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Land des Monats: USA - Teil I

Land des Monats: USA

Außerhalb der EU ist und bleibt der wichtigste Schlüsselmarkt die USA, weltweit eine der führenden Wirtschaftsmächte sowie der größte Industriestandort. Die Geschäftschancen in diesem riesigen Markt mit rund 320 Millionen Menschen und einer immensen industriellen Innovationskraft wird von vielen deutschen Firmen noch nicht entsprechend genutzt. Dabei stehen Produkte Made in Germany in den USA in hohem Ansehen. Allerdings gilt es, die Besonderheiten dieses Marktes zu berücksichtigen.

Manches deutsche mittelständische Unternehmen hat auf dem US-Markt zunächst ein Desaster erlebt. Oft wird etwa der Investitionsbedarf unterschätzt, vor allem für Vertrieb und Marketing. Trotz Weltsprache Englisch kann zudem die mitunter fremd anmutende Business- und Rechtskultur Probleme bereiten. America ist different – in vielerlei Hinsicht. Das soll dieser Länderbericht u. a. deutlich machen.

Die Wachstumskurve der USA steigt stetig an

Die jährlichen wirtschaftlichen Wachstumskurven der USA zeigen in den ersten zehn Jahren dieses Jahrhunderts mit Ausnahme der weltweiten Krisenjahre 2008 und 2009 mehr oder weniger deutlich nach oben. In den Jahren nach der Krise wuchs die Wirtschaft nicht mehr ganz so stark, aber immerhin jährlich noch um etwa 2 %. Mit dem 2014 erreichten Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 17,5 Bio. US-Dollar sind die USA weiterhin weltweit die mit Abstand größte Volkswirtschaft.

Konsum wichtig für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Die Konsumlaune der Verbraucher hat ebenfalls wieder zugenommen, auch wenn die Steigerungsraten eher bescheiden waren – ähnlich wie die der Löhne. Der private Konsum ist entscheidend für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Landes. Er umfasste 2013 und 2014 nach Angaben des US-Statistikamtes nämlich fast 70 % des BIP. Dazu kommt, dass die hohe Verschuldung der privaten Haushalte geringer geworden ist. 

Das nationale Haushaltsdefizit befindet sich schon seit Jahren in einem äußerst kritischen Bereich. Das gilt auch für etwa 25 Bundesstaaten, die sich in schwieriger Finanzlage befinden, darunter Kalifornien, Florida und Minnesota. Daran wird sich auch künftig nicht allzu viel ändern. 

Positiv verbesserte sich dagegen die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Besonders 2014 nahm die Zahl der Beschäftigten deutlich zu. Die offizielle Arbeitslosenquote betrug am Ende 2014 nur mehr 5,6 %. Freilich sind da nicht alle erfasst, die arbeitswillig sind, doch die Tendenz ist deutlich. Der private Verbraucher wie auch die Industrie insgesamt profitierten 2014 vor allem vom Verfall des Ölpreises. Da die USA ihre eigene Rohölförderung weiter forcieren und Russland auf seine Öleinnahmen dringend angewiesen ist, kann damit gerechnet werden, dass der Ölpreis in den nächsten Jahren auf einem eher niedrigen Niveau bleibt. 

Die Verkehrsinfrastruktur des Landes bedarf vieler Reparaturen. Doch das Netz der Straßenwege ist ausgedehnt und erreicht alle Orte. Das amerikanische Eisenbahnnetz ist am dichtesten im Nordosten und entlang der Ostküste. Zudem wird eine ganze Reihe von Infrastrukturprojekten neu geplant. Dies hängt freilich oft von der Haushaltssituation des betreffenden Bundesstaates ab. Im Flugverkehr gibt es kaum Nachholbedarf. Eine große Zahl von Airlines unterhält ein engmaschiges Liniennetz, das alle größeren Städte abdeckt.

Arbeitsproduktivität der USA überdurchschnittlich

Für Investoren entscheidend ist u. a. der Faktor Arbeit, für den nicht nur die Höhe der Löhne ausschlaggebend ist. Die Arbeitsproduktivität gemessen am BIP je Erwerbstätigen ist nach Angaben der EU-Kommission (Eurostat) in den USA höher als in allen EU-Staaten. Mit 143,9 lag nach deren Schätzungen 2014 die Arbeitsproduktivität der Vereinigten Staaten mehr als 40 % über dem Durchschnitt (100) der EU (28). Aber Achtung: Die Entwicklung in den einzelnen US-Bundesstaaten verlief unterschiedlich.

USA größte Industriemacht

Die USA werden auf Jahre hinaus nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern auch die größte Industriemacht der Erde bleiben. International agierende Unternehmen aus Europa kommen deshalb kaum daran vorbei, sich in dem Staat zu engagieren, der als einheitlicher Wirtschaftsraum nur noch von der EU insgesamt übertroffen wird. 

Die Stärke der Industrie nahm in den Jahren nach der weltweiten Finanzkrise wieder zu. Geholfen hat dabei, dass die Energiepreise für die Produktionsunternehmen im Land im weltweiten Vergleich immer noch günstig sind. Da die USA ihre Abhängigkeit von Energieimporten in jüngster Zeit weiter verringern haben, wird dies vorläufig auch so bleiben. 

Zur raschen Erholung der US-Wirtschaft trug aber auch die Innovationsfreude der Industrie bei. Dies beschränkt sich nicht nur auf die legendären Erfinder und Internetkonzerne in Silicon Valley. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind anteilmäßig etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Forschungs- und Industriecluster in vielen US-Bundesstaaten entwickeln laufend neue Produkte etwa in der Medizintechnik oder im Maschinenbau. 

Mit dem Aufschwung ist auch die Investitionsneigung der Industrie neu entfacht worden. Die Grundlage dafür bilden die meist kräftigen Gewinne in früheren Jahren und die damit erzielten hohen Liquiditätsreserven. 2013 und 2014 stiegen die Bruttoanlageninvestitionen sogar im zweistelligen Bereich. Erleichtert wurde dies zudem durch den tiefen Leitzins der US-Notenbank (Fed). Seit 2008 lag dieser unter 1 % oder ging ganz gegen null. Mit den Investitionen kam auch die Produktion immer mehr auf Touren.

Chancen für deutsche Unternehmen 

Die steigende Industrieproduktion in fast allen Bereichen und die weiter vorhandene Investitionsneigung bieten auch gute Chancen für deutsche Mittelständler. Bei hochwertigen Investitionsgütern greifen US-Firmen schon viele Jahre bevorzugt auf deutsche Produkte zurück. Made in Germany besitzt traditionell in den USA einen guten Ruf. Zwar werden bei öffentlichen Aufträgen US-amerikanische Firmen bevorzugt, doch können bei Zulieferungen durchaus ausländische Firmen zum Zug kommen, etwa beim Ausbau des Breitbandnetzes. Eventuell sollte man Spezialisten dafür beauftragen, sich um die komplexen Vergabeprozesse zu kümmern.

Mit Niederlassungen im Land selbst steigen letztlich auch die Marktchancen. Das gilt nicht nur für die VW AG, die 2011 ein neues Produktionswerk mit Investitionskosten von rund 1 Mrd. US-Dollar im Bundesstaat Tennessee in Betrieb nahm. Dies erkennen immer mehr auch deutsche mittelständische Unternehmen, die substanzielle Investitionen in den USA planen. Rolf Biekert, Geschäftsführer der US-Niederlassung der Trumpf GmbH & Co. KG, betonte in seinen Reden vor Kammern in den USA, dass nicht nur der US-Markt für uns entscheidend ist, „sondern auch die Drittmärkte, die wir von hier aus beliefern können“. Zusätzlicher Vorteil ist für viele dabei, dass sie die Freihandelsabkommen mit Drittstaaten für zollfreie Lieferungen nutzen und die Wechselkursrisiken des US-Dollars verringern können. 

Die Direktinvestitionen (FDI) deutscher wie auch der sonstigen ausländischen Unternehmen haben wieder deutlich zugenommen. 2012 und 2013 waren die USA Weltmeister auch beim Zufluss ausländischer Direktinvestitionen. Diese tragen ebenfalls nicht unerheblich zur insgesamt stabilen Lage der US-Industrie bei-

In welchen Branchen deutsche Unternehmen in den USA die größten Vertriebs- und Absatzchancen haben, darüber informieren wir im Land des Monats Oktober: USA - Teil II.

Quelle: Beitrag "USA – führende Industriemacht" von Stephan Mühlbaur auf der Online-Anwendung "Export-Plus", Bundesanzeiger Verlag, Köln

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