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Was die Trump`sche Handelspolitik für Lateinamerika bedeutet

Donald Trump als Fragezeichen

Mit „America first“ lässt sich die neue Ausrichtung der US-amerikanischen Handelspolitik kurz und knapp beschreiben. Die Auswirkungen dieser Neuorientierung sind jedoch weitreichend. Stark betroffen davon ist beispielsweise Lateinamerika, dessen Märkte eng mit der US-Wirtschaft verbunden sind – die USA sind Handelspartner Nr. 1 der meisten Länder des Subkontinents. 

Noch Ende 2016 prognostizierte der Internationale Währungsfond für ganz Lateinamerika ein gesamtwirtschaftliches Wachstum von 1,6 % für das Jahr 2017. Nur wenige Monate nach Donald Trumps Amtsantritt wurde diese Prognose um 0,4 % nach unten korrigiert. Dies zeigt deutlich, wie die Analysten die Auswirkungen des neuen außenpolitischen Kurses der USA im Hinblick auf das Wirtschaftswachstum der lateinamerikanischen Staaten bewerten.

Beziehungen zwischen Deutschland und Mexiko

Auch für Deutschland als wichtiger Handelspartner Lateinamerikas ist diese Entwicklung spürbar. Daher laufen zwischen der EU und Mexiko seit vergangenem Jahr neue Verhandlungen über das zwischen den Ländern seit dem Jahr 2000 bestehende Freihandelsabkommen. Ziel ist es, notwendige Anpassungen und Erweiterungen vor dem Hintergrund des neuen Protektionismus seitens der USA vorzunehmen. Außerdem soll die Zusammenarbeit vertieft und mit der Überarbeitung des Abkommens ein deutliches Signal an die Trump-Regierung gesendet werden. Ein Ende der Verhandlungen steht noch nicht fest.

Deutschen Unternehmen bietet Mexiko interessante Geschäftsmöglichkeiten. Beispielsweise hat das Land im Dezember vergangenen Jahres die erste Vergaberunde für Tiefseeölbohrungen durchgeführt und acht von zehn Feldern erfolgreich ausgeschrieben. Weitere werden folgen. Die Ausweitung dieses Investitionsbereiches eröffnet spezialisierten Firmen im Ingenieurbereich, aber auch im Maschinen- und Anlagenbau viele Geschäftschancen. Außerdem ist für deutsche Unternehmen das neu erlassene Gesetz zur Bildung von Sonderwirtschaftszonen in den wirtschaftlich schwachen Bundesstaaten Michoacán, Guerrero, Veracruz, Oaxaca, Chiapas und Tabasco von Vorteil. Diese Zonen werden 2018 eröffnet und gestatten viele Steuererleichterungen. Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich über PPP(Public-Private-Partnership)-Projekte. 

NAFTA-Abkommen in Gefahr

Für Mexiko ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA ein großes Problem. Beispielsweise ist derzeit ungewiss, wie es mit dem NAFTA-Abkommen zwischen Kanada, den USA und Mexiko weitergeht. Scheitern die zunächst angedachten Neuverhandlungen des Abkommens, wäre die gesamte mexikanische Wirtschaft betroffen. 

Das NAFTA-Abkommen ist ein reines Freihandelsabkommen ohne gemeinsamen Außenzoll. Sollten die USA aus dem Abkommen aussteigen, würden die Zollsätze für Einfuhren von Mexiko in die USA nach dem Meistbegünstigtenprinzip der Welthandelsorganisation WTO bei durchschnittlich 2 % liegen. Das erscheint nicht viel, hat aber für die mexikanische Wirtschaft und ihre Attraktivität für ausländische Investoren große Einbußen zur Folge. Andererseits machen die NAFTA-Staaten Kanada und Mexiko 30 % des amerikanischen Handels aus und empfangen 35 % der amerikanischen Exporte. Sollte Trump die Einfuhren aus Mexiko tatsächlich mit einer Steuer belegen, schadet er dann nicht in erster Linie seinen eigenen Landsleuten? 

Trump schadet seinen eigenen Landsleuten  

Im US-amerikanischen Wahlkampf hielten noch viele die Ankündigung eines Mauerbaus zwischen den USA und Mexiko, um die Einwanderung weiterer mexikanischer Arbeitskräfte zum Schutz der US-Wirtschaft zu verhindern, für reine Wahlkampfrhetorik. Als nach seinem Amtsantritt Trump unmittelbar mit der Umsetzung seines Plans begann, waren die Mexikaner – wen wundert es – jedoch nicht dazu bereit, die Kosten für dieses gewaltige Bauwerk zu übernehmen. Das Projekt ruht nun bis auf Weiteres.

Aber entspricht es nicht auch einem zu einfachen Weltbild, zu behaupten, dass die mexikanischen Immigranten den Amerikanern die Jobs wegnähmen und die Löhne drückten? Tatsächlich gibt es für Lohndumping und Verdrängung keine stichhaltigen Belege. Einwanderer – legale oder illegale – verrichten in den USA meist Jobs, die die Amerikaner nicht ausüben wollen.

Auch der von Trump angekündigte Importzoll auf mexikanische Güter würde vor allem den US-Amerikanern selbst schaden: Denn an vielen mexikanischen Firmen, die in die USA exportieren, sind amerikanische Unternehmen beteiligt. Aufgrund der niedrigeren Lohnkosten haben sich auch zahlreiche US-amerikanische Unternehmen in Mexiko angesiedelt und lassen dort Produkte vorfertigen, um sie in die USA zu reimportieren und weiterzuverarbeiten. Genau gegen solche Betriebe möchte Präsident Trump vorgehen, da diese Arbeitsplätze in den USA wegnähmen. Diese Arbeitsplätze würden dann künftig in den Mexiko zwar wegfallen. Sie würden aber auf der anderen Seite auch zu einer Verteuerung dieser Produkte auf dem US-Markt führen. 

Mexiko ist für die USA der zweitwichtigste Exportmarkt und kauft den Amerikanern mehr Waren ab als Japan, Deutschland, Südkorea und Großbritannien zusammen. Tatsächlich wird mit dem südlichen Nachbarn etwa fünfmal so viel Handel betrieben wie mit Trumps neuem Favoriten Großbritannien.

Die NAFTA-Staaten Kanada und Mexiko machen 30 % des amerikanischen Handels aus und empfangen 35 % der amerikanischen Exporte. Sollte Trump die Einfuhren aus Mexiko tatsächlich mit einer Steuer belegen, schadet er in erster Linie seinen eigenen Landsleuten. Denn diese müssten für Waren „Made in Mexico“ mehr bezahlen.

Weitere Informationen über die Folgen der US-Handelspolitik für Lateinamerika erhalten Sie in dem Beitrag: „,America first‘ – Auswirkungen der amerikanischen Handelspolitik auf einen ganzen Kontinent. Teil 1 – Mittel- und Zentralamerika“ von Rechtsanwältin Wencke Kuhs, in: „AW-Prax (Außenwirtschaftliche Praxis)“, Ausgabe August 2017.

Quelle: Zeitschrift "AW-Prax (Außenwirtschaftliche Praxis)", Bundesanzeiger Verlag, Köln

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