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Vorteile und Risiken Zollrechtlicher Versandverfahren (VV) in der EU

Zollrechtlicher Versandverfahren (VV) in der EU

Durch Zollrechtliche Versandverfahren (VV) haben Sie die Möglichkeit, einen nämlichkeitsgesicherten Warentransport durchzuführen und die zollamtliche Behandlung Ihrer Waren an den endgültigen Bestimmungsort zu verlagern. Dabei werden die normalerweise geschuldeten Einfuhrabgaben, nämlich Zölle und Einfuhrumsatzsteuer, ausgesetzt, bis die Waren ihren endgültigen Bestimmungsort in der EU erreichen. Allerdings gehen Sie auch das Risiko einer ungewollten Zollschuldentstehung ein. 

Grundsätzlich gibt es zwei Verfahrensarten: 

  • Das externe VV (T1): ermöglicht den Transport von Nichtgemeinschaftswaren (NGW; Art. 4 Nr. 8 ZK) zwischen zwei Orten innerhalb des Zollgebiets der Europäischen Union, ohne die Entstehung von Einfuhrabgaben und ohne die Anwendung von handelspolitischen Maßnahmen.
  • Das interne VV (T2): ermöglicht den Transport von Gemeinschaftswaren (GW; Art. 4 Nr. 7 ZK) zwischen zwei innerhalb des Zollgebiets der Gemeinschaft gelegenen Orten über das Gebiet eines Drittlands, ohne dass die Waren ihren GW-Status verlieren. 

Allerdings dürfen Sie Ihre Waren sowohl im externen als auch im internen VV nur dann über ein Drittland befördern, wenn es durch ein internationales Übereinkommen (z.B. Übereinkommen EWG/EFTA) erlaubt ist. Unter besonderen Voraussetzungen kann das externe VV auch für den Transport von GW in Betracht kommen. Anwendungsfälle sind u.a. die Erstattungen im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik. 

Neben der Differenzierung nach dem Status der Waren wird die folgende weitere Untergliederung zwischen dem gemeinschaftlichen und dem gemeinsamen VV getroffen: 

  • Gemeinschaftliche VV (gVV): für Warenbeförderungen zwischen zwei Orten in der EU

und

  • Gemeinsame VV (gemVV): für Warenbeförderungen zwischen EU- und EFTA-Staaten sowie zwischen den EFTA-Staaten untereinander).

Das gemVV beruht auf dem Versandübereinkommen EWG/EFTA über ein gemeinsames Versandverfahren. Zu Beginn 2016 ist die Republik Serbien dem Übereinkommen beigetreten und nimmt nunmehr an dem gemVV teil. Somit ergeben sich unter Einbeziehung der EU folgende weitere Varianten des VV:

  • Externes gemeinschaftliches VV (gVV/T1): für den Transport von NGW zwischen zwei Orten innerhalb der EU. 

Beispiel: Chinesische Uhren werden aus einem Düsseldorfer Zolllager nach Madrid transportiert und erst dort zollrechtlich in den freien Verkehr abgefertigt. Durch den Transport im gVV/T1 wird die Entstehung der Einfuhrabgaben an den endgültigen Bestimmungsort verlagert.

  • Internes gemeinschaftliches VV (gVV/T2): für den Transport von GW zwischen zwei Orten innerhalb der EU über das Gebiet eines Drittlands, ohne dass die Waren den GW-Status verlieren.

Beispiel: Im freien Verkehr der EU befindliche Handtaschen werden von München nach Zürich befördert. Um die Waren an den endgültigen Bestimmungsort zu transportieren und eine Überführung in das nationale VV der Schweiz an der deutsch-schweizerischen Grenze zu vermeiden, empfiehlt es sich, bereits am Sitz des Unternehmens in der EU ein gemVV/T2 zu eröffnen. 

Nicht zwingend muss bei einer Warenbeförderung zwischen der EU und einem EFTA-Staat das gemVV zur Anwendung kommen. Vielmehr kann die Beförderung auch durch eine Reihung von VV durchgeführt werden.

Beispiel:  NGW aus einem Zolllager in Koblenz sollen nach Zürich befördert werden. Hier bestünde die Möglichkeit, die VV wie folgt zu kombinieren: 

  • Für den Streckenabschnitt von Koblenz bis zur deutsch-schweizerischen Grenze können die Waren im gVV/T1 befördert werden.
  • Für den Streckenabschnitt von der deutsch-schweizerischen Grenze bis zum Bestimmungsort in Zürich wäre die Beförderung der Waren im nationalen VV der Schweiz möglich.

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit sollte jedoch direkt in Koblenz ein gemVV/T1 eröffnet werden.

Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass es noch weitere VV nach internationalen Übereinkommen, wie z.B. das TIR-Verfahren, gibt. Diese Verfahren werden hier jedoch nicht näher ausgeführt. 

Praxistipp: Um das Versandverfahren möglichst wirtschaftlich nutzen zu können, sollten die zollrechtlichen Vereinfachungen des Zugelassenen Empfängers und des Zugelassenen Versenders beim zuständigen Hauptzollamt beantragt werden. Nach Bewilligungserteilung dürfen Versandvorgänge im gemeinsamen/gemeinschaftlichen Versandverfahren durchgeführt werden, ohne dass die Waren bei der Abgangs- und/oder Bestimmungszollstelle gestellt werden müssen.

Weitere Informationen zu den Versandverfahren und viele Praxisbeispiele liefert der Beitrag: „Zollrechtliche Versandverfahren in der EU und die Problemstellungen in der Praxis“ von Diplom-Finanzwirt (FH) Kevin Holzke, in: „Der Zoll-Profi!“, Ausgabe April 2016.

Quelle: Zeitschrift „Der Zoll-Profi!“, Bundesanzeiger Verlag, Köln

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