphysik an der Leibniz Universität Hannover. 1990 kam er von Kairo nach Berlin, um sich im Schwerpunkt Bauphysik zu vertiefen und an der Technischen Universität Berlin zu promovieren. Ein Vorhaben, das in Ägypten seinerzeit nicht möglich war. Auch heute noch spielt die Bauphysik in der universitären Ausbildung dort keine Rolle. Wenn es nach Nabil A. Fouad ginge, sollte sich das schnell ändern. Im Rahmen von Bau- und Forschungsprojekten in Ägypten arbeitet er stetig mit daran, dass der Bereich Bauphysik dort in der Lehre verankert wird. 

Redaktion Bautechnik: Sie haben an der Technischen Universität Berlin im Schwerpunkt Bauphysik promoviert. Warum hat Sie dieser Bereich so stark interessiert?

Prof. Nabil A. Fouad: Ich bin in Ägypten aufgewachsen und habe dort an der Ain Shams Universität Bauingenieurwesen mit der Vertiefungsrichtung Konstruktiver Ingenieurbau studiert. Im Studium wurde das Fach Bauphysik nicht angeboten. Ich habe die Bauphysik nur aus internationalen Veröffentlichungen, zu denen ich in Ägypten Zugang hatte, kennenlernen können. Die Bereiche Wärmeschutz, Schallschutz und Brandschutz haben mich sehr interessiert, insbesondere da diese beim Bauen in Ägypten bisher kaum Beachtung gefunden haben. 

Redaktion Bautechnik: In Ägypten haben Sie an der Ain Shams Universität in Kairo „Civil Engineering“ studiert. Sie kennen sich also in beiden Ländern mit der Lehre im Bauingenieurwesen aus. Worin besteht Ihrer Meinung nach der größte Unterschied? 

Prof. Nabil A. Fouad: Von der Bauphysik abgesehen besteht inhaltlich in der Lehre kaum ein Unterschied zum deutschen Bauingenieurstudium. Mein ägyptischer Magisterabschluss wurde in Deutschland auch ohne Probleme anerkannt. Das Studium in Ägypten ist jedoch sehr verschult.

Redaktion Bautechnik: Warum ist es Ihrer Ansicht nach so wichtig, dass der Bereich Bauphysik in Ägypten in die Lehre integriert wird?

Prof. Nabil A. Fouad: In Ägypten sind sehr große Probleme u. a. im Bereich des Lärmschutzes und der Energieeffizienz von Gebäuden vorhanden. Aufgrund der hohen  Bewohnerzahlen – in Kairo leben ca. 22 Millionen Menschen – und des hohen Lärmpegels in der Stadt müssten Maßnahmen des Lärm- bzw. Schallschutzes bei Gebäuden geplant und umgesetzt werden. Auch der sommerliche Wärmeschutz ist von außerordentlicher Bedeutung. Man setzt in der Regel lediglich auf die Klimatisierung der Räume und es wird wenig getan, um die Energieeffizienz der Gebäude bzw. Gebäudehülle zu verbessern. Dies führt zu einem enormen Energieverbrauch, insbesondere in den Sommermonaten. Um dies zu ändern, müsste die Bauphysik in die Lehre für Architekten und Ingenieure in Ägypten integriert werden, so wie es in Deutschland in den 70er Jahren  nach der ersten Energiekrise geschehen ist.

Redaktion Bautechnik: Sie sind neben Ihrer Professur auch als Sachverständiger der IHK Hannover und in einem Ingenieurbüro tätig, wo Sie große Projekte betreuen. Benötigen Sie für Ihre Lehre und Forschung diesen Bezug aus der Praxis?

Prof. Nabil A. Fouad: Ich bin fest davon überzeugt, dass der Praxisbezug von außerordentlicher Bedeutung für die Lehre im Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen ist.

Redaktion Bautechnik: Haben wir in Deutschland einen höheren Standard beim Bauen als in anderen Ländern?

Prof. Nabil A. Fouad: Wir haben in Deutschland einen sehr hohen Standard beim Bauen. Allein das Sicherheitskonzept ist eins der besten weltweit. Dieses Konzept muss von allen am Bau Beteiligten – Bauherren, Entwurfsplaner, Tragwerksplaner und Bauausführende beachtet werden. Es bestehen hierzu normative sowie bauaufsichtliche Vorgaben bzw. Regelungen z. B. zu Maßnahmen zur Vermeidung menschlicher Fehlhandlungen, zur Schaffung eines ausreichenden Sicherheitsabstands zwischen Beanspruchung und Beanspruchbarkeit sowie Maßnahmen zur Begrenzung des Schadensausmaßes. In Ägypten ist das Sicherheitskonzept nicht vergleichbar. Beispielsweise wird die Bauüberwachung in Ägypten sehr oft gar nicht durchgeführt. 

Redaktion Bautechnik: Welches ist Ihr Lieblingsbauwerk in Deutschland und was macht es für Sie aus?

Prof. Nabil A. Fouad: Ich finde viele Bauwerke in Deutschland sehr schön und bin oft von deren Bauweise beindruckt. Ein Lieblingsbauwerk habe ich jedoch nicht. Eingehend habe ich mich jedoch in der Forschung mit den Großtafelbauten in den neuen Bundesländern während meiner Tätigkeit an der TU Berlin beschäftigt. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit lag in deren energetischer Sanierung sowie der Ertüchtigung der Fassaden. Ich erinnere mich gerne an diese Arbeiten.   

Redaktion Bautechnik: Können Sie mir ein paar Beispiele für besondere Projekte nennen, die Sie betreut haben?

Prof. Nabil A. Fouad: Seitdem ich in Deutschland bin habe ich an einer Reihe von interessanten Projekten mitgewirkt. Ich habe z.B. klimatische Simulationsberechnungen für das Sony-Center am  Potsdamer Platz in Berlin durchgeführt oder die klimatisch bedingten Temperaturbeanspruchen der Tragkonstruktion des Berliner Bogens in Hamburg rechnerisch bestimmt. Zurzeit betreuen wir die Planung und Ausführung der Brandschutzmaßnahmen für den Niedersächsischen Landtag in Hannover, der gerade grundinstandgesetzt wird. 

Redaktion Bautechnik: Wie wurden Sie Autor des Kapitels „Bauwerkssanierung“ in den Schneider Bautabellen des Bundesanzeiger Verlags?

Prof. Nabil A. Fouad: Ich wurde von meinem Doktorvater, Herr Prof. Dr. Cziesielski als sein Nachfolger für dieses Kapitel empfohlen. Ich mache es auch gerne.

Herr Fouad, herzlichen Dank für das Interview!


 

Kurzprofil des Experten Prof. Dr.- Ing. Nabil A. Fouad

Nabil A. Fouad (Dr.-. Ing) 

Nabil A. Fouad ist seit 2001 Professor an der Leibniz Universität Hannover, zunächst für Bauplanung und Bauwerkserhaltung, seit 2007 für Bauphysik und Bauwerksanierung

Seit 2003 ist er öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bauphysik und vorbeugenden Brandschutz der IHK Hannover

Seit 2003 ist er Mitglied in der Sachverständigenprüfungskommission „Bauwesen“ der Ingenieurkammer Niedersachsen

Seit 1999 ist er Prokurist bei der Ingenieurgemeinschaft CRP GmbH in Berlin und Leiter der Niederlassung Hannover

1997 Promotion auf dem Gebiet der Bauphysik an der Technischen Universität Berlin, Institut für Baukonstruktionen und Festigkeit

Von 1994 bis 1999 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Berlin, Fachgebiet Allgemeiner Ingenieurbau/Ingenieurhochbau

Von 1990-1999 arbeitete er als freier Mitarbeiter  für die Ingenieurgemeinschaft CRP GmbH in Berlin

Von 1987-1991 war er als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Stahl- und Spannbetonbau an der Ain Shams Universität in Kairo tätig und freier Mitarbeiter im Ingenieurbüro MISC in Kairo, Ägypten

1981-1989 Studium des Bauingenieurwesens (Civil Engineering) sowie Masterstudium an der Ain Shams Universität in Kairo, Ägypten

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