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12.06.2019

Nigeria – aussichtsreiche Marktsektoren für deutsche Unternehmen

Von: C. Isken/Redaktion

Flagge von Nigeria

Das Erdölland Nigeria gilt im Auslandsgeschäft als einer der schwierigsten Märkte weltweit. Dennoch hat das Land ein hohes Zukunftspotenzial und bietet deutschen Unternehmen gute Geschäftschancen.

Nigeria gehört zu den Ländern Afrikas, die traditionell die meisten ausländischen Investitionszuflüsse (Foreign Direct Investment/FDI) anziehen. Nach der jährlichen Erfassung der UNCTAD (United Nations Commission for Trade and Development) stand Nigeria 2018 an dritter Stelle nach Ägypten und Äthiopien. Die Sektoren mit den meisten FDI-Zuflüssen sind vor allem die Erdölwirtschaft, Energie- und Bauwirtschaft. Nach Erfassung von 2017 betrug der gesamte Investitionsbestand aus dem Ausland in Nigeria rund 98 Mrd. USD, was fast ein Viertel des nationalen BIP ausmacht. Die wichtigsten Herkunftsländer des Auslandskapitals sind die USA, VR China, Großbritannien, Niederlande und Frankreich. Die jährlichen Zuflüsse 2017 betrugen 3,5 Mrd. USD, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um rund 21 %, was zurückgeführt wird u. a. auf Sparmaßnahmen der Akteure im internationalen Kapitalverkehr. Der Bestand an deutschen Direktinvestitionen beträgt (Basis 2016) lt. GTAI 183 Mio. Euro bei einem Nettotransfer 2017 von 14 Mio. Euro.

Nigeria schneidet nach Bewertung der Weltbank im jüngsten Doing Business Report hinsichtlich des Investorenschutzes bei den Kriterien Transparenz, Managerverantwortung, Machtbefugnisse der Anteilseigner und allgemeinem Investorenschutz deutlich besser als der Durchschnitt der afrikanischen Länder ab, teilweise sogar besser als etwa die USA und Deutschland.

Aussichtsreiche Marktsektoren für deutsche Unternehmen

Ausrüstungen, Transportmittel

In zahlreichen Industriebereichen werden in den nächsten Jahren wieder steigende Investitionen erwartet, nachdem es in der Wirtschaftsflaute aufgrund des Ölpreisverfalls allgemein einen Investitionsstau gegeben hatte. Ein solcher Sektor ist etwa die Umwelttechnik, wenn zukünftig mehr in die städtischen Versorgungssektoren Wasser/Abwasser und Abfallwirtschaft investiert wird, vor allem in Lagos, aber auch in anderen Millionenstädten des Landes. Lieferchancen bestehen ferner für deutsche Hersteller von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, da die nigerianische Nahrungsmittelindustrie auch weiterhin im Ausbau befindlich ist.

In der Kfz-Industrie besteht aufgrund der 2013 eingeführten Einfuhrsteuer auf importierte Kfz ein Anreiz für ausländische Hersteller, in Nigeria Montagebetriebe zu errichten. Diese Entwicklung wird allerdings gegenwärtig behindert durch die schwache Nachfrage nach Neuwagen und die häufige Bevorzugung von billigeren Gebrauchtwagen durch die Verbraucher. Ein besonders dynamischer Ausrüstungssektor ist ferner Medizintechnik, da internationale Investoren im Gesundheitswesen Nigerias engagiert sind. So werden gegenwärtig speziell im Großraum Lagos eine Reihe von Krankenhausvorhaben geplant bzw. durchgeführt.

Besonders im Fokus ausländischer Investoren steht u. a. der noch weitgehend unerschlossene Bergbausektor. Die potenziellen Investoren kommen vor allem aus Australien, Südafrika, Brasilien, Kanada, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Wenn die krisenbedingte Flaute in der Bauwirtschaft überstanden ist, dürften mit wieder steigenden Investitionen in wichtige Infrastruktursektoren auch die Lieferchancen für Baumaschinen wieder besser werden.

Energiewirtschaft

Aufgrund der nach wie mangelhaften Stromversorgung landesweit besteht im Energiesektor ein anhaltend hoher Bedarf an individuellen, netzungebundenen Lösungen für gewerbliche und private Kunden. Dazu gehören vor allem im Norden, wo die Stromanschlüsse besonders lückenhaft sind, Solaranlagen. Unternehmen und Privathaushalte sind vor allem an energieeffizienten Lösungen interessiert, die ihnen die teure Verwendung von Dieselgeneratoren ersparen können.

Agroindustrie

In der Landwirtschaft werden in den kommenden Jahren zunehmende Lieferchancen für Landtechnik und Agrochemie erwartet aufgrund der steigenden Investitionen in den Anbau und die Verarbeitung zahlreicher Grundnahrungsmittel (Mais, Reis, Tomaten, Kassava, Zucker usw.). Ausländische Zulieferbetriebe sind dabei, ihre Präsenz auf dem Markt auszubauen. 

Konsumgüter, Pharma, Chemie

Nigeria ist trotz steigender Agrarproduktion auch weiterhin in erheblichem Umfang auf Importe von Nahrungsmitteln angewiesen, nach Schätzung von Branchenexperten in einer jährlichen Größenordnung von mehr als 6 Mrd. USD. Ein besonderer Bedarf besteht u. a. an Lebensmitteln mit besonders langer Haltbarkeit sowie auch etwa bei Teigwaren, Säften, Milchpulver oder auch Fleisch. Auf dem Markt für Pharmazeutika dürfte es auch in Zukunft steigenden Bedarf an hochwertigen Qualitätsprodukten aus dem Ausland geben, vor allem im Großraum Lagos u. a. durch die neuen Krankenhausvorhaben. Dieser Markt ist in Nigeria allerdings in besonderer Weise durch den Zufluss illegaler „Fake“-Produkte vor allem aus Asien gefährdet.

Beispiel: Julius Berger PLC ist ein deutschstämmiges Bauunternehmen, das seit 1970 in Nigeria inkorporiert ist und dort geradezu eine Institution geworden ist. Bergers Erkennungszeichen, das weiße „B“ auf blauem Grund, kennt jedes Schulkind in Nigeria und markiert im ganzen Land die zahlreichen Bauprojekte der Firma. Julius Berger ist der größte und wohl auch gefragteste Arbeitgeber in Nigeria, der zudem einen besonderen „interkulturellen Austausch“ und Know-how-Transfer praktiziert: Die Firma bietet deutschen Ingenieuren, Technikern und Facharbeitern die Möglichkeit eines mehrjährigen Einsatzes in Nigeria und beschäftigt praktisch permanent einige Hundert deutsche Mitarbeiter, die Seite an Seite mit den lokalen Mitarbeitern in den vielen Projekten der Firmengruppe arbeiten.

Weitere Informationen erhalten Sie in dem Beitrag „Nigeria – Gigant im Westen Afrikas“ von Inge Hackenbroch auf der Online Anwendung „Export Plus“.

Quelle: Online-Anwendung Export Plus, Reguvis | Bundesanzeiger Verlag, Köln

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