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Interview mit Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert – Experte für Stahlbeton- und Spannbetonbau

Jens Minnert ist Experte für Stahlbeton- und Spannbetonbau. In den Schneider Bautabellen lässt er seine Expertise beim Thema Tragwerksbemessung für den Brandfall einfließen. Er ist Professor im Bereich Bauwesen an der Technischen Hochschule Mittelhessen. Besonders liegt ihm die praktische Lehre am Herzen und so kümmert er sich intensiv um seine Studenten. Seit einigen Jahren erforscht er an der TH Mittelhessen zudem innovative Ideen im Bereich der erneuerbaren Energien. Hier leitet er das Projekt „HYFA“, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert wird. Im Rahmen des Projektes soll ein innovatives Hybridfachwerk für Windkraftanlagen entstehen. 

Redaktion Bautechnik: Sie haben gerade den Seminarband zum 12. Gießener Bauforum, das am 18. September an der Technischen Hochschule Mittelhessen stattfindet, vorbereitet. Was und wen erreichen Sie mit diesem Fortbildungsseminar?

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: Seit 2004 erreiche ich mit dem Gießener Bauforum Mitarbeiter von Ingenieur- und Architekturbüros, Unternehmen, Verwaltungen und Prüfstellen, die sich mit aktuellen Themen aus dem Bauingenieurwesen bzw. der Architektur befassen. Die Beiträge spiegeln das aktuelle Baugeschehen wieder, informieren über neue Entwicklungen und Erkenntnisse in der Bautechnik sowie über bemerkenswerte Baumaßnahmen bzw. Bauverfahren. Die Veranstaltung hat sich mit weit über 200 Teilnehmern zum festen Treffpunkt von in der Praxis tätigen Ingenieuren entwickelt. Besonders glücklich bin ich, dass auch zahlreiche Studierende teilnehmen und so einen guten Kontakt zur Praxis bekommen. Die Einnahmen aus dieser Veranstaltung nutze ich, um Exkursionen mit Studierenden finanziell zu unterstützten.  

Redaktion Bautechnik: An der Technischen Hochschule Mittelhessen haben Sie eine Professur im Fachbereich Bauwesen im Fachgebiet Stahlbeton- und Spannbetonbau. Was treibt Sie an? Was möchten Sie mit Ihrer Lehre erreichen?

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: Die Lehre ist und bleibt der wichtigste Bestandteil meiner Tätigkeit an der THM. Ich möchte den Studierenden die Grundlagen des Stahlbeton- und Spannbetonbaus praxisnah vermitteln. Dazu setze ich immer wieder Beispiele ein, um den Studierenden die Anwendung der Theorie aufzuzeigen. Außerdem führe ich immer wieder Exkursionen zu Baustellen und Fertigteilwerken durch, bei denen die Studierenden „Praxisluft“ schnuppern können. Die Arbeit mit jungen Menschen bereitet mir dabei sehr große Freude.

Redaktion Bautechnik: Was unterscheidet Ihre Hochschule im Bereich Bauwesen von anderen Hochschulen oder Universitäten? Was bringen Sie Ihren Studenten im Fach Bauingenieurwesen bei? 

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: An der THM bilden wir Bauingenieure und Architekten eng verzahnt aus. Bei diesem „Y-Modell“ belegen die Studierenden in den ersten Semestern teilweise die gleichen Fächer. Bauingenieure belegen klassische „Architektur-Fächer“ (Zeichnen, Entwerfen) und Architekten die „Bauingenieur-Fächer“ (beispielsweise Grundlagen der Tragwerksplanung). Auf diese Weise möchten wir die späteren Bauingenieure und Architekten für die Denkweise der jeweils „anderen Seite“ sensibilisieren. In der Praxis ist die Zusammenarbeit von Bauingenieuren und Architekten die Regel,  daher ist es sinnvoll, dieses Miteinander auch schon im Studium zu fördern. Außerdem zeichnen die THM der sehr enge Kontakt und die intensive Betreuung der Studierenden durch die Professoren aus.

Redaktion Bautechnik: Es scheint, als seien Sie in Ihrer Lehre ganz nah an der Baupraxis und auch ganz nah an Ihren Studenten dran. Wie gelingt Ihnen das? 

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: Für unsere Hochschule ist schon immer die praxisnahe Ausbildung von Studierenden ein Hauptanliegen. Dies setze ich in den Vorlesungen durch viele Beispiele aus der täglichen Baupraxis und zahlreiche Baustellenbesuche um. Weiterhin ist ein wichtiger Bestandteil meiner Lehre die Integration von zahlreichen Exkursionen, bei denen natürlich das Bauen im Mittelpunkt steht.

Redaktion Bautechnik: Sie haben im Sommer eine Exkursion mit 25 Studenten nach Peru geleitet. In elf Tagen haben Sie mit Ihren Studenten moderne Städte ebenso besichtigt wie antike Kulturstätten. Was bewirken Sie mit Ihrem enormen Engagement und einem so außergewöhnlichen Weiterbildungsangebot bei Ihren Studenten? 

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: Das Interesse an diesen Exkursionen ist jedes Mal sehr groß. Meist gibt es wesentlich mehr Interessenten als verfügbare Plätze. Die Exkursionen werden mit Bauingenieuren und Architekten durchgeführt und auch von beiden Gruppen geplant. Daher stehen Sehenswürdigkeiten zu beiden Berufsgruppen auf der Tagesordnung. Durch diese Art der Weiterbildung möchte ich das Interesse am Bauen wecken und fördern. Außerdem fördert und stärkt es natürlich auch wieder die Zusammenarbeit der Bauingenieure und Architekten.

Redaktion Bautechnik: Was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten 20 Jahren an Ihrer Hochschule verändert? Da Sie heute an der TH Mittelhessen lehren und in den 90er Jahren auch dort studiert haben, können Sie das sicher aus beiden Perspektiven beurteilen. 

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: Ja, ich kenne beiden Seiten. Die THM hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Als ich Student an meiner Hochschule war (damals hieß sie noch Fachhochschule Gießen-Friedberg) war der Schwerpunkt fast ausschließlich die Lehre. Heute sind wir eine Hochschule neuen Typs geworden. Neben der Lehre sind wir auch im Forschungs- und Weiterbildungsbereich sehr aktiv. Die Forschungstätigkeiten kommen den Studierenden natürlich auch zugute. Sie bekommen einen unmittelbaren Einblick in neue Entwicklungen in ihrem Fachgebiet und haben die Chance, dabei mitzuarbeiten. Unser Angebot in den dualen Studiengängen (StudiumPlus) und Weiterbildungsstudiengängen betreiben wir mittlerweile zusätzlich zu den Hauptstandorten Gießen und Friedberg an sechs weiteren Standorten.

Redaktion Bautechnik: Mausert sich die Technische Hochschule Mittelhessen immer mehr zu einer Forschungseinrichtung? 

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: Im Mittelpunkt des Handelns steht für die THM eine exzellente und praxisnahe Lehre. Forschung, Entwicklung und Weiterbildung bilden den Rahmen und gehören selbstverständlich heute mit dazu.

Redaktion Bautechnik: Seit einigen Jahren forschen Sie im Bereich der erneuerbaren Energien insbesondere die Optimierung von Windkraftanlagen. Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Projekt „HYFA: Entwicklung eines innovativen Hybridfachwerks durch ressourcenschonenden Materialeinsatz“?

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: Wir versuchen bei diesem Projekt Material und dadurch Gewicht bei Hybridtürmen für Windenergieanlagen einzusparen. Große Kostenfaktoren beim Bau von Windenergieanlagen sind der Transport und die Montage. Hier sehen wir Optimierungspotential, das wir bei unserem Turmtyp umsetzen möchten. Außerdem versuchen wir, schadenanfällige Konstruktionen (z. B. Fugen) bei dieser Art der hochgradig dynamisch belasteten Bauwerke zu vermeiden und durch optimierte Konstruktionen zu ersetzen.

Redaktion Bautechnik: An welchem Punkt befinden Sie sich denn zurzeit in dem Projekt? Sind Sie schon dabei, einen Prototypen Ihres Hybridturmes aufzustellen?

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: Mittlerweile bearbeiten wir bereits das zweite Forschungsprojekt zu unserem Hybridturm, bei dem wir uns mit grundlegenderen Fragen der dynamischen Beanspruchung der Turmkonstruktion befassen. Natürlich laufen bereits auch Gespräche und Planungen zum Bau eines Prototyps. Anhand des Prototyps soll dann das neue Design in der Praxis umgesetzt werden. Ich wünsche mir natürlich, dass wir diesen Prototyp dann auch wissenschaftlich begleiten können.

Redaktion Bautechnik: Sie lassen Ihre fachliche Expertise in die Schneider Bautabellen in das Kapitel Brandschutz einfließen. Was fasziniert Sie denn an dieser Thematik ganz besonders?

Prof. Dr.-Ing. Jens Minnert: Wir sind auf einem Weg, bei dem die Ingenieurmethoden für die Beurteilung des Brandschutzes immer wichtiger und selbstverständlicher werden. Gleichzeitig bieten die Ingenieurmethoden eine gute zeitgemäße Möglichkeit, unsere Konstruktionen in dieser Hinsicht zu optimieren. Diese Entwicklung wird in der Praxis in Zukunft immer wichtiger werden. 

Herr Minnert, herzlichen Dank für das Interview!


 

Kurzprofil des Experten Prof. Dr.- Ing. Jens Minnert

Jens Minnert (Dr.-. Ing) 

Seit 2004 Ö.b.u.v. Sachverständiger für Tragwerksplanung und Baustatik sowie Schäden an Gebäuden 

Seit 2002 Professor im Fachgebiet Stahlbeton- und Spannbetonbau an der Technischen Hochschule Mittelhessen (ehem. FH Gießen-Friedberg)

1999-2002 Projektleiter im Ingenieurbüro Mann+Bernhardt in Darmstadt

1999 Promotion an der Universität Leipzig zum Thema "Tragverhalten von stumpf gestoßenen Fertigteilstützen aus HSC" 

1998 - 1999 Bauleiter bei Bilfinger+Berger AG in Frankfurt

1995 -1998 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Massivbau unter Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. e. h. G. König (TH Darmstadt und Universität Leipzig)  

1994-1995 Studium Bauingenieurwesen an der TH Darmstadt, Dipl.-Ing 

1990-1994 Studium Bauingenieurwesen an der FH Gießen-Friedberg (heute TH Mittelhessen), Dipl.-Ing (FH)

1986-1989 Berufsausbildung zum Tischler

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