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Doppelfunktion von Akkreditiven: „Zahlungssicherung“ und „Finanzierungsinstrument“

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Das Akkreditiv ist ein probates Mittel, um Außenhandelsgeschäfte zwischenzufinanzieren.

Das „Dokumentenakkreditiv “ ist als Zahlungsinstrument im grenzüberschreitenden Warenverkehr weltweit beliebt. Und es kann noch mehr – zum Beispiel als Grundlage für eine Finanzierung dienen.

In einem solchen Fall wird es übertragen. Art. 38 ERA („ICC Einheitliche Richtlinien und Gebräuche für Dokumentenakkreditive (...))“ definieren ein übertragbares Akkreditiv als ein Instrument, „das im Auftrag des Begünstigten (Erstbegünstigter) ganz oder teilweise für einen anderen Begünstigten (Zweitbegünstigter) benutzbar gestellt werden“ kann. Ein übertragbares Akkreditiv kann nur einmal und nur dann übertragen werden, wenn es von der eröffnenden Bank ausdrücklich als „übertragbar“ bezeichnet worden ist (Art. 38b ERA).

Wenn Sie beispielsweise als Exporthändler tätig sind, das heißt, keine Waren herstellen, sondern nur über Produzenten bzw. Lieferanten beziehen, um Ihre eigenen Kunden beliefern zu können, ist dieses Akkreditiv ein probates Mittel, um Ihr Außenhandelsgeschäft zwischenzufinanzieren. Sie können das unwiderruflich übertragbare Akkreditiv in Höhe des Einkaufspreises der Ware auf den Lieferanten übertragen lassen und damit dessen Kaufpreisforderung sicherstellen. 

Beispiel: Die Ware kommt aus dem Ausland und gelangt über Sie als Zwischenhändler schließlich zu Ihrem Abnehmer. Die Akkreditive jedoch werden vom endgültigen Empfänger, also von Ihrem Kunden aus beginnend, rückwärts bis zum ersten Absender der Ware gestellt. Für das übertragbare Akkreditiv bedeutet dies, dass Ihr Kunde zu Ihren Gunsten ein Akkreditiv zu stellen hat. Damit Sie die angeforderte Ware liefern können, bitten Sie Ihren Lieferanten im In- oder Ausland um Warenlieferung. In Höhe des (niedrigeren) Einkaufspreises der Ware überträgt dann Ihre Bank das übertragbare Akkreditiv auf den Lieferanten.

Zwar darf das Akkreditiv nur zu den Bedingungen des Originalakkreditivs übertragen werden. Dennoch sind einige Änderungen erlaubt, damit Ihr Abnehmer keine Kenntnis von Ihrem Lieferanten erhält. Deshalb darf 

  • der Name des Begünstigten an die Stelle des Akkreditivstellers gesetzt werden (Art. 38g ERA),
  • das Akkreditiv am Platz des Zweitbegünstigten bis zum letzten Tag der Gültigkeitsdauer zahlbar gestellt werden (Art. 38i ERA),
  • er Einzel- und Gesamtpreis der Ware ermäßigt werden (Art. 38g ERA) und
  • die Gültigkeitsdauer des Akkreditivs sowie die Verladungsfrist für die Ware verkürzt werden (Art. 38g ERA).

Dem Erstbegünstigten ist es außerdem gestattet, seine eigenen Rechnungen an die Stelle derjenigen des Zweitbegünstigten zu setzen, und zwar mit Beträgen, welche den im Akkreditiv angegebenen Originalbetrag nicht übersteigen (Art. 38h ERA). Durch den Austausch der Rechnungen kann die als Zahlstelle tätige Bank dem Exporthändler den Unterschiedsbetrag der Rechnungen auszahlen und ihm dadurch den Gewinn der Geschäfte zur Verfügung stellen. 

Einsatz des Gegenakkreditivs

Ist eine Akkreditivübertragung nicht möglich, will sich ein Zwischenhändler (Import- oder Exporthändler) aber mit Hilfe eines zu seinen Gunsten eröffneten Akkreditivs Kredit bei seiner Bank beschaffen, dann kommt ein Gegenakkreditiv in Betracht.

Technisch gesehen geschieht bei einem Gegenakkreditiv nichts anderes, als dass ein Zwischenhändler (z. B. ein Exporthändler) bei einem Lieferanten einkauft und zu dessen Gunsten durch seine Bank ein Akkreditiv eröffnen lässt. Der Zwischenhändler verkauft die Ware weiter an seinen Abnehmer, der seinerseits zur Sicherung der Kaufpreisforderung des Zwischenhändlers ein Dokumentenakkreditiv eröffnen lässt. Dieses zweite Akkreditiv wird als „Gegenakkreditiv“ (back-to-back credit) bezeichnet. 

Der Ablauf ist dabei folgender:

Exportseite

  • Ein inländischer Exporteur bezieht Ware im Inland (Bezahlung auf der Grundlage eines von ihm zu stellenden Akkreditivs = Inlandsakkreditiv) und exportiert diese Ware dann ins Ausland (bezahlt wird auf der Grundlage eines zu seinen Gunsten vom Ausländer zu eröffnenden Akkreditivs = Gegenakkreditiv).
  • Die Bank des Exporthändlers wird um Unterstützung gebeten (Eröffnung des Inlandsakkreditivs zugunsten des inländischen Lieferanten).
  • Das Gegenakkreditiv soll als Sicherheit für diese Art der Kreditgewährung durch die Bank dienen. Das Gegenakkreditiv kann als Sicherheit angesehen werden, wenn
  • es unwiderruflich ist;
  • die Laufzeit des Gegenakkreditivs länger ist als die des Inlandsakkreditivs;
  • die Dokumente übereinstimmen
  • und der Exporthändler Blankorechnungen beifügt.

Importseite

Ein inländischer Importeur 

  • bezieht Ware im Ausland (Auslandsakkreditiv),
  • die er im Inland weiterveräußert.
  • Die Bank wird um Unterstützung gebeten und eröffnet ein Akkreditiv zugunsten
  • des ausländischen Lieferanten.
  • Das im Inland eröffnete Gegenakkreditiv dient dafür als Sicherheit.

Anders als beim übertragbaren Akkreditiv liegen beim Gegenakkreditiv zwei rechtlich selbstständige Dokumentenakkreditive vor. Unter dem ersten, zugunsten des Lieferanten eröffneten Akkreditiv ist der Zwischenhändler der Auftrag gebende Warenkäufer und seine Bank die Akkreditiv eröffnende Stelle. Unter dem zweiten, vom Endabnehmer zugunsten des Zwischenhändlers zu eröffnenden Akkreditiv ist der Zwischenhändler der Akkreditivbegünstigte und seine Bank Avisbank (und gegebenenfalls auch Zahlstelle).

Für die Bank des Zwischenhändlers hat das Gegenakkreditiv ganz besondere Bedeutung. Benötigt nämlich der Zwischenhändler von seinem Kreditinstitut einen Kredit für den Einkauf derjenigen Ware, für die er seinerseits bereits wieder einen Käufer gefunden hat, so kann er seiner Bank das zu seinen Gunsten gestellte Gegenakkreditiv als Kreditsicherheit für das in seinem Auftrage zugunsten  seines Lieferanten zu eröffnende Akkreditivanbieten.

Wie Sie das Gegenakkreditiv zur Sicherheit Ihres Kredits einsetzen können und welche weiteren Formen von Akkreditiven für Ihre Finanzierungen einsetzbar sind, erfahren Sie in dem Beitrag: „Dokumentenakkreditive als Grundlage für die Außenhandelsfinanzierung“ von Prof. Dr. Christoph Graf von Bernstorff, in: „AW-Prax (Außenwirtschaftliche Praxis)“, Ausgabe Oktober.

Quelle:  „AW-Prax (Außenwirtschaftliche Praxis)“, Reguvis-Bundesanzeiger Verlag, Köln

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