ThemenübersichtMenü
AW-Portal

Land des Monats: Tschechien - Teil I

Land des Monats Juli: Tschechien

Ausländischen Investoren stehen in der Tschechischen Republik die Türen offen. Der Investor muss jedoch Anpassungsfähigkeit, Verständnis, Zähigkeit und Geduld mitbringen. Er sollte nicht meinen, dass Tschechien am Beginn der Industrieentwicklung steht, aber er darf auch nicht erwarten, dass alles so läuft, wie er es von „zu Hause“ gewohnt ist. 

Das Land scheint lautlos und wenig spektakulär, dafür aber umso sympathischer und lebensklüger als manch anderes Volk in Europa. Viele ausländische Investoren haben schon erkannt, dass, wer heute mit Tschechen arbeitet oder Geschäfte macht, sich einen langen Weg spart und meist eine günstige Basis hat, um seine Geschäfte in ganz Europa insbesondere Richtung Osten auszuweiten.

Tschechische Wirtschaft auf stabilem Kurs

Die Wirtschaft der ehemaligen Tschechoslowakei hat nach der politischen Wende 1989 auch schnell die Wende von der Planwirtschaft zur Marktwirtschaft geschafft. Dazu trug bei, dass das Land schon vor der 40-jährigen kommunistischen Herrschaft eine beachtliche Industrietradition hatte. Den Aufholprozess beschleunigt hat auch die räumliche Nachbarschaft zu Deutschland und Österreich. Insbesondere massive Investitionen aus diesen Ländern führten zu modernen Industriestrukturen und damit zu besserer Wettbewerbsfähigkeit.

Der EU-Beitritt 2004 brachte der tschechischen Wirtschaft zusätzlichen Schub. 2005 und 2006 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes um mehr als 6 %. Allerdings hatte die stark exportorientierte Wirtschaft länger unter der Weltfinanzkrise 2008 zu leiden. Instabile politische Regierungsmehrheiten sowie die allgemein verbreitete Korruption erschwerten zusätzlich eine rasche Konsolidierung der Wirtschaft. Erst 2013 befand sich die Wirtschaft wieder auf stabilem Kurs. 2014 stieg das tschechische BIP nach Angaben des nationalen Statistikamtes um 2 % und lag damit etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Eurozone. David Marek, Chefökonom der Beratungsfirma Deloitte in Tschechien, verwies Anfang 2015 im Radio Prag darauf, dass die Tschechische Republik im Pro-Kopf-Verhältnis des BIP zur Kaufkraftparität bei 83 % des EU-Durchschnitts liege. Das sei der beste Wert aller mitteleuropäischen Länder, die vor elf Jahren der EU beigetreten sind.

Für 2015 und 2016 erwarten Analysten deutscher Banken wie z. B. der Bayerischen Landesbank eine noch höhere BIP-Wachstumsrate als 2014. Angetrieben wird dieses Wachstum wesentlich von der Industrieproduktion, die 2012 und 2013 einen Anteil von rund 30 % zum BIP beitrug. Damit hat die Industrieproduktion in der Tschechischen Republik einen höheren Anteil am BIP als etwa in Deutschland. 

Zum wirtschaftlichen Aufschwung tragen daneben aber auch die immer wieder in den Jahren seit der Wende 1989 zu beobachtende besondere Kauflaune der Tschechen sowie die umfangreichen finanziellen Fördermittel aus den europäischen Fonds für regionale Entwicklung bei. Dank dieser Fördermittel wird nicht nur die Verkehrsinfrastruktur im Land immer besser. Auch kleine und mittelständische in- und ausländische Unternehmen können davon profitieren, etwa durch Zuschüsse zur Entwicklung neuer Produkte oder Qualifizierung von Mitarbeitern.

Tipp: Weitere Informationen zu Marktindikatoren im Einzelnen, u. a. zu Branchenkennziffern, Arbeitszeiten, Produktpreisen, Durchschnittslöhnen und Entwicklung der Arbeitslosenzahlen etwa auch in den einzelnen Regionen des Landes, können Sie im Internetportal des tschechischen Statistikamtes CZSO in englischer Sprache unter www.czso.cz/eng/redakce.nsf/i/home finden.

Deutschland – größter Handelspartner der Tschecheslowakei

Bereits 2005 hat die Tschechische Republik als erstes Land der neuen EU-Mitgliedstaaten einen Außenhandelsüberschuss erzielt. Diese Exportstärke hielt auch in den folgenden Jahren an. Schon damals ging der größte Teil der Ausfuhren in die EU-Länder. Der größte Teil der Einfuhren kam ebenfalls aus dem EU-Raum. 2013 übertraf der Außenhandelsumsatz mit 213 Mrd. Euro das BIP-Volumen des Landes um rund 43 %. 

Als größter Handelspartner liegt Deutschland weit vor den Nachbarländern Slowakische Republik und Polen. 2013 betrug das Handelsvolumen mit Deutschland rund 63 Mrd. Euro, was mehr als ein Drittel des gesamten Handelsaustausches mit allen EU-Ländern ausmachte. Dabei exportierten die Tschechen mehr, als sie einführten. Ihr Handelsüberschuss betrug 2013 rund 2 Mrd. Euro. Daran dürfte sich auch künftig nicht viel ändern. 

Deutschland bezieht vor allem Kfz und -Teile. Dies ist allerdings zum Teil auch darauf zurückzuführen, dass deutsche Kfz-Firmen in größerem Umfang Vorleistungsgüter aus der Tschechischen Republik beziehen. Maschinen stehen an zweiter Stelle der Importgüter, gefolgt von Elektronik und Elektrotechnik. 

Der größte Anteil der deutschen Ausfuhrgüter nach Tschechien entfiel 2013 auf Maschinen, gefolgt von chemischen Erzeugnissen und Kfz und -Teilen. Reichlich neues Exportpotenzial für deutsche Unternehmen dürfte allerdings auch in anderen Bereichen wie etwa Medizin- und Pharmaprodukte sowie Umwelttechnik stecken.

Welche Vertriebs- und Absatzchancen deutsche Unternehmen in Tschechien haben, darüber informieren wir im Land des Monats August: Tschechien - Teil II.

Quelle: Online-Anwendung "Export-Plus", Bundesanzeiger Verlag Köln

THEMENKATALOG 2017

Ein-/Ausblenden

Informieren Sie sich über unser aktuelles Programm.

Jetzt online blättern

Jetzt kostenlos bestellen!

PRODUKTEMPFEHLUNG

Ein-/Ausblenden

PRODUKTEMPFEHLUNG

Ein-/Ausblenden