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Bestellerkredit

Bestellerkredit

Bei der Finanzierungsform des Bestellerkredits wird der Lieferant bei der Frage nach der Finanzierung der Transaktion mit eingebunden.  Der Lieferant wird aber dabei aber nur mäßig ins Risiko genommen. Dennoch gibt es im Spannungsfeld zwischen Bank, Kunde und meist auch Kreditversicherer eine  Vielzahl von Aspekten zu beachten. Ferner werden der Ablauf und die Zusammenhänge schnell komplex, wenn man tiefer in die Materie einsteigt.

Bestellerkredit versus Lieferantenkredit

der Bestellerkredit stellt die wichtigste Alternative zum Lieferantenkredit im Bereich der Exportfinanzierung dar. Insbesondere im Bereich der deutschen staatlichen Kreditversicherung wird synonym auch vom Finanzkredit gesprochen. Allerdings gilt das Wort „Alternative“ nur bedingt. Faktisch werden die beiden Finanzierungsformen eher komplementär eingesetzt. Auf Grund des erheblichen Dokumentationsaufwands für einen Bestellerkreditvertrag ist dieser für kleine Kreditvolumen oft gar nicht erhältlich. Lieferantenkredite werden somit im Vergleich zum Bestellerkredit vor allem dort eingesetzt, wo insbesondere das geringe Projektvolumen eine Bestellerkreditfinanzierung nicht zulässt (bzw. sich weitere Alternativen wie z. B. Leasing nicht ergeben) oder aber eine zeitlich schnellere Lösung im Vordergrund steht.

Faktisch gemeint ist dann der gebundene („gebundene“ charakterisiert hier solche Finanzierungen, die direkt mit der Finanzierung einer bestimmten Lieferung/Leistung gekoppelt sind) Finanzkredit, der aber sowohl die Kreditvergabe einer Bank an ein Unternehmen als auch die Kreditvergabe an eine Bank (dann als „Bank-zu-Bank-Kredit“ bezeichnet) beinhaltet. Identisch sind nur der gebundene Finanzkredit und der Bestellerkredit, wobei die früher scharfe Abtrennung des Bank-zu-Bank-Kredits vom Bestellerkredit häufig unterbleibt (also früher: gebundene Finanzkredite sind entweder Bestellerkredite oder Bank-zu-Bank-Kredite), so dass heute häufig mit Bestellerkredit auch der Bank-zu-Bank-Kredit gemeint ist. Der Bank-zu-Bank-Kredit ist insofern auch Gegenstand dieser Abhandlung. Ein wesentliches Merkmal des Bestellerkredits – gleich wie definiert – ist in jedem Fall, dass dieser unmittelbar nur für die Finanzierung eines (ggf. auch mehrerer) ganz konkreten Liefervertrags verwendet werden darf. Meist findet auch die Auszahlung direkt an den Lieferanten statt.

Ebenfalls sehr häufig geht mit dem Bestellerkredit eine Absicherung des Risikos der Störung der Tilgungs- und Zinszahlung über einen Kreditversicherer (meist die staatliche Kreditversicherung, selten auch über private Anbieter) einher. Eine solche, von einer staatlichen Hermesdeckung abgesicherte Bestellerkreditvergabe direkt an den ausländischen Besteller mit direkter Auszahlung an den Lieferanten darf mittlerweile sicher als Archetyp bezeichnet werden. In früheren Zeiten waren hingegen Bestellerkredite vorherrschend, bei denen zusätzlich auch noch ein ausländisches Institut als Garant oder gar selbst als Kreditnehmer und -intermediär auftrat

Bausteine der Bestellerkreditfinanzierungen   

Bei allen Bestellerkreditfinanzierungen gibt es den Exporteur, den Importeur und die kreditgewährende Bank. Meist kommt auch die staatliche Kreditversicherung (Hermes), seltener eine private Kreditversicherung hinzu. Auslandsbanken kommen ins Spiel als Garant oder auch Kreditnehmer (gegenüber dem Bestellerkreditgeber) und Kreditgeber (gegenüber dem Importeur). Ferner werden Bestellerkredite von Fall zu Fall auch über ein von einer Auslandsbank eröffnetes Akkreditiv ausgezahlt (Rembours des Akkreditivs auf den Bestellerkredit).

Die Vereinbarungen

Liefervertrag
Die Finanzierung aus dem Bestellerkredit sollte bereits im Liefervertrag festgehalten sein wie auch die direkte Inanspruchnahme durch bzw. direkte Auszahlung an den Exporteur. Andernfalls ist die Vereinbarung geschäftsüblicher Zahlungsbedingungen und im Falle von Delkredererisiken Zahlungssicherheiten bzw. nötigenfalls Einleitung von Sicherungsmaßnahmen unerlässlich. Außerdem empfiehlt es sich, das Vertragsinkrafttreten zwar möglichst unmittelbar mit der Vertragsunterzeichnung zu verknüpfen, das Anlaufen der Liefer-/Leistungsfristen aber von der Auszahlungsbereitschaft des Bestellerkredits abhängig zu machen.

Tipp
Wichtig, da von Bankenseite nicht gern gesehen und daher oft zunächst als nicht zulässig abgelehnt, ist das Wissen, dass auch die Ziehung von Zwischenzahlungen bzw. von Versandbereitschaftsraten unter einem hermesgedeckten Bestellerkredit durchaus zulässig sein kann. Dies gilt, sofern die Zahlungen nicht dem Kostenanfall beim Importeur vorauseilen und der Importeur dies so nochmals (im Liefervertrag hätte er das ja dann ohnehin getan) bestätigt.

Bestellerkredit und begleitende Finanzierung

Für den Lieferanten ist in den Bedingungen des Bestellerkreditvertrags insbesondere die Regelung der Auszahlungsbedingungen relevant . Wichtig ist aber auch die Kenntnis der Auszahlungsbereitschaftsvoraussetzungen ( conditions precedent for disbursement), zu denen der Exporteur oft selbst beitragen muss (z. B. in Form von Bestätigungen über den Anzahlungserhalt). Wichtiger ist aber bei den Auszahlungsbereitschaftsvoraussetzungen, dass der Kunde auf Grund der häufig engeren Beziehung zum Lieferanten oft von dieser Seite zusätzlich angespornt werden muss, um diese Auszahlungsvoraussetzungen (z. B. Rechtsgutachten, Sicherheiteneinträge, Unterschriftsvollmachten) beizubringen.
Immer wieder kommt es auch vor, dass ein Kunde nicht nur die unter staatlicher Hermesdeckung maximal darstellbaren 85 % des Vertragspreises finanziert haben möchte. Hier kann es dann dazu kommen, dass auch die Anzahlung (bzw. Zwischenzahlung) auf ungedeckter Basis finanziert wird. Ein anderer Fall ist es, wenn die Auslandsanteile die bei Hermes zulässigen Grenzen überschreiten. Auch hier kann es zu einer begleitenden ungedeckten Finanzierung kommen.

Ebenso tritt der Fall auf, dass ein Importeur mit den bei Finanzierungen unter Hermesdeckung und damit unter dem OECD-Konsensus (vgl. Glossar) geltenden Minimalregeln für die Gestaltung der Tilgung nicht zurechtkommt (maximal halbjährliche Tilgungsraten, keine tilgungsfreie Zeit). In diesem Fall können beispielsweise eine oder mehrere Zins- und Tilgungsraten unter dem hermesgedeckten Kredit ungedeckt finanziert werden (sog. bridge finance).

Das „Deckungskonstrukt“
Mit Deckungskonstrukt ist die Versicherung insbesondere von Delkredererisiken gemeint. Im Falle einer staatlichen „Hermesdeckung“ zieht dies ferner eine Exporteurgarantie (Akzeptanz Exporteur gegenüber der kreditgebenden Bank zu Informationspflichten und Verpflichtung, für bestimmte Kosten und vor allem Schäden bei Obliegenheitsverletzungen insbesondere gegenüber Hermes einzustehen) und eine Verpflichtungserklärung (Verpflichtung des Exporteurs gegenüber Hermes zu Informations- und Weisungsbefolgungspflichten und eventueller Freistellung des Bundes von Entschädigungspflichten bei Pflichtverletzung auch nach Auszahlung des Bestellerkredits) nach sich.

Bei Konstrukten, die auf einer staatlichen Hermesdeckung basieren, ist es Standard, dass Exporteur und die bestellerkreditgebende Bank gemeinsam bei Hermes Deckung beantragen. Hierbei stellt der Exporteur Antrag auf Ausfuhrdeckung und die Bank Antrag auf Finanzkreditdeckung.

Dabei kann es durchaus auch vorkommen, dass der Exporteur zunächst alleine Antrag auf Deckung eines Lieferantenkredits stellt, wohl wissend, dass letztlich gar kein Lieferantenkredit vereinbart werden soll. Grund ist hier, dass Banken erst sehr spät bereit sind, die Hermes-Antragstellung zu veranlassen. Für den Importeur und den Exporteur ist es aber oft wichtig, deutlich früher zu erfahren, ob eine Hermesdeckung überhaupt erzielt werden kann. Der Exporteur wird sich dann im Rahmen des Antrags auf Lieferantenkreditdeckung die Aussage einholen, ob die wirtschaftlichen Verhältnisse beim Zahlungsverpflichteten nebst eventuellen Garanten oder gar das Konstrukt selbst eine Deckung zulassen, und sich die spätere Ablösung des Lieferantenkredits durch einen Bestellerkredit vorbehalten.

Teilweise kommt es auch zu einer isolierten Finanzkreditdeckung seitens Hermes. Wichtig für den Exporteur ist in diesem Zusammenhang, dass sein Zahlungsausfallrisiko in diesem Fall geschäftsüblich gesichert werden sollte (z. B. durch Akkreditiv). Schließlich kann eine Bank jederzeit – also theoretisch auch nach Lieferung und vor Ziehung aus einem Bestellerkredit – von ihrem autonomen Kündigungsrecht Gebrauch machen.

Zahlungsgarantie(n)

Bei ungenügender, aber auch bei nicht ausreichend dokumentierbarer Bonität (wenn Bilanzen nicht testiert werden können, Vermögensgegenstände in- und außerhalb des Unternehmens nur durch den Garanten gewürdigt werden können etc.) des Importeurs werden regelmäßig Zahlungsgarantien zugunsten der bestellerkreditgebenden Bank vereinbart, in denen sich der Garant unwiderruflich verpflichtet, bei ausbleibenden Zins- und Tilgungsleistungen auf erstes Anfordern des Garantiebegünstigen Zahlung zu leisten. Als Garant treten regelmäßig verbundene Unternehmen, Banken und bei Unternehmen, die dem öffentlichen Sektor zugeordnet werden können, auch immer wieder der Staat (Finanzministerium) auf.

Weitere Informationen liefert der Beitrag: "Bestellerkredit" von Alexander Fausel, in: Export Plus, CD-ROM.

Quelle: Export Plus (CD-ROM), Praxisinformationen für Export- und Zollverantwortliche, Bundesanzeiger Verlag, Köln

 

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