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Forderungssicherung und Finanzierung durch den Wechsel

Scheck und Wechsel sind bewährte Zahlungsverkehrsinstrumente, die im internationalen Geschäftsverkehr noch immer als Mittel des Zahlungsverkehrs und der Forderungssicherung eingesetzt werden – und sind daher in der Praxis von Im- und Export bislang immer noch häufig Bestandteil der „Dokumente“, die das Warengeschäft begleiten.

Der im Auslandsgeschäft beliebte Wechsel ist in Deutschland fast ausgestorben, obwohl er Ihnen im Inlandsgeschäft eine hervorragende Möglichkeit zum Forderungsmanagement bieten kann. Beispielsweise bei Lieferung gegen offene Rechnung: Bleibt die Zahlung Ihres Kunden aus, können Sie ihn nur mahnen und müssen Ihre Forderungen einklagen, wenn Ihre Mahnungen erfolglos bleiben. Damit geht allerdings ein Prozessrisiko einher, vor allem im Ausland. Hinzu kommt die lange Wartezeit auf den Zahlungseingang, die zu einer hohen Kostenbelastung und somit zu Liquiditätsproblemen führen kann. 

Zahlungsengpässe durch Wechsel vermeiden

Mit dem Wechsel lassen sich solche geschäftsschädigenden Engpässe vermeiden. Verschicken Sie bei Liefergeschäften – gemeinsam mit der Rechnung – einen Wechsel an Ihren Kunden, am besten über das Dokumenteninkasso der Hausbank, wird innerhalb weniger Tage beim Käufer (besser noch bei dessen Bank) ein Akzept eingeholt. Der akzeptierte Wechsel stellt sicher, dass Sie den offenen Rechnungsbetrag exakt zur Fälligkeit der Forderung erhalten. Dieses Verfahren ist besonders im EU-weiten Geschäft sehr gut geeignet. Denn: Wird bei Wechselvorlage nicht bezahlt und geht der Wechsel deshalb zu Protest, entsteht durch die Protestklausel (z.B. eines beurkundenden Notars) eine „öffentliche Urkunde“. Eine „öffentliche Urkunde“ über eine „unstreitige Forderung“ wiederum ist in Deutschland im beschleunigten Urkundsprozess sowie EU-weit bei Vorliegen bestimmter formaler Voraussetzungen schnell und einfach zu vollstrecken. 

Wartezeiten vermeiden, Kosten reduzieren, Liquidität erhöhen

Der Wechsel ist damit ein herausragendes Druckmittel, um den säumigen Geschäftspartner – so oder so – zu

schnellerer Zahlung zu bewegen. Er ist zugleich ein Instrument, das lange Wartezeiten auf Bezahlung vermeidet, Kosten reduziert und die Liquidität erhöht. Und das heimische Kreditinstitut des Forderungsinhabers kann mit Hilfe der Dienstleistung „Dokumenteninkassos“, einem Instrument des klassischen Auslandsgeschäfts, dem Unternehmenskunden gegenüber wertvolle Unterstützung leisten, diese Leistung bei Bedarf und vorhandener Eignung eventuell zugleich auch mit einer (Vor-)Finanzierung verbinden und bei entsprechendem Erfordernis die Währungsrisiken durch ein Kurssicherungsgeschäft des Devisenhandels absichern.

Daher ist im internationalen Geschäft der Einsatz von Scheck und Wechsel sehr beliebt. In den USA, aber auch in wichtigen EU-Staaten wie z.B. Frankreich und Italien gehört der Einsatz von Wechseln und Schecks zur alltäglichen Geschäftspraxis und sind dort eine allgegenwärtige Variante im normalen Zahlungsverkehr – während „Überweisungen“ nur selten vorkommen. Deutsche Unternehmen sollten sich daher wieder für die altbewährten Zahlungsinstrumente erwärmen und sie häufiger als Mittel des Zahlungsverkehrs einsetzen. 

Zwingende Vereinbarung in der Zahlungsbedingung

Wechsel (und auch Schecks, die weltweit meist identisch wie Wechsel behandelt werden und nur den Unterschied aufweisen, stets auf eine Bank gezogen zu sein) sind hier zu erörtern, weil bereits  vor beziehungsweise zu Beginn des Geschäftsabschlusses zwischen den Geschäftspartnern klargestellt sein muss, ob Wechsel und/oder Schecks in der Abwicklung eines abgeschlossenen Geschäfts überhaupt eingesetzt werden dürfen.

Daher gehört dieses Thema zur Verabredung der „Zahlungsbedingung“ bei Vertragsabschluss. So ist mit dem vereinbarten  Einsatz von Wechseln oder Schecks ein „Dokument“ im Geschäftsverkehr der Geschäftspartner benannt. Der Wechsel spielt auch eine Rolle in der Abwicklung des Zahlungsverkehrs und kann als  Grundlage für einige Formen der kurzfristigen Außenhandels finanzierung (z.B. Diskontkredit, Akzeptkredit, Rembourskredit) dienen. Er ist auch ein wesentlicher  Grundbestandteil für den Verkauf von Exportforderungen, wenn beispielsweise eine Forfaitierung eingesetzt werden soll – ohne Wechsel ist im Regelfall eine Forfaitierung nämlich gar nicht möglich (sofern nicht der in der Praxis durchaus seltene Fall vorliegt, dass stattdessen eine Akkreditivforderung oder eine durch Aval unterlegte Forderung verkauft werden soll). Schließlich kann er dazu beitragen, bei Säumnis des Schuldners für eine beschleunigte Forderungsdurchsetzung (auch im Ausland) – zu sorgen. Alles in allem ist der Wechsel also ein sehr attraktives Dokument, das im Unternehmensgeschäft so oft wie möglich eingesetzt werden sollte.

Weitere Informationen über die Funktionen und den Einsatz dieser Zahlungsinstrumente enthält der Beitrag: „Einsatz des Wechsels im Export. Zahlungsverkehrsinstrument zur Forderungssicherung und Finanzierung“ von Prof. Dr. Christoph Graf von Bernstorff, in: „AW-Prax (Außenwirtschaftliche Praxis)", Ausgabe Oktober 2016.

Lesen Sie auch: "Ersetzt die „BPO“ das Dokumentenakkreditiv?"

Quelle: Zeitschrift „AW-Prax (Außenwirtschaftliche Praxis)", Bundesanzeiger Verlag, Köln