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08.10.2019

Automobilbranche: Weltweit steigt die Gefahr von Zahlungsausfällen

Verkehr auf der Autobahn

© istockphoto.de

Die globale Automobilindustrie steckt in der Krise. Besonders große Zahlungsrisiken gehen von Geschäften mit Zulieferern und Autohändlern in Europa und China aus. Das zeigt die aktuelle Analyse „MarktMonitor Automotive 2019“ des Kreditversicherers Atradius.

Die britische Autobranche trifft es am härtesten, denn den Prognosen des Versicherers zufolge erhöhen sich in den kommenden zwölf Monaten dort die Insolvenzen am stärksten, mit einem Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, gefolgt von China und Italien mit einer Zunahme von jeweils 5 Prozent sowie Frankreich und Polen mit jeweils plus 3 Prozent. Auch in Deutschland werden 2019 der Analyse nach die Firmenpleiten im Automobilsektor um mindestens 2 Prozent steigen.

Atradius stuft mehrere Sektoren herab

Weltweit gehen in diesem Jahr die Verkaufszahlen von Automobilen um 5 Prozent gegenüber 2018 zurück, lautet die Vorausschau des Kreditversicherers. Dieser rechnet damit, dass das Zahlungsrisiko in der Branche weiter steigen wird – und sieht schon jetzt in der globalen Automobilwirtschaft so große Unsicherheiten wie seit der Finanz- und Wirtschaftskrise nicht mehr. Daher hat Altradius nun seine Bewertungen für zahlreiche Sektoren in großen Automobilmärkten herabgestuft.

Für Deutschland schätzt Atradius das Forderungsrisiko in der Automobilwirtschaft aktuell als „erhöht“ ein, während im vergangenen Jahr die Bewertung für die gesamte Branche noch „durchschnittlich“ lautete. Hingegen erhielt das Forderungsrisiko der deutschen Automobilhersteller und zahlreicher direkter Zulieferer (Tier 1) die Note „gut“. Das könne jedoch ins Wanken geraten, wenn es zu US-Zöllen auf europäische Automobilteile, einem weiter eskalierenden Handelsstreit zwischen den USA und China oder einer globalen Rezession kommt, meint Altradius.

Bei britischen Herstellern und Tier-1-Zulieferern sei die Gefahr von Zahlungsausfällen und -verzögerungen nach jüngster Analyse als insgesamt „durchschnittlich“ einzuordnen. 2018 lautete das Rating des Versicherers noch „gut“. Bei Tier-2-Zulieferern (Komponenten) sowie bei Automobilhändlern müssen Lieferanten derzeit gar von einem „erhöhten“ Forderungsrisiko ausgehen, so Altradius. Im vergangenen Jahr hatte die Analyse bei beiden Untersektoren noch ein „mittelmäßiges“ Risiko gezeigt. Dafür verantwortlich seien vor allem die anhaltenden Brexit-Unsicherheiten, konstatiert der Kreditversicherer.

Ein mittelmäßiges Forderungsrisiko schreibt Altradius auch den Geschäften mit italienischen Herstellern zu, 2018 bewertete er dieses Risiko noch mit „gut“. Im italienischen Zulieferersektor (Tier 1 und 2) ist seine Einstufung „erhöhtes Risiko“ aktuell sogar um zwei Stufen schlechter als noch im Vorjahr (2018: „gut“). Unverändert gegenüber dem Vorjahr zeigt sich der Analyse nach die Situation bei den italienischen Automobilhändlern („mittelmäßig“).

Insbesondere bei Geschäften mit kleineren Zulieferern sei auch in Frankreich in den kommenden zwölf Monaten mit zunehmenden Zahlungsverzögerungen zu rechnen. Dort seien die Absatzzahlen im ersten Halbjahr 2019 ebenfalls zurückgegangen. Das Forderungsrisiko bei Geschäften mit französischen Herstellern und großen Tier-1-Firmen bleibe wahrscheinlich erst einmal moderat, unter anderem deshalb, weil drohende US-Zölle die französischen Marken nur geringfügig beeinträchtigten, schätzt Altradius.

Die Analyse zeigt bei Herstellern in Polen ein „mittelmäßiges“ Zahlungsrisiko und bei Tier-1- und Tier-2-Lieferanten sowie bei Automobilhändlern ein „erhöhtes“. Unsicherheiten bestünden vor allem bei Tier-2-Unternehmen. Altradius geht davon aus, dass ein ungeordneter Brexit und US-Zölle auch für die polnische Automobilwirtschaft aufgrund ihrer Exportabhängigkeit schwer zu verkraften seien.

Im größten Automobilmarkt der Welt China hat sich zuletzt vor allem unter den Automobilhändlern das Zahlungsrisiko signifikant verschlechtert. Nach der jüngsten Analyse bewertet Atradius das Forderungsrisiko bei Geschäften mit ihnen als „erhöht“, heruntergestuft von „gut“ im vergangenen Jahr. Hintergrund sind die zuletzt schwachen Verkaufszahlen im Reich der Mitte (-12,4 Prozent im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Es wird damit gerechnet, dass die Absatzschwäche bis ins kommende Jahr andauern wird.

Ebenfalls mit erheblichen Unsicherheiten verbunden sei das Geschäft mit chinesischen Tier-2-Zulieferern. Auch bei kleineren chinesischen Anbietern von Komponenten für Elektro-Autos steige das Forderungsrisiko. Demzufolge nehmen die Insolvenzzahlen von kleineren Herstellern von E-Mobilitätskomponenten in den kommenden zwölf Monaten zu, voraussichtlich um 5 Prozent, schätzt Altradius. Bei Lieferungen an chinesische Hersteller und Tier-1-Zulieferer bewertet Atradius das Forderungsrisiko weiterhin als „gut“. Die Auswirkungen des Handelsstreits mit den USA auf die Branche seien derzeit noch moderat. Nach dem schwachen ersten Halbjahr 2019 sieht Atradius die Gefahr von Zahlungsausfällen in der chinesischen Automobilwirtschaft insgesamt als „erhöht“ an.

Der aktuelle Atradius „MarktMonitor Automotive 2019“ kann hier gelesen werden.

Quelle: www.altradius.de



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