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05.09.2019

Nigeria: Handelsbeziehungen zu Deutschland und Europa

Von: C. Isken/Redaktion

Giraffen in Africa

Mit einem bisherigen Anteil in der Vergangenheit von rund einem Drittel am gesamten nigerianischen Außenhandelsvolumen ist die EU als Region der wichtigste Handelspartner Nigerias. Gegenwärtig werden die wirtschaftlichen Beziehungen allerdings überschattet.

Nigeria ist seit der Unabhängigkeit 1960 in seinen Außenbeziehungen auf Afrika konzentriert und war auch eines der Gründungsmitglieder der damaligen Organisation of African Unity (OAU) und jetzigen Afrikanischen Union (AU). Als Regionalmacht unterstützte Nigeria die Errichtung der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS (Economic Community of West African States), den Zusammenschluss von 16 westafrikanischen Ländern mit dem Ziel der Harmonisierung von Handels- und Investitionsbedingungen auf dem Weg zu einer Zollunion. Im Rahmen der ECOWAS spielte Nigeria mehrfach eine zentrale Rolle bei den Bemühungen zur Beendung des Bürgerkriegs in Liberia und der Entsendung von ECOWAS-Friedenstruppen in das Land. Im Lauf der Zeit engagierte sich Nigeria immer wieder für die politische und militärische Unterstützung von afrikanischen Befreiungsbewegungen auf dem ganzen Kontinent, so etwa in den Ländern des südlichen Afrika beim Kampf um die Abschaffung der Apartheid und weißen Vorherrschaft (Südafrika, Namibia, Simbabwe, Mosambik). Nigeria hat sich damit einen erheblichen politischen Einfluss in Westafrika sowie auf dem gesamten Kontinent geschaffen. Über Afrika hinaus ist das Land Mitglied des Commonwealth of Nations sowie der Vereinten Nationen und ihrer zahlreichen Unterorganisationen.

Handelsprobleme mit der EU

Durch den Stillstand in den seit Jahren laufenden Verhandlungen über die Wirtschaftspartnerabkommen (Economic Partnership Agreement/EPA) mit der EU, die weltweit die früheren Handelsvereinbarungen zwischen EU und sogenannten AKP-Ländern (Afrika-Karibik-Pazifik) ersetzen sollen, sind die wirtschaftlichen Beziehungen Nigerias zur EU angespannt. Die Verhandlungen werden auf regionaler Basis zwischen ECOWAS und EU geführt, wobei mit einigen der afrikanischen Mitgliedstaaten bereits Interimsabkommen auf Basis der EPA in Kraft gesetzt wurden. Es geht bei den neuen Abkommen um die Gegenseitigkeit bei Zugangserleichterungen zu den Märkten, mit Gewährung von Zollfreiheit auch für EU-Waren im Gegenzug zu den Zollbefreiungen für afrikanische Waren auf EU-Märkten. Gegen diese Vereinbarungen wehrt sich Nigeria mit dem Verweis auf Gefahren für die eigene Industrialisierung, wenn die Märkte geöffnet und die eigene Industrie der stärkeren Importkonkurrenz ausgesetzt seien. Nigeria betreibt schon seit vielen Jahren eine Politik der teilweisen Abschottung und gibt eine jährliche Importverbotsliste für zahlreiche Warengruppen heraus.

Handel mit Deutschland

Für Deutschland ist Nigeria der größte Absatzmarkt in Subsahara-Afrika, obwohl die deutschen Lieferungen infolge der Wirtschaftskrise in Nigeria teilweise rückläufig waren bzw. 2018 stagnierten. Die bilaterale Handelsbilanz zeigt traditionell einen erheblichen Überschuss Nigerias auf, hauptsächlich aufgrund der hohen Rohöllieferungen, die regelmäßig über 80 % der nigerianischen Exporte nach Deutschland ausmachen. Die deutschen Ausfuhren bestehen vor allem aus Maschinen und Transportausrüstungen, Chemieprodukten und Nahrungsmitteln.

Ausländische Direktinvestitionen

Nigeria gehört zu den Ländern Afrikas, die traditionell die meisten ausländischen Investitionszuflüsse (Foreign Direct Investment/FDI) anziehen. Nach der jährlichen Erfassung der UNCTAD (United Nations Commission for Trade and Development) stand Nigeria 2018 an dritter Stelle nach Ägypten und Äthiopien. Die Sektoren mit den meisten FDI-Zuflüssen sind vor allem die Erdölwirtschaft, Energie- und Bauwirtschaft. Nach Erfassung von 2017 betrug der gesamte Investitionsbestand aus dem Ausland in Nigeria rund 98 Mrd. USD, was fast ein Viertel des nationalen BIP ausmacht. Die wichtigsten Herkunftsländer des Auslandskapitals sind die USA, VR China, Großbritannien, Niederlande und Frankreich. Die jährlichen Zuflüsse 2017 betrugen 3,5 Mrd. USD, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um rund 21 %, was zurückgeführt wird u. a. auf Sparmaßnahmen der Akteure im internationalen Kapitalverkehr. Der Bestand an deutschen Direktinvestitionen beträgt (Basis 2016) lt. GTAI 183 Mio. Euro bei einem Nettotransfer 2017 von 14 Mio. Euro.

Nigeria schneidet nach Bewertung der Weltbank im jüngsten Doing Business Report hinsichtlich des Investorenschutzes bei den Kriterien Transparenz, Managerverantwortung, Machtbefugnisse der Anteilseigner und allgemeinem Investorenschutz deutlich besser als der Durchschnitt der afrikanischen Länder ab, teilweise sogar besser als etwa die USA und Deutschland.

Autorin: Inge Hackenbroch

Quelle: Online-Anwendung Export Plus, Reguvis | Bundesanzeiger Verlag, Köln



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