Betreuungszahlen

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Version vom 17. Oktober 2012, 12:49 Uhr von Hdeinert (Diskussion | Beiträge) (Einwilligungsvorbehalte)

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Anzahl der Betreuten am Jahresende
Betreuungen je Einwohner

Betreuungszahlen 2005 - 2011

Gesamtübersichten:

Gesamtzahlen (2011)

Die Zahl der Betreuungsverfahren ist zum Ende des Jahres 2011 auf 1.319.361 und somit um 0,40 % (= 5.310 Personen) angestiegen. Damit ist der Anstieg der Verfahren weit geringer als in den Vorjahren (2009: 1,43 %, 2010: 1,75 %). Da auch die zum Jahresende noch nicht rechtskräftig beendeten Verfahren gezählt werden, können sich kleinere Diskrepanzen zur Zahl der tatsächlich am Jahresende angeordneten Betreuungen ergeben . Ebenfalls nicht erfasst sind Betreuungsverfahren, die während eines laufenden Kalenderjahres neu begonnen wurden und am Ende des gleichen Jahres nicht mehr fortbestehen.

Zugleich sind sowohl die Registrierungen von Vorsorgevollmachten als auch die von Bevollmächtigten gestellten Genehmigungsanträge weiter angestiegen. Die Zahl der beim zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer registrierten Vorsorgevollmachten stieg im Jahr 2011 von 1.230.059 auf 1.520.848 und somit um 23,6 % an, weit stärker als im Jahr zuvor. Bis zum 30.6.2012 erhöhte sich die Zahl der Registrierungen auf 1.606.889. In rund Dreiviertel der 2011 erfolgten Neueintragungen (bei 219.119 von 290.789 Fällen) waren auch Hinweise auf Patientenverfügungen1901a BGB) enthalten.

Erstbestellungen zum Betreuer

Bei den Erstbestellungen von Betreuern ist 2011 ein Rückgang von ca. 3 % gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen (2011: 243.644; 2010: 251.030). Auch hat sich der Rückgang des Anteils der ehrenamtlichen Betreuungen weiter fortgesetzt. Der Gesamtanteil für ehrenamtliche Betreuer lag bei 62,17 % (2010: 63,72 %, 2009: 64,9 %), wobei der Anteil der nicht familienangehörigen Ehrenamtler weiter minimal anstieg (Anteil an der Gesamtzahl 2011: 5,58 %, 2010: 5,53 %; 2009: 5,49 %).

Bei den beruflichen Betreuungen (2011 insgesamt 37,83 %, 2010 36,28 %; 2009 35,1 %) sank der Anteil der Vereinsbetreuungen nach kleinem Anstieg in den Vorjahren (2011: 5,85 % 2010: 6,18 %; Vorjahr 5,79 %. Der Behördenbetreueranteil sank wiederum (2011: 0,32 %, 2010: 0,38 %; 2009: 0,46 %) . Selbstständige Berufsbetreuer wurden 2011 zu 31,67 % (2010: 29,71 %, 2009: 28,81 %) bestellt. Der Anteil der nichtanwaltlichen Berufsbetreuer betrug dabei 25,31 % (2010: 23,89 %, 2009: 23,4 %). Anwälte als Berufsbetreuer wurden zu 6,36 % (2010: 5,82 %, 2009: 5,4 %) bestellt.

Im Jahre 2005 waren nach dem Zwischenbericht 2007 des Kölner ISG:

  • 26,5 % der von Berufsbetreuern betreuten Personen im Alter von 18 – 39 Jahren,
  • 47,0 % im Alter von 40 – 69 Jahren sowie
  • 26,5 % 70 Jahre und älter.

Nach dem Zwischenbericht 2007 des Kölner ISG waren folgende medizinische Diagnosen Grundlagen die Bestellung beruflicher Betreuer im Jahre 2005:

  • 6,9 % Körperliche Behinderung
  • 19,9 % Demenz
  • 16,7 % Sucht
  • 33,4 % sonstige psychische Krankheit
  • 15,9 % geistige Behinderung
  • 19,7 % Mischbild Krankheit und Behinderung

Betreuerwechsel

Bei Betreuerwechseln ergab sich gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um rund 8 % (2011 insgesamt 43.217; 2010: 40.026; 2009: 38.796). Auch waren die Betreueranteile erneut höchst unterschiedlich gegenüber den Erstbestellungen. Familienangehörige wurden zu 21,6 % (2010: 24,27 %, 2009: 24,71 %) bestellt, sonstige Ehrenamtler zu 13,58 % (2010: 13,65 %, 2009: 13,88 %).

Die Bestellung selbstständiger Berufsbetreuer (inkl. Anwälte) erfolgte zu 46,43 % (2010: 45,01 %, 2009: 43,15 %), Vereinsmitarbeiter wurden zu 17,85 % (2010: 16,60 %, 2009: 16,65 %), Behördenmitarbeiter zu 0,54 % (2010: 0,46 %, 2009: 1,61 %) bestellt . In 5.812 Fällen (2010: 5.509, 2009: 4.936) Fällen erfolgte ein Wechsel von beruflicher zu ehrenamtlicher Betreuung (entspricht 13,45 %, 2010: 13,76 %, 2009: 12,72 %) . Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl beim Wechsel vom Berufsbetreuer zum Ehrenamtler um 5,5 %.

Verfahrenspfleger

Verfahrenspflegerbestellungen in Betreuungs- und Unterbringungsverfahren

Die Bestellung von Verfahrenspflegern sank nach der erheblichen Seigerung im Jahre 2010 wieder um 3,76 % (Gesamtzahl 2011: 124.623, 2010: 129.491; 2009: 113.104), erreichte aber dennoch den zweithöchsten Wert seit Einführung des Betreuungsrechtes. 2011 wurden in 61,49 % (2010: 61,12 % 2009: 67,25 %) der Fälle Anwälte als Verfahrenspfleger bestellt, in 38,51 % (2010: 38,88 % , 2009: 32,75 %) andere beruflich tätige Personen . Ehrenamtliche Verfahrenspflegerbestellungen wurden statistisch nicht erfasst.

Einwilligungsvorbehalte

Anordnung von Einwilligungsvorbehalten

Einwilligungsvorbehalte1903 BGB) wurden 14.207 mal angeordnet (2010: 14.860, 2009: 14.132). Gegenüber dem Vorjahr war dies ein Rückgang um 4,39 %. Die Quote von Einwilligungsvorbehalten in Relation zu Erstbestellungen lag im regionalen Vergleich 2011 zwischen 1,2 % [Bremen] und 10,35 % [Brandenburg] (Vorjahr 3,4 % [Bayern] und 9,48 [Brandenburg]. Der Mittelwert lag 2010 bei 5,83 % (2010: 5,92 %, 2009: 5,64 %).

Heilbehandlungen

Genehmigte Heilbehandlungen

Die Zahl der genehmigten Maßnahmen nach § 1904 BGB (gefährliche Heilmaßnahmen) im Bereich der Gesundheitssorge sank 2009 erneut geringfügig. Sie betrug 2009 3.383 (2008 3.481; Rückgang um 2,8 %). Statistisch wird bisher nicht erfasst, ob es sich um Genehmigungen nach § 1904 Abs. 1 BGB (gefährliche Behandlungen) oder nach Abs. 2 (Beendigung bzw. Nichteinleitung lebenserhaltender Maßnahmen) handelt. Im Jahre 2009 waren von den Genehmigungen nach § 1904 BGB 474 = 14,01 % (2008: 610 = 16,46 %) nicht von Betreuern, sondern von Bevollmächtigten beantragt worden

Quelle: Bundesamt für Justiz; Sondererhebung Verfahren nach dem Betreuungsgesetz 1992 - 2009 (Zahlen 2000 - 2007 ohne Hamburg), Grafik: Deinert

Einige weitere Zahlen:

Sterilisationsgenehmigungen1905 BGB) erfolgten 68 mal (2008: 89).

Bei Freiheitsentziehenden Maßnahmen ist ein unterschiedlicher Trend festzustellen. Sie wurden wie folgt genehmigt

  • Genehmigungen nach § 1906 Abs. 1 BGB

Freiheitsentziehende Maßnahmen wurden 54.131 mal (2008 52.811) genehmigt. Gegenüber dem Vorjahr war das ein Anstieg um 2,5 %. 2009 ging die Unterbringung in 6.952 Fällen (=12,81 %) auf Anträge von Bevollmächtigten zurück (2008: 6.151 = 11,28 %). Die Unterbringungsquote je 10.000 Einwohner lag 2009 zwischen 1,59 (Vorjahr 1,43, jeweils Thüringen) und 13,59 (2008: 13,12; jeweils Bayern). Mittelwert war 6,62 (2008: 6,44).

  • Genehmigungen nach § 1906 Abs. 4 BGB

Unterbringungsähnliche Maßnahmen wurden 2009 96.062 (2008 91.823) genehmigt. Dies ist ein Anstieg von 4,6 % ggü. 2008. Im Jahr 2009 gingen die unterbringungsähnlichen Maßnahmen in 23.676 Fällen (= 24,65 %) auf Anträge von Bevollmächtigten zurück (2008: 21.227 = 21,59 %). Die Quote unterbringungsähnlicher Maßnahmen je 10.000 Einwohner schwankte 2009 zwischen 0,96 (2008 1,14; jeweils Berlin) und 20,59 (2008 20,27; jeweils Bayern). Mittelwert war 11,74 (2008: 11,2).

Betreuungsvereine

Die Zahl der anerkannten Betreuungsvereine stieg wieder leicht an, auf 814 (2008: 806). Durch Landesmittel gefördert wurden 627 Vereine (2008: 634). Die Fördersumme betrug 2009 9,909 Mio Euro (2008: 9,551 Mio Euro). Dies war bundesweit je 1000 Einwohner eine Summe von 121,14 Euro (2008: 116,48 Euro). Es gibt erhebliche Unterschiede in den Bundesländern. Details siehe Abb. 3. Die kommunale Förderung konnte wegen der Unterschiedlichkeit der Modelle nicht verglichen werden.

Aufwendungsersatz und Vergütung

Die Ausgaben der Staatskasse für Aufwendungsersatz und Vergütungen der Betreuer und Verfahrenspfleger betrugen 2009 nach der Erhebung des BfJ 688,4 Mio Euro (2008: 614,27 Mio). Der Kostenanstieg ggü. dem Vorjahr beträgt hiernach 12,07 %

Siehe auch


Literatur

  • Bienwald: Die betreute Republik. Zur übergroßen Zahl von Betreuungsfällen; BtPrax 2002,3
  • Böhm: Warum bestellen die Gerichte so viele (oder so wenige) Betreuer; BtPrtax 1996, 86
  • der Berufsbetreuer/innen: Situation und Perspektiven der Professionalisierung von Berufsbetreuern (bdb argumente Nr. 2), Hamburg 2004
  • Coeppicus, Faszinierende Zahlen zum Betreuungsrecht, Rpfleger 2000,50 sowie
  • ders.: Berichte aus der Praxis; in Einer trage des anderen Last, Tagungsdokumentation der Ev. Akademie Loccum; Rehburg-Loccum, 1999
  • Crefeld: Von den wachsenden Bedürfnissen nach Betreuern in unserer Gesellschaft; in: Einer trage des anderen Last; Tagungsdokumentation der Ev. Akademie Loccum; Rehburg-Loccum, 1999
  • Crefeld: Gesundheitsberichterstattung zur Anwendung des Unterbringungsrechts nach dem PsychKG NRW und dem Betreuungsrecht; FESA-Transfer-Beiträge, Band 12; Bochum 2005, ISSN 0948-2501
  • Crefeld: Das durchschnittliche Risiko, betreut zu werden (PDF)
  • Darsow-Schütte/Müller: Zahl der Einweisungen nach PsychKG in 10 Jahren verdoppelt. Nr. PsychPrax 28 / 2001 S. 226
  • Deinert: Aktuelle Zahlen zur Praxis des Betreuungsrechtes, FamRZ 1998, 934.
  • ders. Dokumentation Betreuungszahlen 2000; BtPrax 2002, 25
  • ders.: Zur steigenden Zahl von Menschen unter rechtlicher Betreuung; Verbandszeitung des BdB 39/2002, S. 21
  • ders.: Betreuungszahlen 2001; BtPrax 2002, 204
  • ders.: Betreuungszahlen 2002; BtPrax 2003, 257
  • ders.: Betreuungszahlen 2003; BtPrax 2004, 227
  • ders.: Betreuungszahlen 2004; BtPrax 2006, 65
  • ders.: Betreuungszahlen 2005; BtPrax 2007, 3
  • ders.: Betreuungszahlen 2006/2007; BtPrax 2008, 251
  • ders.: Betreuungszahlen 2008; BtPrax 2009, 273
  • ders.: Betreuungszahlen 2009; BtPrax 6/2010
  • Deutscher Bundestag: Bundestagsdrucksache 13/7133 vom 5.3.1997
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  • Funk/Oberlander: Berufsbild und Qualitätssicherung in der Berufsbetreuung; Hamburg 2003
  • Goers: Sind Betreuungsvereine bald Vergangenheit? Ergebnisse einer bundesweiten Befragung; BdB Aspekte 42/2002, 15
  • Hoffmann/Tamayo Korte: Betreuungsrechtliche Praxis in Einrichtungen der stat. Altenhilfe; Stuttgart 2002
  • Lüdecke: Rechtliche Betreuer – die neuen Preistreiber ? BtPrax 2003, 217
  • Marschner: Zivilrechtliche und öffentlich-rechtliche Unterbringung; BtPrax 2006, 125
  • Müller: Zum Recht und zur Praxis der betreuungsrechtlichen Unterbringung; BtPrax 2006, 123
  • Müller P: Zwangseinweisungen nehmen zu. Dtsch Ärztebl 101, A 2794 – 2798 (Heft 2004, 42)
  • Oberloskamp u.a.: Hauptamtliche Betreuer und Sachverständige; Köln 1992
  • Rosenow: Warum es jedes Jahr mehr Betreuungen gibt, BtPrax 2002, 111
  • Schloemer: Warum regen Krankenhäuser, Altenheime und soziale Diensteso viele Betreuungen an? BtPrax 1996, 12
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  • Weinbörner: Zur Vergabe einer rechtstatsächlichen Untersuchung zum Betreuungsrecht; BtPrax 2002, 22
  • Zenz u.a.: Vormundschaft und Pflegschaft für Volljährige, Köln 1987


Weblinks