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Land des Monats April: Litauen

Land des Monats: Litauen
©Ilyes Laszlo-Fotolia.com

Die Anpassungsfähigkeit der litauischen Politik und Wirtschaft wird von Korrespondenten und Wirtschaftsexperten vor Ort immer wieder gelobt. An Investitionen wird nicht gespart. Diese wirken als zusätzlicher Konjunkturmotor ebenso wie die vergleichsweise hohen Exportvolumina. Zudem gilt die Bevölkerung als konsumfreudig. Der Handel mit Deutschland ist aber noch ausbaufähig.

Lohnniveau und Arbeitsproduktivität

Das Lohnkostenniveau ist immer noch niedrig, auch wenn es im Steigen begriffen ist. Nach Angaben des litauischen Statistikamtes betrug 2013 der durchschnittliche Bruttomonatslohn zwischen 520 und 770 Euro je nach Region. Die Arbeitskosten liegen pro Stunde bei etwa 6 Euro. Nur in Bulgarien und Rumänien lag der Stundenlohn im EU-Vergleich niedriger. Der gesetzliche Mindestlohn pro Stunde betrug Anfang 2015 in Litauen 1,82 Euro. Damit war er geringer als in den beiden anderen baltischen Staaten. Entscheidend für Investoren ist im Vergleich zum Lohnkostenniveau jedoch die Arbeitsproduktivität. Nach einer Eurostat-Statistik hat sich diese im Laufe der Jahre bis 2015 auf über 72 (Bruttowertschöpfung in Preisen je Erwerbstätigen – EU27 = 100) verbessert. Damit liegt sie unter dem EU-Durchschnitt, aber inzwischen über der in Lettland. 

Das niedrigere Lohnniveau kann allerdings auch dazu führen, dass Fachleute in den Westen der EU auswandern. Auf längere Sicht wird sich eine Angleichung an EU-Durchschnittslöhne nicht vermeiden lassen. Der Arbeitsfachkräftemangel in einigen Bereichen forciert diese Entwicklung bereits.

Infrastrukturmaßnahmen

Zum neuen wirtschaftlichen Aufschwung nach 2009 trugen in Litauen wie auch in den anderen beiden baltischen Staaten die hohen finanziellen Fördermittel aus den EU-Strukturfonds bei. In der Summe betragen diese fast ein Viertel des BIP. Unter anderem konnten Umwelt und Verkehrsinfrastruktur verbessert werden. Für die neue Förderperiode von 2014 bis 2020 plant die EU Fördergelder in der Höhe von 8,3 Mrd. Euro ein, die hauptsächlich für das operationelle Programm „Investitionen“ verwendet werden sollen. Profitieren von diesen Fördermitteln können auch in den Ländern ansässige kleine und mittelständische in- und ausländische Unternehmen, etwa durch Zuschüsse zur Entwicklung neuer Produkte oder Qualifizierung von Mitarbeitern. 

Allgemeine Hinweise dazu siehe Export Plus B II 2 „EU – Strukturfonds – Milliarden für Osteuropa locken“.

Energiebilanz

Die Energiebilanz ist bei den baltischen Staaten unterschiedlich. Litauen z. B. ist bei Gas zu 100 % von russischen Gasimporten abhängig und erheblich auch von Stromimporten. Immerhin beträgt der Anteil eigener Energiequellen, wie etwa Biomasse und Holzabfälle, rund 20 % der gesamten Energieversorgung. Insgesamt stellten die Eurostat-Statistiker 2013 eine Importabhängigkeit von immer noch rund 78 % fest. Mit verstärkter Nutzung alternativer Energiequellen, insbesondere Wind und Holz, soll diese Abhängigkeit künftig verringert werden.

Die Energiekosten für Privatleute und Unternehmen, die vor Jahren im Vergleich zu Deutschland sehr günstig waren, allerdings jedoch spürbar an. Dies bedeutet jedoch auch Geschäftschancen für deutsche Unternehmen, etwa im Bereich energetisches Bauen.

Tipp: Weitere Informationen zu Marktindikatoren, u. a. zu Branchenkennziffern, Arbeitszeiten, Produktpreisen und Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in Litauen, sind im Internetportal des nationalen statistischen Amtes für Statistik (www.stat.gov.lt) sowie im Internetportal der Zentralbank (www.lb.lt) zu finden. Litauische Gesetze insbesondere im Wirtschaftsrecht können Sie im Internetportal der Germany Trade and Invest finden.

Rankinglisten

In den für die Gesamteinschätzung der nationalen Wirtschaft bewährten Rankinglisten schneidet Litauen im internationalen Vergleich nur zum Teil gut ab.

Im Coface-Länderrisikorating befindet sich Litauen in der Gruppe mit der viertbesten Bewertung A4 von insgesamt sieben Bewertungsstufen. Das bedeutet z. B., dass das Risiko eines Zahlungsausfalls bei Unternehmen dort vergleichsweise nicht mehr so gering ist. 
Bei der deutschen Länderklassifizierung für Exportkreditgarantien, was ebenfalls einem Risikoindex entspricht, kam Litauen meist in die beste Kategorie 0. Dies bedeutet, dass keine Deckungsmöglichkeiten für kurzfristige Geschäfte bestehen, da sie von der Europäischen Kommission als marktfähig definiert wurden. Für mittel- und langfristige Geschäfte gibt es keine Deckungseinschränkungen. Es sind auch keine generellen Sicherheitserfordernisse notwendig.

Beim Transparency Internationals Corruption Perceptions Index 2015 liegt Litauen mit acht Punkten unter 167 Staaten an 40. Stelle und damit besser als Lettland und weit besser als z. B. Italien. Korruption wird also in Litauen vergleichsweise weniger stark wahrgenommen.

Handel mit Deutschland ausbaufähig

Deutschlands Gewicht als Handelspartner der baltischen Staaten hat in den Boomjahren nach 2010 nur in wenigen Bereichen zugenommen. Bei den Lieferländern für Litauen lag Deutschland 2011 allerdings an zweiter Stelle, so auch 2014. Allerdings ging der deutsche Anteil an den litauischen Importen 2014 auf rund 11 % zurück, während er 2010 noch bei etwa 15 % lag. Freilich erzielte Deutschland damit auch 2014 einen Außenhandelsüberschuss. Deutsche Anbieter profitierten insbesondere vom gestiegenen litauischen Bedarf an Investitionsgütern. Auf Maschinen und Ausrüstungen sowie Kfz und -Teile entfielen 2014 rund 30 % der deutschen Exporte. Am stärksten wurden allerdings chemische Enderzeugnisse aus Deutschland geordert. 

Beim Importvolumen aus  Litauen war Deutschland 2014 nur an vierter Stelle nach Russland, Lettland und Polen. Immer noch sind auch Nahrungs- und Futtermittel aus Litauen in Deutschland gefragt. Darauf entfielen 2014 rund 16 % aller deutschen Einfuhren. Die Importe aus Deutschland werden wegen der stabilen Binnennachfrage und dem hohen Investitionsbedarf voraussichtlich auch auf längere Sicht stärker als die Ausfuhren dorthin zunehmen.

Strategien zum Markteinstieg

Wer in einen neuen Markt eindringen will, sollte neben seinen ökonomischen Zielen zunächst die dort üblichen Vertriebswege bzw. -formen kennen. Denn es geht ja auch darum, ob diese Ziele erreichbar sind. Die drei baltischen Länder zusammen betrachtet, handelt es sich immerhin um einen Markt von sieben Millionen Verbrauchern. Von einem Land als Basis kann man im Sinne einer Mehrländerstrategie auch gut in die Märkte der beiden anderen Länder eintreten. Normierung sollte kein besonderes Problem darstellen, da diese in den baltischen Ländern an die europäischen Richtlinien angepasst ist.

Der EU-Status der baltischen Länder hat auch den Vorteil, dass etwa deutsche Kfz-Händler Geschäftschancen haben, da sie innerhalb der EU freie Hand haben, neue Verkaufsstellen zu eröffnen bzw. neue Vertriebsformen wie den Mehrmarkenvertrieb umzusetzen. Ausländische Fachhändler agieren nach Korrespondentenberichten besonders auch in den Segmenten Textil, Elektro- sowie im Bau- und Heimwerkerbereich erfolgreich.

Bei den relativ kleinen Märkten können Sie einfach oft auch direkt verkaufen – über das Internet oder an Warenhäuser. Bei höherwertigen Produkten, die eine intensive Kundenbetreuung erfordern, geht es darum, vorhandene Vertriebswege etwa mit einem Vertriebspartner vor Ort zu nutzen. Dies könnte aber auch aus Nachbarländern geschehen. Sie müssen bei der Vertragsgestaltung freilich vom zugrunde liegenden Recht des jeweiligen Landes ausgehen. 

Die traditionell kleinwirtschaftlichen Strukturen in den baltischen Ländern bieten aber auch viele Chancen für eine direkte Zusammenarbeit mit baltischen Unternehmen vor Ort. Es gibt auch keine Beschränkung in der Höhe einer ausländischen Beteiligung. Oft wird der Wunsch nach einem Joint Venture geäußert, doch sollte man dann vorher seinen Partner wirklich kennengelernt haben. Entscheidend für den Erfolg ist dabei in neuen Märkten vor allem der damit verbundene Service.

Vertriebsnetze 

Oft besitzt ein Vertriebspartner auch Vertriebsstrukturen in den benachbarten Ländern. In Litauen z. B. könnten diese ins benachbarte Polen, Weißrussland oder die Ukraine hineinreichen. Achten Sie im Übrigen darauf, dass Verkaufsunterlagen zumindest in Englisch geschrieben sind. 

E-Commerce 

Die klassischen Vertriebsformen werden jedoch nach und nach aufgeweicht. Direktmarketing, E-Commerce und andere moderne Vertriebsformen setzen sich auch im Baltikum je nach Branche immer mehr durch. Hier gilt das Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Auch wenn Litauen nicht ganz die fast vollständige Internetnutzung hat wie in Estland, sind PCs, Mobiltelefone und Internetbanking weit verbreitet. Immer mehr Litauer kaufen auch online ein, und zwar nicht nur Privatleute. Deutsche Firmen, welche diese Handelschancen zunächst für sich nicht erkannt haben, könnten zumindest vom Internethandel in diesen Staaten profitieren. Vorteil: Innerhalb der EU wird kein Zoll auf Pakete erhoben.

Weitere Informationen erhalten Sie in dem Beitrag: Litauen: dynamische Industrie von Stephan Mühlbaur auf der Online-Anwendung "Export Plus".

Quelle: Online-Anwendung "Export Plus", Bundesanzeiger Verlag, Köln

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