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27.06.2019

Aussichtsreiche Marktsektoren in Angola

Von: C. Isken/Redaktion

Geschäftsmann sieht Akten durch

© danstar/Shotshop.com

Der in Angola seit August 2017 amtierende Staatspräsident Joao Lourenco brachte wirtschaftliche und politische Reformen in Gang, durch die sich in dem Land gute Geschäftschancen für deutsche Unternehmen eröffnen.

Aussichtsreiche Marktsektoren für deutsche Unternehmen sind:

  • Ausrüstungen, Transportmittel

Die neue Regierung hat verstärkte Investitionen u. a. im Gesundheitswesen angekündigt. Damit dürften sich in Zukunft vermehrt Chancen etwa für Medizingeräte und sonstige Ausrüstungen für den Krankenhausbedarf ergeben. Vielversprechende Aussichten bietet langfristig auch der Bergbausektor, der noch zum überwiegenden Teil unerschlossen ist, selbst im Bereich Diamanten, wo Angola drittgrößter Produzent in Afrika ist (nach Botswana und Südafrika). Die Regierung bemüht sich um die Anziehung neuer Auslandsinvestoren speziell in den Diamantenbergbau in verschiedenen Provinzen (Bié, Malanje und Uíge). In der jahrelang boomenden Bauwirtschaft dürfte auch in Zukunft wieder mit steigenden Aktivitäten und entsprechend wachsendem Bedarf an Ausrüstungen gerechnet werden, sobald die jüngste Wirtschaftskrise durch den Ölpreisverfall überwunden ist.

  • Energiewirtschaft

Da bislang erst etwa die Hälfte der Bevölkerung an das Stromnetz angeschlossen ist, besteht auch für die kommenden Jahre ein wachsender Bedarf an Stromerzeugungskapazitäten. Im langfristigen Plan des Energieministeriums (bis 2025) sind noch umfangreiche Projekte zur Ausweitung der installierten Kraftwerkskapazitäten auf rund 10.000 MW, hauptsächlich aus Wasserkraft, vorgesehen. Insgesamt verfügt Angola über eine Wasserkraftkapazität von 18.000 MW, die auch nach den Vorstellungen der Regierung sukzessive langfristig ausgeschöpft werden sollen. Entsprechend hoch dürfte auch der Bedarf an importierten Ausrüstungen bleiben, da das Land über keine Inlandsproduktion in diesem Sektor verfügt.

  • Agroindustrie

Es besteht ein erheblicher Bedarf an Erzeugungskapazitäten für die Nahrungsmittelindustrie, da Angola bislang etwa 20 % seiner benötigten Nahrungsmittel selbst erzeugt. Die Regierung hat bereits seit Jahren die besonders vom Bürgerkrieg beeinträchtigte Agrarwirtschaft zu einem prioritären Sektor erklärt und bemüht sich vor allem um die Anziehung von Großinvestitionen aus dem Ausland in die kommerzielle Landwirtschaft. In der Planung befanden sich vor Ausbruch der Ölpreiskrise über 40 Farmprojekte in verschiedenen Provinzen mit einem veranschlagten Investitionswert von insgesamt rund 9 Mrd. USD.

  • Konsumgüter, Pharma, Chemie

Mangels inländischer Eigenproduktion dürfte Angola auch in Zukunft ein stabiler Absatzmarkt für Konsumgüter bleiben. Dazu gehören vor allem Nahrungsmittel sowie auch Pharmazeutika und Produkte der Chemiebranche wie etwa Reinigungsmittel, Toilettenartikel und Kosmetika. 

Beispiel: Der in Afrika traditionell verwurzelte Lonrho-Konzern mit Sitz in London hat in der Provinz Uíge 25.000 Hektar Land für den Reisanbau erworben. Aus Deutschland haben sich bislang etwa 20 Firmen vor allem aus den Bereichen Maschinenbau, Hoch- und Tiefbau, Ingenieurmanagement, Industrieanlagen, Energietechnik, Kommunikationstechnologie und Consulting angesiedelt. Darunter befindet sich u. a. auch eine angolanische Firma wie der Baumaschinenhändler TrevoTech Lda, der rund ein halbes Dutzend deutsche Hersteller vertritt wie u. a. die Landmaschinenfirmen Claas, Grimme und Fuchs.

Praktische Informationen und Tipps

  •  Investitionsanreize

Die neue Regierung hat das Private Investment Law von 2015 überarbeitet und 2018 ein neues Gesetz erlassen (New Private Investment Law vom 26. 6. 2018). Darin wurden verschiedene Erleichterungen zugunsten von Investoren eingeführt, wie u. a. die Abschaffung von Mindestinvestitionsbeträgen für die Förderungswürdigkeit. Ferner wurde die Vorschrift der Gründung einer lokalen Firma mit einer inländischen Mindestbeteiligung abgeschafft. Stattdessen gibt es Auflagen für sogenannten local content in bestimmten Bereichen wie vor allem der Öl- und Gasindustrie. Für die Förderung von Investitionen werden verschiedene Verfahren eingeführt, u. a. die Anerkennung von Prioritätssektoren. Ferner werden steuerliche Ermäßigungen und Steuerfreiperioden gewährt. Als neue zuständige Behörde wurde die Agency for Private Investment and Promotion of Exports (APIEX) errichtet.

Tipps:

Eine Übersicht über praktische Fragen für Auslandsinvestoren in Angola findet sich online (auf Englisch) hier. 

Eine weitere Zusammenstellung von Incentives für Investitionen findet sich hier.

  • Rechtswesen

Angolas Rechtswesen basiert auf dem bürgerlichen Recht Portugals als ehemaliger Kolonialmacht. Dabei hat Angola auch das portugiesische Insolvenzrecht geerbt. Angola ist bekannt für sein besonders langsames, teures und kompliziertes Gerichtswesen, in dem ausländische Gerichts- und Schiedsurteile praktisch nicht durchsetzbar sind. Das Land ist Mitglied der Multilateral Investment Guarantee Agency (MIGA), die im Rahmen ihrer Dienstleistungen Hilfestellung bei Disputen geben kann. Als durchschnittliche Dauer bei kommerziellen Streitfällen sind erfahrungsgemäß mindestens vier Jahre anzusetzen. Ausländischen Investoren wird generell empfohlen, ihre vertraglichen Beziehungen nicht nach angolanischem Recht zu gestalten, um Zahlungen auf Kwanza-Basis zu vermeiden und möglichst US-Dollar-Basis durchzusetzen. Es empfiehlt sich unbedingt, vor Vertragsabschluss professionelle Rechtsberatung in Fragen von Vertragsrecht, Schiedsklauseln und Zahlungsmodalitäten einzuholen. Das New Yorker Übereinkommen über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche ist für Angola 2017 in Kraft getreten. Jedoch waren zur Durchsetzbarkeit in der Praxis hierbei noch gesetzliche Veränderungen u. a. beim freiwilligen Schiedsgesetz (Voluntary Arbitration Law) vorzunehmen.

  • Normen

Zuständig für Normen und Standards ist das nationale Normeninstitut IANORQ (Instituto Angolano de Normalização e Qualidade). Für gewerbliche Eigentumsrechte ist das Industrieministerium zuständig. Die Bestimmungen über Patente, Warenzeichen und Design sind in einem Gesetz (Industrial Property Law 3/92) niedergelegt. Angola ist Vertragsstaat des internationalen Vertrags zur Kooperation bei Patenten und der Pariser Verbandsübereinkunft zum Schutz des gewerblichen Eigentums. 

Tipp: Ein Überblick (auf Englisch) über Verfahrensfragen beim Handel mit Angola findet sich hier.

  • Delegiertenbüro der Deutschen Wirtschaft

In Luanda besteht seit 2010 eine Delegation der Deutschen Wirtschaft als Teil eines weltumspannenden Netzes von rund 140 Auslandshandelskammern und Delegationen der Deutschen Wirtschaft in über 90 Ländern, darunter bisher auch acht Länder in Afrika. Die Delegation fungiert als erster Ansprechpartner für deutsch-angolanische Wirtschaftsbeziehungen und deutsche Unternehmen beim Markteintritt in Angola. Als Dienstleister und lokaler Partner steht die Delegation deutschen Firmen bei allen Fragen des Markteinstiegs, Adressenrecherchen, Delegationsreisen oder auch anderen Anfragen zur Verfügung.

Quelle: Online-Anwendung Export Plus, Reguvis | Bundesanzeiger Verlag, Köln



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