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Land des Monats Juni: Russland - Teil II

Land des Monats Juni: Russland

Es klingt paradox, aber Russlands Stärke ist gleichzeitig Russlands Schwäche. Der starke Rohstoff- und Energiesektor in Russland führt dazu, dass Russlands Investoren keinen Anlass sehen, stärker in die Industrieproduktion zu investieren. Viel zu verlockend sind die Gewinne, die mit Erdöl- und Erdgasgeschäften zu erzielen sind. Damit ist die Wettbewerbsfähigkeit russischer Unternehmen, mit Ausnahme weniger Branchen, insgesamt sehr schwach. Umfangreiche Importe von Gütern werden weiterhin notwendig sein, wodurch sich eine Vielzahl von Chancen auch für deutsche Exporteure ergibt.

Konsumgüter – Russen sind kauffreudig

Russen sind sehr kauffreudig, marken- und statusorientiert und aufgeschlossen gegenüber Innovationen. Die Realeinkommen wachsen stetig und damit die Konsumnachfrage. Dem Einzelhandel beschert dies  sehr gute Umsätze. Ein Großteil der Konsumnachfrage wird durch Importe abgedeckt, da die lokale Konsumgüterproduktion der hohen Nachfrage nicht gerecht werden konnte. Eine gute Ausgangsposition sichern sich ausländische Unternehmen, die vor Ort für den russischen Markt produzieren. In der Peripherie einiger Großstädte entstanden in den letzten Jahren mehrere gigantische Megamärkte. Diese verschaffen dem Konsumenten ein völlig neues Einkaufserlebnis und kurbeln die Umsätze kräftig an.

Auch die großen Handelsketten wie Metro, Rewe, Marktkauf, Obi, Ikea, Ramstor und Auchan sind mit Giga-Stores vor Ort. Im Gegensatz zur stark defizitären Wirtschaft der Sowjetzeit gibt es in Russland mittlerweile fast alles zu kaufen. Das Sortiment der Anbieter ist bunt gemischt und sehr international. Immer stärker sichern sich asiatische Produkte einen Marktanteil in Russland.

Automobilsektor – neues Fahrzeug ist ein "must have"

Viele Jahre profitierte diese Branche von dem Anstieg der Lebensqualität des russischen Verbrauchers. Neben Immobilien und Reisen gehörte ein neues Fahrzeug zum „ must have“. Besonders die Marken ausländischer Hersteller profitierten von dieser erhöhten Nachfrage. Führend hierbei sind Renault, General Motors, Ford und Toyota, die mit eigenen Produktionsstätten vor Ort sind. Auch deutsche Automobilbauer haben sich in Russland niedergelassen und wollen ihre Produktionskapazitäten weiter ausbauen. Die Beliebtheit ausländischer Marken ist nicht zu übersehen. 2012 wurden über zwei Millionen Neuwagen internationaler Marken verkauft und gerade einmal 690.000 Fahrzeuge russischer Marken. Das Marktvolumen Russlands wird von Experten bis zum Jahr 2020 auf 3,3 Millionen Fahrzeuge geschätzt. Allerdings hat die derzeitige Krise in Verbindung mit dem Wirtschaftsembargo den zweitgrößten Automobilmarkt Europas um knapp 23 % schwinden lassen. Experten bescheinigen dem Automobilsektor für die kommenden Jahre dennoch ein erhebliches Wachstum, wovon auch deutsche Automobilbauer und -zulieferer profitieren werden. Da die Autobauer in Russland ihre Kapazitäten ausbauen, lohnt es sich für die Hersteller von Fahrzeugkomponenten, über eine Ansiedlung in Russland nachzudenken. Besonders als Zulieferer, Ausrüster und Dienstleister der Automobilindustrie kann man Russland nicht ignorieren.

Maschinenbau - hoher Modernisierungsbedarf besteht

Nicht nur im Fahrzeugbau werden moderne Maschinen und Ausrüstungen benötigt. Ein großer Modernisierungsbedarf in Bezug auf den Maschinenpark besteht in nahezu allen Bereichen der russischen Wirtschaft. Nach wie vor sind Investitionen u. a. in der Öl- und Gasindustrie, in der Elektroenergieerzeugung, in der Metallindustrie, der Nahrungsmittelindustrie und im Transportsektor notwendig. Um die Investitionslaune, die immer noch schwach ist, weiter anzukurbeln, sind die Fortsetzung der Reformen und die Überwindung der Korruption und Bürokratie notwendig.

Auf Grund der hohen Qualität, des hohen Grades an Know-how, des Service und der hohen Problemlösungskompetenz sind besonders Maschinen und Anlagen aus deutscher Produktion angesehen. In den letzten Jahren wird allerdings der Wettbewerb mit asiatischen Anbietern immer stärker. Zur Unterstützung der bilateralen Beziehungen ist seit 2007 der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mit einer Repräsentanz in Russland vor Ort.

Chemische Erzeugnisse

Deutsche Anbieter chemischer Erzeugnisse profitieren von der wachsenden Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen. Besonders nachgefragt werden Arzneimittel, Waschmittel, Kosmetik, Kunststoffe, Lacke und Farben.

Weitere Branchen

Es gab kaum eine Branche, die in Russland kein Wachstum zu verzeichnen hatte. Ein Großteil davon konnte Anstiege im zweistelligen Bereich aufweisen. Einige Branchen wuchsen über 50 % jährlich. Die Wirtschafts- und Finanzkrise stoppte vorerst diese positive Entwicklung. Deutsche Unternehmen, die bereits international gut aufgestellt sind, haben gute Chancen, auch in Russland zu bestehen.

Zu den aussichtsreichen Branchen gehören neben den bereits genannten u. a.:

 

  • die Baubranche, besonders bei der Nachfrage nach Baumaschinen, Baustoffen und Zubehör, nicht zuletzt durch die Vergabe der Olympischen Spiele 2014 nach Sotchi
  • die Telekommunikationsbranche, deren treibende Kraft der Mobilfunksektor ist
  • die Versorgung kommunaler Bereiche durch die bevorstehenden notwendig gewordenen Modernisierungsmaßnahmen im Stromsektor, der Wasser- und Abfallwirtschaft

Im immer stärker werdenden Wettbewerb profitieren deutsche Unternehmen nach wie vor von ihrem guten Ruf in Russland. Anerkannt und hoch geschätzt sind die hohe Qualität der Erzeugnisse, die Zuverlässigkeit und die Termintreue. Allerdings sollten deutsche Unternehmen aufpassen, dass sie nicht durch fehlende Flexibilität, Investitions- und Risikobereitschaft an Boden verlieren. Erfahrungsgemäß gibt es eine Reihe westlicher oder asiatischer Unternehmen, die bedeutend schneller und flexibler in Russland agieren.

Besonders Unternehmen aus China, die in der Qualität stark aufgeholt haben und trotzdem einen enormen Preisvorteil bieten, werden immer mehr zur Konkurrenz für deutsche Unternehmen auf dem russischen Markt. China konnte seine Ausfuhren nach Russland in den letzten Jahren erheblich steigern, während Deutschland starke Rückgänge zu verzeichnen hatte. Damit hat Deutschland seine Position als Handelspartner Nr. 1 an China abgetreten. Kunden, die über Jahrzehnte Geschäftsbedingungen aufgebaut hatten, werden derzeit verstärkt aus dem Markt gedrängt. Aus dem Kreml gibt es derzeit die Anweisung, dass Staatsunternehmen keine westlichen Produkte mehr kaufen sollen.

Mehr über Russland erfahren Sie in dem Beitrag: Land des Monats: Russland - Teil I

Quelle: Online-Anwendung "Export Plus", Bundesanzeiger Verlag, Köln

Foto: adpic – © I. Lubnevskiy

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