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Land des Monats Mai: Estland

Land des Monats:Estland
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Estland ist der kleinste der drei baltischen Staaten – aber auch der wirtschaftlich wendigste. Die Folgen der weltweiten Krisenjahre 2008 und 2009 hat es am schnellsten überwunden. Dazu trugen Lohnsenkungen, hohe Konsumneigung der Bevölkerung, intensiver Handelsaustausch sowie ausländische Investitionen bei. Auch deutsche Unternehmen entdeckten die Vorteile der baltischen Länder, die seit 2004 zur EU gehören. 

Markantes Wirtschaftswachstum

Seit 2011 stieg die wirtschaftliche Wachstumskurve der baltischen Länder im EU-Vergleich überdurchschnittlich. Als erstes der drei baltischen Länder hat Estland die Voraussetzungen erfüllt, um den Euro einzuführen. Zu Beginn 2011 war es so weit. Die wirtschaftliche Dynamik nahm trotz Problemen in den benachbarten Auslandsmärkten Finnland und Russland zu. Ende 2015 ging die EU-Kommission davon aus, dass 2016 das BIP um 2,6 % zunimmt. Auch die 2009 noch hohe Arbeitslosenquote ist deutlich zurückgegangen. Sie lag 2015 bei knapp 6 % und damit unter dem EU-Durchschnitt. Nicht zuletzt deshalb nahm auch die private Konsumnachfrage zu. 

Lohnniveau und Arbeitsproduktivität

Das Lohnkostenniveau liegt aber immer noch weit unter dem EU-Durchschnitt. Nach Angaben des estnischen Statistikamtes lag 2014 der durchschnittliche Bruttomonatslohn bei rund 1.000 Euro, die Arbeitskosten pro Stunde betrugen etwa 9 Euro. Entscheidend im Vergleich zum Lohnkostenniveau ist jedoch die Arbeitsproduktivität nach Kaufkraftstandards. Nach einer Eurostat-Statistik ist diese in den Jahren 2012 bis 2015 mit knapp 72 (Bruttowertschöpfung in Preisen je Erwerbstätigen – EU27 = 100) in etwa gleich geblieben. Damit liegt sie ebenso wie in den anderen beiden baltischen Staaten unter dem EU-Durchschnitt. 

Infrastrukturmaßnahmen

Zum wirtschaftlichen Aufschwung nach 2009 trugen wie auch in den anderen baltischen Staaten die finanziellen Fördermittel aus den europäischen Fonds etwa dem für regionale Entwicklung bei. Unter anderem konnte damit die Verkehrsinfrastruktur verbessert werden. Die neue Förderperiode von 2014 bis 2020 ist finanziell ähnlich gut ausgestattet wie in der Periode zuvor. Profitieren von diesen Fördermitteln können auch in den Ländern ansässige kleine und mittelständische in- und ausländische Unternehmen, etwa durch Zuschüsse zur Entwicklung neuer Produkte oder Qualifizierung von Mitarbeitern.

Hervorragende Energiebilanz 

Bei der Energiebilanz schneidet Estland im EU-Vergleich bereits jetzt hervorragend ab. Nach Eurostat-Angaben musste das Land 2013 nur 11,9 % seiner Energie importieren und war damit das Land mit der geringsten Energieimportabhängigkeit in der EU. Zusammen mit verstärkter Nutzung alternativer Energiequellen, insbesondere Wind und Holz, soll diese Abhängigkeit künftig sogar noch verringert werden.

Die Energiekosten für Privatleute und Unternehmen, die vor Jahren im Vergleich zu Deutschland sehr günstig waren, steigen allerdings spürbar an. Dies bedeutet jedoch auch Geschäftschancen für deutsche Unternehmen, etwa im Bereich energetisches Bauen.

Tipp: Weitere Informationen zu Marktindikatoren, u. a. zu Branchenkennziffern, Arbeitszeiten, Produktpreisen und Entwicklung der Arbeitslosenzahlen, sind im Internetportal des nationalen statistischen Amtes unter www.stat.ee zu finden. Estnische Gesetze insbesondere im Wirtschaftsrecht können Sie im Internetportal der Germany Trade and Invest unter www.gtai.de nachlesen.

Deutsche Handelsposition verbessert

Bei den Lieferländern für Estland lag Deutschland 2011 nur an vierter Stelle. 2014 nahm Deutschland nach Finnland schon den zweiten Rang ein. Rund 40 % aller deutschen Lieferungen entfielen 2014 auf Maschinen, chemische Erzeugnisse sowie Kfz und -Teile. 

Bei den Abnehmerländern für estnische Produkte spielt Deutschland bisher dagegen keine so große Rolle. Zwar flossen 2011 rund 65 % des estnischen Warenexports in EU-Länder. Auf Deutschland entfiel aber nur ein Anteil am Gesamtexport von knapp 5 %. Damit landete Deutschland im Länderranking erst auf dem sechsten Platz. Das war 2014 nicht anders. Nach Deutschland wurden vor allem Elektronik, Nahrungsmittel und Rohstoffe wie etwa unbehandeltes Holz geliefert. So bleibt der Positivsaldo für Deutschland in der Handelsbilanz mit Estland weiterhin hoch. 

Hinweise für den Geschäftsaufbau

Wer in fremden Märkten agieren will, sollte vorher sein Wissen über diese vertiefen. Dies bedeutet vor allem, Informationen sammeln, sichten und für das eigene Vorhaben auswerten. Einen ersten Überblick bieten die Informationen der Germany Trade and Invest (www.gtai.de) und des Außenwirtschaftsportals ixpos (www.ixpos.de). 

Mit ersten Fragen können Sie sich an die für Sie zuständigen internationalen Abteilungen der Industrie- und Handelskammern oder Handwerkskammern wenden. Aber auch private Beratungsunternehmen geben gerne Tipps oder beantworten mit fundiertem Wissen Fragen. Detaillierte Informationen gibt es bei der deutschen AHK in Tallinn (siehe www.ahk-balt.org), die für alle drei baltischen Länder zuständig ist und in den jeweiligen Hauptstädten Tallinn, Riga und Vilnius Büros unterhält. Auch das Außenwirtschaftsportal Bayern bietet immer wieder interessante Informationen über die baltischen Länder (siehe www.auwi-bayern.de).

Aufschlussreiche Informationsquellen sind zudem die Webseiten der Wirtschaftsförderagenturen und entsprechenden Fachministerien des Landes. 

Informations- oder Sprechtage bzw. Unternehmerreisen und Kooperationsbörsen einzelner deutscher IHK ermöglichen es, bei Länderexperten näher nachzufragen. 

Wenn es bereits darum geht, Geschäftskontakte zu knüpfen, können Internet-Communities und Datenbanken nützlich sein. Seit 2012 hat das Portal www.ixpos.de eine Export-Community. Da können Sie sich, nachdem Sie sich angemeldet haben, mit Partnern vernetzen und austauschen. 

Als Firmennachschlagewerk zu empfehlen ist etwa www.eubusiness.com, das die Adressen in den einzelnen Ländern zudem noch regional unterteilt. 

Direkte persönliche Geschäftskontakte lassen sich ohne großen Kostenaufwand durch Teilnahme an Delegations- oder Unternehmerreisen einzelner Kammern oder Wirtschaftsministerien bzw. deren Fördergesellschaften knüpfen. Diese Reisen werden bis zu 50 % bezuschusst.

Besonders erfolgversprechend sind branchenbezogene Delegationsreisen. Zum Beispiel organisierten das Bayerische Wirtschaftsministerium und die Bayerische Gesellschaft für Internationale Wirtschaftsbeziehungen im April 2016 eine Delegationsreise für Unternehmer aus den Branchen Holz und Möbel, IKT-Dienstleistungen, Umwelt- und Energietechnik, Maschinenbau sowie Medizintechnik in die drei baltischen Staaten. 

Weitere wichtige Informationen liefert der Beitrag: "Estland: klein, aber stark" von Stephan Mühlbauer auf der Online-Anwendung "Export Plus".

Quelle: Online-Anwendung "Export Plus", Bundesanzeiger Verlag, Köln

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