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Land des Monats November: Finnland

Land des Monats: Finnland

Finnland hat innerhalb weniger Jahrzehnte den Sprung von einer Agrarnation zu einem global ausgerichteten Hochtechnologieland vollbracht. Der Großteil der ausländischen Direktinvestitionen entfällt auf den Informations- und Kommunikationssektor. Firmengründungen lassen sich in Finnland zwar unkompliziert durchführen. Dennoch stellen sie für ausländische Unternehmer oftmals eine Herausforderung dar.

Der finnische IT-Sektor hat sich zu einem Wirtschaftszweig entwickelt, der im Export genauso bedeutend geworden ist wie einst die traditionelle Forst- und Metallindustrie. Symbol dafür sind die Nokia-Handys. In Finnland gibt es mit 9,4 Millionen Handys auf 5,5 Millionen Einwohner mehr Mobiltelefone pro Kopf als in irgendeinem anderen Land der Welt. Überhaupt spielt der IT-Sektor eine bedeutende Rolle, und die Begeisterung der Finnen für technische Innovationen ist groß. Inzwischen ist die Produktpalette im IT-Bereich sehr umfangreich: Finnland produziert Endgeräte, Netzdienstleistungen, Software bzw. Produkte drahtloser Kommunikation. Außerdem ist das Land führend in der Kryptografie und Bekämpfung elektronischer Viren. Neben erfolgreichen IT-Unternehmen gehören auch der Maschinen- und Metallbau sowie finnische Holz- und Papierunternehmen zu den größten der Welt.

Ausländische IT-Unternehmen zieht es nach Finnland

Die Zahl der ausländischen Unternehmen in Finnland hat sich seit Anfang der 90er Jahre mehr als verdreifacht. 1992 waren nur rund 1.000 ausländische Unternehmen in Finnland tätig, und es siedelten sich jährlich 40 neue Firmen an. Vor der Finanz- und Wirtschaftskrise meldeten 303 ausländische Firmen sich neu in Finnland an (Jahr: 2007). Diese Zahl fiel bis auf 128 (Jahr: 2009), stieg nach der Krise jedoch wieder auf 213 Neuetablierungen im Jahre 2013. Ein enormes Wachstum erfuhr der Wert ausländischer Direktinvestitionen seit den 1990ern durch liberale Wirtschaftsgesetze und die Einführung des Euros. Verglichen mit 4.172 Mio. Euro im Jahr 2002 stieg das Volumen an Direktinvestitionen auf 6.320 Mio. Euro im Jahr 2013. Der Großteil der ausländischen Direktinvestitionen entfällt auf den Informations- und Kommunikationssektor. Besonders auffällig ist dabei, dass ausländische IT-Konzerne immer mehr Filialen in Finnland gründen. Offensichtlich sollen auf diese Weise Kontakte zur erfolgreichen finnischen IT-Branche ausgebaut werden, um diese insbesondere in Segmenten, die stark auf neue Produktentwicklung ausgerichtet sind, besser bedienen zu können. Auch wenn Firmengründungen in Finnland – wie auch im übrigen Skandinavien – unkompliziert sind, stellt die Gründung eines Unternehmens für ausländische Unternehmer oftmals eine Herausforderung dar, da ihnen die Prozeduren und Anlaufstellen nicht geläufig sind. Abhilfe können hier Dienstleister schaffen, die Kontakte zu Anwälten, Banken etc. vermitteln. Einschlägige Regelungen sind oftmals neben finnischer bzw. schwedischer Sprache auch in Englisch zu erlangen.

Anlaufstellen für den Markteinstieg

Die Vertriebskanäle in Finnland unterscheiden sich nicht besonders von denen in Deutschland. Produkte können entweder durch Vertreter, Lieferanten, Großhändler oder durch direkten Verkauf an den Einzelhandel vertrieben werden. Als erste Anlaufstelle für branchenspezifische Fragen bieten sich die finnischen Fachverbände an. Die größeren Importeure, Großhändler und Handelshäuser sind im Finnischen Handelsverband (www.kauppa.fi) zentral organisiert. Dieser Handelsverband (fin. kaupan keskusliitto, kurz KKL) umfasst insbesondere die Bereiche Elektronik und Elektrokomponenten, pharmazeutische und medizinische Produkte sowie Maschinen, Rohstoffe und Chemikalien ab. Handelsvertreter sind im Bund der Finnischen Handelsvertreter (www.agenttiliitto.fi) organisiert, der sich aus knapp 80 Verbänden für verschiedene Produkte – insbesondere Textilien und Bekleidung, Rohstoffe sowie Einrichtungsgegenstände – zusammensetzt.

Auf Messen können interessierte ausländische Besucher durch persönliche Gespräche Absatzmarktforschung betreiben und Geschäftskontakte knüpfen. Die finnische Messegesellschaft (Suomen Messut Osuuskunta – The Finnish Fair Foundation, www.finnexpo.fi) in Helsinki ist der größte Messeveranstalter in Finnland. Weitere Messen finden sich in Jyväskylä (www.jklfairs.fi), Tampere (www.tampereenmessut.fi) und Turku (www.turunmessukeskus.fi). Informationen in deutscher Sprache sind auf der Internetpräsenz des Ausstellungs- und Messeausschusses der Deutschen Wirtschaft abrufbar (www.auma.de).

Businesskultur und Verhandeln in Skandinavien

Die geschäftliche Kommunikation zwischen Nordeuropäern und Deutschen verläuft in der Regel ohne größere Schwierigkeiten. Wenn beide Seiten über Erfahrungen im internationalen Geschäftsverkehr verfügen, dürften kaum Probleme auftreten. Gleichwohl gibt es Unterschiede, die beachtet werden sollten. Insbesondere Geschäftspartnern, die über wenig internationale Kontakte verfügen, sollte der deutsche Partner nicht verübeln, wenn diese mit den in Deutschland üblichen Gepflogenheiten weniger vertraut sind. Generell macht es Eindruck, wenn der deutsche Gesprächspartner etwas Wissen über die Geschichte und Kultur des jeweiligen Landes mitbringt und dieses während der Gespräche mit seinen nordeuropäischen Partnern auch durchaus einfließen lässt.

Es ist relativ einfach, einen Termin mit skandinavischen Führungskräften zu bekommen, und die Treffen sind grundsätzlich effizient. Außerdem trifft vor allem das dänische Management in den meisten Fällen seine Entscheidungen schnell. Skandinavische Geschäftsleute machen oft einen direkten und ungezwungenen Eindruck, und die Kleiderordnung macht auf ausländische Geschäftsleute manchmal ebenfalls einen legeren Eindruck. Dänen kommen jedoch schnell zur Sache und sind generell redlich und auch zuverlässig. Bei geschäftlichen Treffen in Skandinavien wird erwartet, dass die Teilnehmer gut vorbereitet sind, und Fragen und Diskussionen sind sehr willkommen. Die Treffen sind immer vertraulich.

Es ist in Skandinavien nicht üblich, bei der Begrüßung den Namen des Gesprächspartners zu nennen; ein einfaches „Guten Tag“ ist genauso freundlich gemeint wie „Guten Tag, Herr Schmidt“. Es gibt auch in den skandinavischen Sprachen und im Finnischen eine Entsprechung zum deutschen „Sie“, doch wird diese Form der Anrede unter Geschäftspartnern kaum genutzt. Kaum etwas ist so verpönt wie aristokratisches oder gar hochnäsiges Gebaren, und soziale Unterschiede werden nicht überbewertet. Deutsche Geschäftsleute sollten folglich darauf vorbereitet sein, ohne vorherige Vereinbarung mit „Du“ angesprochen zu werden. Das „Du“ ist aber keineswegs mit dem Beginn einer persönlichen Freundschaft gleichzusetzen, sondern lediglich die aus Sicht des Nordeuropäers normale Anrede im Geschäftsleben. Benutzt der nordische Geschäftspartner in der persönlichen Anrede hingegen von Beginn an das „Sie“, so ist dieses zu erwidern.

Kommt es bei Verhandlungen mit finnischen Geschäftspartnern in Gesprächen zu längeren Pausen, besteht kein Grund, nervös zu werden und dieses gar als negatives Signal zu bewerten, denn Schweigen gilt als normaler Bestandteil der Kommunikation. Die finnische Form der Höflichkeit verlangt, sich nicht aufzudrängen oder einzumischen. Dadurch ist es nicht leicht, Bekanntschaften zu schließen, und manche Besucher legen gerade die finnische Zurückhaltung als Unhöflichkeit aus.

Die Fremdsprachenkenntnisse der Nordeuropäer sind zumeist hervorragend. Man beherrscht Englisch und häufig auch noch Deutsch. Es empfiehlt sich, sofern der nordische Gesprächspartner Deutsch sprechen möchte, dieses auch entsprechend zu würdigen und nicht etwa ins Englische zu wechseln.

In nordischen Geschäftsbriefen fehlt gewöhnlich eine förmliche Anrede wie z. B. „Sehr geehrte Damen und Herren“. Aus diesem Grund sollte man nicht überrascht sein, wenn diese auch in der Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern fehlt.

Zu beachten ist die Sommerpause im Norden, die von Juni bis Mitte August reicht. Innerhalb dieses Zeitraums geht es auch in der Wirtschaft ausgesprochen ruhig zu. Im Hauptferienmonat Juli sind in Unternehmen und Behörden praktisch keine Entscheider mehr anzutreffen. Erst ab Mitte August läuft das Wirtschaftsleben wieder normal.

Die hierarchischen Strukturen sind im Arbeitsleben der nordischen Länder sehr flach. Titel sind weniger wichtig, und das Arbeitsklima beruht mehr auf fruchtbarem Miteinander als auf Förmlichkeit. Man duzt sich und spricht alle mit dem Vornamen an. Die Person, nicht die Funktion steht im Vordergrund. Grundlegende Werte sind Ehrlichkeit, Vertrauen, Individualismus, Pünktlichkeit, Konsenssuche und Bescheidenheit.

Weitere Informationen hält der Beitrag " Skandinavien – Businesskultur und Verhandeln Finnland" der  Connecting Markets GmbH bereit - auf der Online-Anwendung "Export Plus".

Quelle: Online-Anwendung "Export Plus", Bundesanzeiger Verlag, Köln