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29.09.2019

Geschäftsaufbau in Ungarn: Hinweise und Tipps

Von: C. Isken/Redaktion

Ungarn ist als Produktionsstandort für deutsche Unternehmen attraktiv. Anziehungsfaktoren sind eine gute Infrastruktur, unternehmensfreundliche Steuerpolitik, gut ausgebildete Arbeitskräfte und noch wettbewerbsfähige Lohnkosten.

Eine wesentliche Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung Ungarns ist die Exportstärke der Industrie. Diese wird getragen vor allem von der Nachfrage aus den EU-Ländern, die stabil etwa 80 Prozent der ungarischen Exporte abnehmen und fast genauso viel (rund 75 Prozent) der Importe liefern. Die Exportquote Ungarns im Verhältnis zum BIP lag in den vergangenen Jahren deutlich über 70 Prozent und ging 2018 nach ersten Schätzungen zurück auf gut 67 Prozent. Die Produktion im Land ist vielfach von ausländischen Zulieferungen abhängig, was für den relativ hohen Importanteil von Maschinen, Elektronik und Elektrotechnik sowie Kfz und -Teilen verantwortlich ist. Für die stetige Ausweitung der Industrieproduktion sorgen nicht zuletzt die ausländischen Betriebe, die sich in Ungarn angesiedelt haben. Die wichtigsten Ausfuhrgüter sind Maschinen, Kfz und -Teile mit je etwa 14 bis 15 Prozent der Gesamtexporte, ferner Elektrotechnik und Elektronik mit jeweils rund 12 Prozent (laut GTAI-Angaben für 2017).

Deutschland wichtigstes Lieferland und Handelspartner

Deutschland ist seit Jahren mit Abstand wichtigstes Absatzland (2017: rund 27 Prozent der Exporte) sowie in ungefähr gleichem Ausmaß (26 Prozent der Importe) auch wichtigstes Lieferland Ungarns. Bei den Abnehmerländern folgen mit weitem Abstand die anderen osteuropäischen EU-Partnerländer sowie Italien, Österreich und Frankreich. Unter den Hauptlieferländern finden sich – mit weitem Abstand nach Deutschland – auch die Niederlande sowie als einziges Nicht-EU-Land die Volksrepublik China.

Das Handelsvolumen Ungarns mit Deutschland wächst seit Jahren stetig. Rund ein Viertel aller Ausfuhren geht regelmäßig nach Deutschland. Hierbei fielen die Importe aus Deutschland auch 2018 nach vorläufigen Ergebnissen geringer aus als die Exporte, sodass der Negativsaldo Deutschlands bei wachsendem bilateralem Handel bleibt.
Unter den Firmen, die ihre Geschäftsbeziehungen mit Ungarn ausbauen, sind traditionell besonders viele aus Süddeutschland. Den größten Anteil an den Ausfuhren Deutschlands nach Ungarn – insgesamt mehr als ein Drittel – erzielten auch 2018 wieder wie seit vielen Jahren Maschinen sowie Kfz und -Teile. Dies ist ein Hinweis darauf, dass sich in einer Industrienation wie Ungarn auch technisch anspruchsvolle Produkte absetzen lassen. Außerdem sind in Ungarn regelmäßig chemische Erzeugnisse und Elektrotechnik aus Deutschland gefragt. Wichtigste deutsche Einfuhrgüter sind ebenfalls Maschinen sowie Kfz und -Teile, was u. a. damit zusammenhängt, dass die Audi AG fast alle ihre Kfz-Motoren in Ungarn fertigt. Ferner machen auch Elektronik und Elektrotechnik aus Ungarn einen wesentlichen Teil der deutschen Importe aus.

In der Rangliste der wichtigsten Importländer Deutschlands hielt Ungarn 2018 laut Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden den 14. Rang noch vor Japan, der Türkei und den skandinavischen Ländern. Unter den wichtigsten Bestimmungsländern findet sich Ungarn sogar auf dem 13. Rang wieder, vor Russland, Japan und Dänemark.

Geschäftsaufbau – Informationsbeschaffung am Anfang

Wer in fremden Märkten agieren will, sollte diese kennen. Das bedeutet, vorher Informationen sammeln, sichten und für das eigene Vorhaben auswerten. Einen ersten Überblick bieten die Informationen von Germany Trade & Invest (www.gtai.de) und dem Außenwirtschaftsportal iXPOS (www.ixpos.de). Außerdem stehen die internationalen Abteilungen der Industrie- und Handelskammern (IHK) oder Handwerkskammern (HK) vor Ort in Deutschland als Ansprechpartner zur Verfügung.

Aber auch private Beratungsunternehmen wie z. B. AWI Hatto Brenner & Co. GmbH, Erlangen, geben gerne erste Tipps oder beantworten mit fundiertem Wissen Fragen. Weitere allgemeine Informationslinks finden Sie im Beitrag „Top-Internetadressen für das Auslandsgeschäft“ in der Online-Anwendung Export Plus.

Für einen effektiveren Kundenservice haben die deutschen IHKs jeweils Länderschwerpunkte gebildet. Bei dieser Arbeitsteilung betreut die IHK Aachen (www.aachen.ihk.de) insbesondere Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen, die am Ungarn-Geschäft interessiert sind. Die IHK Offenbach am Main (www.offenbach.ihk.de) ist ebenfalls Schwerpunktkammer für den ungarischen Markt. Ferner ist Ungarn auch ein Schwerpunktthema bei der IHK Ulm (www.ulm.ihk24.de), insbesondere innerhalb des dort eingerichteten Kompetenz-Zentrums Südosteuropa. Aktuelle Informationen gibt es daneben vor allem bei der zuständigen deutschen AHK – Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer in Budapest (www.ahkungarn.hu).

Aufschlussreiche Informationsquellen sind zudem die Webseiten der Wirtschaftsförderagenturen und zuständigen Fachministerien Ungarns, die meist zweisprachig sind. Informations- oder Sprechtage einzelner deutscher IHKs oder der ungarischen Handelskammer in Deutschland ermöglichen es, bei Länderexperten näher nachzufragen.

Wenn es bereits darum geht, Geschäftskontakte zu knüpfen, können elektronische Handelsplattformen, Datenbanken und Firmenpools nützlich sein. Seit 2012 hat das Portal www.ixpos.de eine Export-Community, bei der man sich mit Partnern vernetzen und austauschen kann.

Als Firmennachschlagewerk zu empfehlen ist etwa www.eubusiness.com, das die Adressen in den einzelnen Ländern zudem noch regional unterteilt, oder das globale Suchportal www.kompass.com, das nach Produkten und Firmen auflistet. Als Firmennachschlagewerk kann zudem www.yellowpages.hu, das auch eine deutsche Version hat, empfohlen werden.

Tipp: Delegations- und Geschäftsreisen
Der nächste Schritt, direkte persönliche Geschäftskontakte in Ungarn zu knüpfen, ist ebenfalls ohne großen Kostenaufwand möglich. Ein Flug oder eine Fahrt nach Ungarn dauert nicht lange. Eine günstige Gelegenheit, vor Ort mit Unternehmern in Kontakt zu kommen, sind etwa Delegationsreisen von Wirtschaftskammern bzw. Wirtschaftsministern oder -staatssekretären einzelner Bundesländer. Diese Reisen werden bis zu 50 Prozent bezuschusst. Besonders erfolgversprechend sind ferner branchenbezogene Delegationsreisen. So organisiert etwa die IHK Aachen im Oktober 2019 eine Delegationsreise speziell für Automobilzulieferer zur Messe „Automotive Ungarn“.

Startplattform Messen
Eine gute Gelegenheit zur Anbahnung von Geschäfts- und Kooperationskontakten sind Messen und Ausstellungen. Diese ermöglichen es zudem, die Konkurrenz aus der Nähe zu beobachten und mit einem eigenen Stand Produkte und Marketingmaßnahmen im Kontakt mit Kunden zu testen. Ein weiterer Vorteil ist, dass eine Messebeteiligung zu kalkulierbaren Preisen möglich ist. Entscheidend ist es hierbei, aus dem Messekalender vor Ort die zur eigenen Strategie passende Messe herauszusuchen.

In Ungarn ist die Messelandschaft relativ übersichtlich und konzentriert sich vor allem auf die Hauptstadt Budapest. Allein in der Region Budapest lebt etwa die Hälfte der ungarischen Bevölkerung. Das größte Messegelände Ungarns wird von der Hungexpo Zrt. (www.hungexpo.hu) betrieben. Das ehemals staatliche Unternehmen gehört seit 2005 zur französischen GL-events-Firmengruppe. Die überdachten Hallen des „Hungexpo Budapester Messezentrums“ umfassen mehr als 60.000 Quadratmeter. Hier finden jährlich rund 35 Messen und Ausstellungen statt.

Wichtigste Messen für deutsche Aussteller in Ungarn

Dental World – Messe für Dentalmedizin und -technik
10.–12. Oktober 2019 – jährlich
Budapest – Hungexpo
https://dentalworld.hu

AGROmashExpo – Internationale Landwirtschafts- und landwirtschaftliche Maschinenausstellung
22.–25. Januar 2020 – jährlich
Budapest – Hungexpo
www.agromashexpo.hu

BUDAPEST BOAT SHOW – Internationale Bootsausstellung
27. Februar–1. März 2020 – jährlich
Budapest – Hungexpo
www.boatshow.hu

RENEO – Internationale Fachmesse für erneuerbare Energien
1.–5. April 2020 – jährlich
Budapest – Hungexpo
www.reneo.hu

CONSTRUMA – Internationale Fachausstellung für die Bauindustrie
April 2020 – jährlich
Budapest – Hungexpo
www.construma.hu

HORTICO
August 2020 – jährlich

University of Debrecen, Centre of Agriculture
www.vtrade.hu
www.farmerexpo.hu

Zukunft Personal Hungary
13.–14. November 2020 – jährlich
Millenáris Budapest
www.zukunft-personal.com/hungary

MACH-TECH – Internationale Fachausstellung für Maschinenbautechnologie und Schweißtechnik
5.–8. Mai 2020 – jährlich

Budapest – Hungexpo
www.iparnapjai.hu

(Quellen: Hungexpo, AUMA, eigene Recherchen)

Tipp: Gemeinschaftsbeteiligung
Gerade kleinere Unternehmen sollten jeweils prüfen, ob die Wirtschaftsförderung ihres Bundeslandes eine Gemeinschaftsbeteiligung anbietet. Diese wird vom zuständigen Ministerium finanziell gefördert. Außerdem erhalten die Teilnehmer fachkundigen Rat zur Vor- und Nachbereitung, da z. B. beim Messeverkauf die gesetzlichen Bestimmungen des Landes zu berücksichtigen sind.

Welche Branchen für deutsche Unternehmen in Ungarn gute Geschäftschancen bieten, erfahren Sie im zweiten Teil dieses Beitrags nächsten Monat oder direkt in der Online-Anwendung Export Plus.

Quelle: Online-Anwendung "Export Plus" (Praxisinformationen für Export- und Zollverantwortliche in Unternehmen), Reguvis | Bundesanzeiger Verlag, Köln



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